Stefan Kretzschmar stellt sich vor den HSV-Trainer. Duschebajew sei zu teuer für die Hamburger. Er nennt deren wunden Punkt.

Hallo Handball-Fans,

der HSV hat im zweiten Spiel seine zweite Niederlage kassiert. Eine Krise sehe ich deshalb aber noch nicht. Dafür ist die Zeit zu kurz.

Die Niederlage gegen den Bergischen HC war unnötig, aber am Samstag war es weniger die Leistung der Hamburger, sondern vielmehr der THW, der ein Ausrufezeichen gesetzt hat.

Sicherlich hat der HSV nicht sein bestes Spiel gemacht, aber wie Kiel gedeckt hat, war schon sehr beeindruckend. Das war eine Duftmarke.

Bei Hamburg merkt man, dass sie viele Alternativen haben, aber die einzelnen Spieler ihre Rolle noch nicht kennen. Vor allem im rechten Rückraum klappt es noch nicht. Man sieht, dass Markovic noch nicht richtig integriert ist. Aber das ist ganz normal, das braucht Zeit.

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Trotzdem müssen die Spieler jetzt Gas geben und die kommende Partie gegen Wetzlar gewinnen. Wenn man sich auf die Fahne geschrieben hat, Titel zu gewinnen, dann darf man gegen die neue Mannschaft von Ivano Balic nicht verlieren.

Ich finde es übrigens nicht ganz fair, dass man Martin Schwalb nach so kurzer Zeit in Frage stellt. Er hat mehr Respekt verdient. Einen Trainer anzuzählen, der vor wenigen Wochen noch die Champions League gewonnen hat, gehört sich nicht. Seine Qualitäten sind unbestritten.

Hamburg ist ein extremer Verein. Da geht es ja immer ganz schnell. Die letzte Saison war ja von einigen Medien auch schon als katastrophal beschrieben worden. Und als der HSV die Champions League gewonnen hat, war es auf einmal der beste Verein der Welt.

Jetzt kochen bereits Gerüchte um Talant Duschebajew hoch. Da mache ich nicht mit.

Ich bin mir außerdem nicht sicher, wie der HSV das bezahlen soll. Er hat ohnehin schon einen mit 19 Spielern besetzten und somit teuren Kader.

Noch unglücklicher als der HSV ist Göppingen gestartet. Frisch Auf hat Pech gehabt und steht nach zwei knapp verlorenen Heimspielen mit 0:6-Punkten im Tabellenkeller. Gegen die Füchse erwarte ich am Dienstag trotzdem ein spannendes Spiel.

Die Berliner sind zwar etwas stärker, aber Frisch Auf hat in Flensburg gezeigt, dass sie auswärts bestehen können. Berlin sollte den Gegner wegen seines Punkteabstands auf keinen Fall unterschätzen.

Das wird den Rhein-Neckar-Löwen mit den Flensburger Gästen ganz bestimmt nicht passieren - obwohl die SG gegen Magdeburg Federn gelassen hat.

Bei den Löwen ist bisher zwar auch noch nicht alles Gold, was glänzt, aber sie sind mit drei Siegen hervorragend gestartet.

Jetzt haben sie noch einmal reagiert und sich auf Rechtsaußen mit Prodanovic verstärkt. Das hat alles Hand und Fuß, was dort in den letzten zwei Jahren gemacht wurde.

Ich erwarte, dass dieses Duell sehr spannend wird. Das sind zwei Mannschaften, die um den Titel spielen können.

Deshalb möchte ich auch nicht spekulieren, wer dieses Spitzenspiel am Mittwochabend gewinnen wird.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 40, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.