Stefan Kretzschmar bezieht Stellung zu Weinholds Frontenwechsel nach Kiel. Den Zeitpunkt der Verkündung nennt er aber fair.

Hallo Handball-Fans,

was war das für eine Nachricht: Steffen Weinhold wechselt von der SG Flensburg-Handewitt zum THW Kiel. Das macht man eigentlich nicht. Ein solcher Wechsel ist immer eine Provokation.

Es gibt ja keine größere Rivalität als die zwischen Kiel und Flensburg. Und diejenigen, die diesen Schritt gewagt haben, hatten es nicht leicht. Das ist mutig von Steffen Weinhold.

Dass er seinen Wechsel bereits zu diesem frühen Zeitpunkt bekannt gegeben hat, damit Flensburg einen adäquaten Nachfolger suchen kann, ist sportlich und fair. Aber positiv empfangen wird er in Flensburg bestimmt auch nicht.

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Die Kieler haben damit natürlich einen cleveren Schachzug gemacht. Sie wildern bei den ärgsten Konkrrenten und nehmen ihnen die besten Spieler weg. Zuerst holen sie Spielmacher Domagoj Duvnjak vom HSV Hamburg, dann Weinhold, einen der besten deutschen Linkshänder, aus Flensburg.

Das erinnert mich an den FC Bayern im Fußball.

Und das tut natürlich doppelt weh. Denn dadurch wird der THW Kiel wieder extrem stark, dabei ist die DKB Handball-Bundesliga gerade ausgeglichener als in vorangegangenen Spielzeiten ? und damit auch spannender.

Das sieht man an vielen Spielen, seien das nun wie zuletzt die Rhein-Neckar Löwen bei Frisch Auf Göppingen oder der SC Magdeburg gegen die Füchse Berlin.

Die Füchse gegen Magdeburg, das war ein unglaublich tolles Spiel. Das brisante Prestigeduell des Ostens, das die Füchse mal wieder für sich entscheiden konnten.

Magdeburg schien zu alter Stärke zurückgefunden zu haben, die Arena war voll, die Euphorie ist wieder entwacht. Da war alles drin, was Handball zu bieten hat - wofür wir Handball übertragen: Begeisterung, Feuer, technische Kunst und taktisches Geschick.

Oder nehmen wir nur die Überraschungsmannschaft Bergischer HC, die als Aufsteiger schon acht Punkte gesammelt hat. Ich bin sehr beeindruckt vom bisherigen Saisonverlauf! In den vergangenen Jahren herrschte ja oft Langeweile, weil Kiel andauernd an der Spitze war.

Gut, diesmal haben die Kieler keine Punkte gelassen. Aber ich bin mir sicher, dass das noch passieren wird, wenn sie gegen Spitzenmannschaften antreten.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 40, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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