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Unter Ulrich Strombach wurde Deutschland 2007 Weltmeister im eigenen Land © imago

Der DHB-Boss tritt nach 15 Jahren ab. Unter seine Ägide fallen die größten Erfolge. Dennoch sagt er: "Stolz bin ich auf nichts."

Gummersbach - Gefeiert, geachtet, geächtet: Ulrich Strombach blickt auf 15 Jahre als Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB) mit Höhen und Tiefen zurück.

Für den 69-Jährigen endet die emotionale Achterbahnfahrt am Samstag beim Bundestag in Düsseldorf.

Deckarms Unfall prägt

In der Stunde des Abschieds denkt der Rechtsanwalt aus Gummersbach aber nicht zuerst an den triumphalen Titelgewinn bei der Heim-WM 2007 zurück, sondern an den tragischen Unfall von Joachim Deckarm.

"Es war der wichtigste Moment in der Zeit, in der ich im Handball tätig war", sagte Strombach über den traurigen Tag im März 1979 im ungarischen Tatabanya.

Deckarm stürzte bei einem Europacupspiel des VfL Gummersbach auf den Betonboden, erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und ist bis heute auf Hilfe angewiesen. "Das hat uns beim VfL Gummersbach dazu gebracht, ihn ein Leben lang zu betreuen und finanziell zu versorgen", meinte Strombach, der damals Vorsitzender des VfL war.

WM- und EM-Gold und Olympia-Silber

Seit seinem Aufstieg ins DHB-Präsidentenamt im Oktober 1998 gab es für den ehemaligen Hobby-Hand- und -Fußballer aber auch Freudentage.

Unter Strombachs Regie gewann die DHB-Auswahl 2004 erstmals den EM-Titel, im selben Jahr reichte es zudem in Athen zu Olympia-Silber.

Höhepunkt war aber der Sieg im WM-Finale am 4. Februar 2007 in Köln gegen Polen. Strombach war auf dem Zenit seines Schaffens als Präsident angekommen.

"Einmal wegen des sportlichen Erfolgs, der nicht zu erwarten war. Wir waren ja nicht Favorit. Andererseits aber auch, weil es uns gelungen ist, ohne staatliche Unterstützung oder finanzielle Zuwendung von anderer Seite diese Weltmeisterschaft zu organisieren und finanzieren und sie mit einem Gewinn abzuschließen", sagte Strombach.

Maroden Verband gerettet

Die Finanzen hatte er im Griff. Es gelang ihm, den einst maroden Verband in ruhigeres Fahrwasser zu führen.

"Wenn sie den Finanzbericht des anstehenden Bundestages einmal studieren, dann lesen sie dort die Zahlen, die in dieser Zeit ausgeglichen wurden. Die gehen in einen hohen siebenstelligen Bereich", so Strombach, der ohne Wehmut seinem bevorstehenden Abschied entgegenblickt.

"Ich habe wunderschöne Jahre erlebt im DHB. Stolz bin ich auf gar nichts. Ich freue mich und bin glücklich darüber, dass ich so eine wunderschöne Zeit im Handball haben konnte", bilanzierte der 69-Jährige.

Kritik wächst

Doch auch Rückschläge prägten die Ära Strombach. 2012 wurde die Qualifikation für die Olympischen Spiele verpasst, 2014 findet erstmals eine EM ohne Deutschland statt.

Strombach, der gegen Ende seiner Amtszeit die offensichtlichen Probleme nur noch ausgesessen hat, sah sich immer häufiger heftiger Kritik ausgesetzt. So forderte Nationaltorhüter Silvio Heinevetter sogar öffentlich seinen Rücktritt, Ex-Weltmeistertrainer Vlado Stenzel sprach von "fachlicher Inzucht" beim DHB.

Keine Ambitionen auf ein Amt

Vor einigen Jahren sorgte zudem eine Zahlung von 50.000 Dollar an den russischen Verband im Zuge der Vergabe der WM 2005 für Unruhe. Strombach hielt sie für legitim, die WM durfte Deutschland aber erst zwei Jahre später ausrichten.

Die Aktion blieb für Strombach, der immer ein freundschaftliches Verhältnis zum umstrittenen Weltverbandspräsidenten Hassan Moustafa pflegte, ohne Folgen.

Dem Handball will Strombach, für dessen Nachfolge einzig Bernhard Bauer kandidiert, auch in Zukunft treu bleiben - in erster Linie als Besucher der Heimspiele "seines" VfL Gummersbach: "Dass ich noch ein Amt übernehme, ist aber sehr unwahrscheinlich."

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