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Bernhard Bauer (r.) spielte in seiner aktiven Zeit u.a. für Frisch Auf Göppingen © imago

Bernhard Bauer ist neuer DHB-Boss, der Füchse-Manager seine rechte Hand. Das Duo will den Stillstand beenden - mit Heuberger.

Düsseldorf - Bernhard Bauer und Bob Hanning sollen den Deutschen Handballbund aus dem sportlichen Tal der Tränen führen.

Der 62 Jahre alte Bauer wurde auf dem 31. DHB-Bundestag in Düsseldorf zum Nachfolger von Ulrich Strombach einstimmig als Präsident gewählt, der Manager der Füchse Berlin zum Vizepräsidenten mit dem Aufgabenbereich Leistungssport.

Den beiden werden in den nächsten vier Jahren die Vizepräsidenten Georg Clarke (Jugendbildung/Schule), Anja Matthies (Recht), Andreas Michelmann (Breitensport) und Rolf Reincke (Organisation) zur Seite stehen.

Aus der alten Führung bleiben die Liga-Präsidenten Reiner Witte (Männer) und Berndt Dugall (Frauen) sowie Karl-Friedrich Schwark für die Landesverbände im Amt.

"Ich bin wirklich gerührt. Ich werde meine Kraft, mein Können und Herz und Leidenschaft dafür einsetzen, dass wir das Schiff Handball in die Zukunft bringen", sagte Bauer: "Ich werde dafür kämpfen, dass der Handball so erfolgreich ist, wie er einmal war."

Bauer will neue Wege gehen

Auf den neuen Präsidenten und sein Team warten schwere Aufgaben.

Das Flaggschiff Nationalmannschaft verpasste nach der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2012 in London auch die Qualifikation für die EM 2014 in Dänemark.

Der mit 830.000 mitgliederstärkste Verband der Welt hat zudem beim europäischen Verband EHF und beim Weltverband IHF in den vergangenen Jahren an Einfluss verloren.

Seit dem glanzvollen Triumph bei der Heim-WM 2007 herrscht beim DHB Stillstand. Immerhin hat es Strombach geschafft, den einst maroden Verband finanziell ordentlich aufzustellen.

"Im sportlichen Bereich gibt es viel zu tun", erklärte Bauer kurz vor seiner Wahl im Interview mit dem Sportradio SPORT1.fm: "Ich bin überzeugt, dass wir hier mit Bob Hanning neue Wege gehen."

"Im Nachwuchs liegt unsere Chance"

Doch Bauer, von 2002 bis 2008 Präsident des Handballverbandes Württemberg, steht vor einigen Baustellen.

Die Zusammenarbeit mit der Liga muss weiter verbessert werden, zudem Bedarf die Trainerausbildung einer dringenden Reform.

"Wir haben eine gute A-Lizenz-Ausbildung, das ist keine Frage. Aber wir müssen unsere Nachwuchstrainer besser schulen, in deren Qualität liegt ein großes Problem. Das Thema müssen wir dringend angehen", sagte Hanning und fügte an: "Es kann doch nicht sein, dass mal eben diejenigen in der Verantwortung stehen, die gerade Zeit haben. Im Nachwuchs liegt unsere einzige Chance."

Bundestrainer Martin Heuberger muss sich um seinen Job zumindest bis zu dessen Vertragsende im Juni 2014 keine Sorgen machen.

"Es besteht überhaupt keine Veranlassung, um über einen Trainerwechsel nachzudenken", sagte Hanning.

Bauer bei Quotenregelung skeptisch

Bauer, von 2002 bis 2008 Präsident des Handballverbandes Württemberg, wird auch das Gespräch mit der DKB Handball-Bundesliga suchen müssen.

Absichtserklärungen gab es zuletzt viele, es haperte aber an konkreten Umsetzungen - beispielsweise bei einer Quotenregelung für deutsche Spieler.

Von dieser ist Bauer im Gegensatz zum ehemaligen Nationaltrainer und jetzigen DHB-Manager, Heiner Brand, nicht ausnahmslos überzeugt.

"Ich bin etwas skeptisch mit Quoten", verriet Bauer bei SPORT1.fm. Man habe die Chance, "die international besten Spieler hier zu sehen" - und die deutschen Talente hätten die Möglichkeit, von Stars wie Kiels Filip Jicha zu lernen.

Kompetenzen und Wissen bündeln

"Unser Ziel muss sein, Wissen, Kompetenzen und Möglichkeiten der Bundesligen und des DHB - wo immer möglich - zum Nutzen des Handballs zu bündeln", sagte Bauer, dessen Schattenkabinett für die Vizeämter fünf Personen umfasst.

Auch ein Blick zu den anderen Nationen kann nach Meinung des 62-Jährigen nicht schaden. "Das Athletik-Training, das Koordinations-Training und das individuelle Training ist in Frankreich viel früher eingeführt worden. Das gilt auch für viele andere Nationen. Da haben wir noch Nachholbedarf."

Strombach von Bauer begeistert

Der stets umstrittene Strombach, der nach 15 Jahren nicht mehr zur Präsidentenwahl antrat und der mit seinen Vorstandskollegen bei zwei Enthaltungen entlastet wurde, ist von den Qualitäten seines Nachfolgers Bauer jedenfalls überzeugt.

"Ich schätze ihn sehr. Er ist ein Mann mit Augenmaß. Aus seiner politischen Tätigkeit weiß er auch sich zurückzunehmen. Er ist kein Mann, der in den Vordergrund drängt. Ich halte ihn für genau den richtigen Mann, den der DHB jetzt für die Weiterentwicklung braucht", sagte der 69-Jährige.

"Kritische Geister sind mir willkommen"

Bauer, der an einer Bewerbung für die WM 2019 festhalten will, plant auch mit Hilfe von außen.

"Unabhängige Experten sollen dabei den Finger in die Wunden legen, die wir möglicherweise noch gar nicht erkannt haben. Wir dürfen uns nicht selbstzufrieden zurücklehnen. Kritische Geister sind mir willkommen, die unserer Sportart den Spiegel vorhalten und uns aber auch mit konkreten Vorschläge Wege aufzeigen", sagte Bauer den "Stuttgarter Nachrichten".

Insgesamt herrschte beim Bundestag in Anwesenheit der Bundestrainer Heuberger (Männer) und Heine Jensen (Frauen) eine entspannte Atmosphäre.

Nach dem Grußwort von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hielten sich die Mitglieder trotz der sportlichen Situation mit Kritik zurück.

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