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Stefan Kretzschmar spielte 421 Mal in der Bundesliga © getty

Angesichts der Kieler-Manipulationsaffäre fordert Kretzschmar Profi-Schiedsrichter. Er sei wiederholt "beschissen" worden.

München - Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar plädiert im Zuge der Affäre um die Manipulationsvorwürfe gegen den deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel für die Einführung von Profi-Schiedsrichtern.

"Ein Profi-Schiri mit Arbeitsvertrag und adäquatem Gehalt wäre für Betrug weniger empfänglich", sagte Kretzschmar der "Sport Bild". (Kretzschmar im Sport1.de-Interview)

Die Handball-Schiedsrichter und ihre Vergütung sind wegen der Manipulationsvorwürfe gegen Kiel zuletzt in den Blickpunkt gerückt.

Jeweils 500 Euro bekommen die beiden Unparteiischen für die Leitung eines Bundesligaspiels. In der Champions League kassiert ein Referee pro Einsatz sogar nur 400 Euro plus Spesen, die der gastgebende Verein erstattet.

"Schiris ohne Jacke"

In früheren Zeiten waren die Schiris regelrecht arm: "Ich weiß, dass in den Achtzigern Schiedsrichter aus dem Ostblock im Winter ohne Jacke und Geld in den Westen kamen. Mit denen mussten die Vereine erst mal in den Laden", so Kretzschmar.

Als Profi des SC Magdeburg wurde er im Jahr 2002 nach dem Gewinn der Champions League eigenen Angaben zufolge selbst Opfer eines Betrugs.

"Der reinste Beschiss"

Bei der Klub-WM-Niederlage gegen Katar sollen die kroatischen Referees parteiisch gewesen sein. "Von den kroatischen Schiedsrichtern bekamen wir wirklich keinen Pfiff. Am Ende hatten wir gegen diese Truppe mit zwei Toren verloren. Der Scheich saß auf der Tribüne und war zufrieden", sagte Kretzschmar.

Auch zu Florian Kehrmanns finalem Wurf im EM-Finale 2002 hat er ein klare meinung: "Kein Tor, der reinste Beschiss."

Hat Kiel manipuliert?

Nach Recherchen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" soll der THW Kiel bei mindestens zehn Champions-League-Spielen Schiedsrichter bestochen und sich auch den Finalsieg in der Königsklasse 2007 über die SG Flensburg-Handewitt mit 96.000 Euro erkauft haben ("Das System stinkt vom Kopf her").

Die Staatsanwaltschaft Kiel hatte am Montag ein Ermittlungsverfahren gegen THW-Geschäftsführer Uwe Schwenker wegen Verdachts der Untreue sowie gegen den früheren Kieler Trainer Noka Serdarusic wegen Beihilfe dazu eingeleitet.

Möglicher Genickschlag

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre das laut Kretzschmar "ein Genickschlag, von dem sich der Handball nicht so schnell erholen würde".

Der Sportdirektor des SC Magdeburg ist überzeugt, dass ein Bestechungsskandal beim Klassenprimus nicht zu kompensieren wäre: "Welcher Sponsor macht das mit?"

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