In seiner Sport1.de-Kolumne schreibt Florian Kehrmann über die Niederlage in Göppingen und die Verletzung von Tamas Mocsai.

Liebe Handball-Freunde,

Unsere Niederlage in Göppingen war bitter, aber viel wichtiger war die große Erleichterung darüber, dass bei Tamas Mocsai neben der Gehirnerschütterung und dem Fingerbruch keine negativen Befunde festgestellt wurden.

Wir haben es zu Beginn versäumt, uns ein Polster herauszuspielen und viele einfache Tore nicht gemacht. In der zweiten Halbzeit kam Göppingen wesentlich aggressiver aus der Kabine, ist mit zwei, drei Toren davon gezogen. Wir haben etwas den Kopf verloren und nicht mehr konsequent gedeckt.

Man kann nicht spekulieren, wie das Spiel ohne die Verletzung von Tamas ausgegangen wäre. Wir waren alle geschockt, ich saß auf der Auswechselbank und war den Tränen nahe.

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Es war keine Absicht im Spiel, sondern es ist ganz unglücklich gelaufen. Es war nur etwas traurig, dass die Schiedsrichter die Situation nicht richtig erkannt haben. Wenn der Torwart schon den eigenen Gegenstoß unterbrechen will und wild gestikulierend vor den Schiedsrichtern geht, sollten sie abpfeifen und nicht das Spiel weiterlaufen lassen.

Wichtig war, wie schnell unser Physiotherapeut und der Göppinger Mannschaftsarzt reagiert haben. Sie waren direkt bei ihm. Dass die Sanitäter keinen Sprint hingelegt haben, sondern langsam zu ihm gegangen sind, ist vielleicht verbesserungswürdig. Aber zum Glück ist es nach jetzigem Stand ganz gut gegangen.

Tamas ist aus dem Krankenhaus entlassen worden. Leider Gottes nicht nur mit einem dicken Kopf und einer Gehirnerschütterung, sondern auch noch mit einem gebrochenen Finger.

Es ist schwer zu sagen, ob härtere Strafen etwas bringen würden. Ich glaube, wir können mit den Regeln im Handball leben.

Problematisch ist es, wenn jemand in der Luft ist und dann einen Schubs kriegt und unkontrolliert fällt. Man hat bei der WM bei Pascal Hens gesehen, was für spektakuläre Stürze passieren. Man kann auf einen Stoß in der Luft kaum reagieren. Das sollte eigentlich konsequent mit Zeitstrafen geahndet werden.

Der Ausfall von Holger Glandorf kam ziemlich überraschend. Er hat Dienstagmorgen über Bauchschmerzen geklagt und sich später übergeben. Holger war am Freitagabend noch mit mir auf dem Zimmer. Ich weiß nicht, ob er sich den Virus bei mir geholt hat. Mir geht es eigentlich ganz gut. Schade, dass Holger gefehlt hat, denn er kann in solchen Spielen viel reißen. Aber Spekulationen bringen nichts. Wir haben verloren.

Was die Niederlage im Hinblick auf das Erreichen der Champions League bedeutet? Warten wir mal ab. Wir haben zwar ein schweres Restprogramm, aber die Saison ist noch lang, die anderen müssen auch noch gegeneinander spielen und wir haben immer noch eine sehr gute Ausgangsposition.

Natürlich wäre ich lieber mit einem Sieg nach Magdeburg gefahren. Wir wollen und müssen besser auftreten als in Göppingen. Ich hoffe, dass Holger und auch Martin Strobel fit sein werden. Vielleicht gibt es ja auch eine Chance, dass Mimi Kraus spielt. Gucken wir mal, wer alles spielen kann, und dann fahren wir nach Magdeburg um zu gewinnen.

Euer Florian Kehrmann

Florian Kehrmann, 31, spielt seit 1999 in Lemgo. Mit dem TBV wurde Kehrmann 2002 Deutscher Pokalsieger und 2003 Deutscher Meister. In Ljubljana holte der Nationalspieler nach Platz zwei bei der WM 2003 und bei der EM 2002 den Europameister-Titel 2004. 2007 wurde er dann mit der Brand-Truppe Weltmeister. Zudem stand Kehrmann bei Olympia in Athen mit dem DHB-Team auf dem Podest, holte dort Silber. Seit Jahren gehört Deutschlands Handballer des Jahres 2003 und 2005 zu den besten Rechtsaußen der Welt. Informationen zu unserem Sport1.de-Kolumnisten finden Sie unter www.florian-kehrmann.de

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