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Lemme/Ullrich (r.) leiteten unter anderem das Olympia-Finale 2008 in Peking © imago

Das Schiedsrichter-Duo Ullrich und Lemme wird nach einer Anhörung am Montag vom Verband vorerst vom Spielbetrieb suspendiert.

Dortmund - Der Deutsche Handball-Bund hat auf die Bestechungswürfe gegen die Top-Schiedsrichter Frank Lemme und Bernd Ullrich reagiert und die beiden Magdeburger vorerst vom Spielbetrieb suspendiert.

Das teilte der Verband nach einer rund zweistündigen Anhörung des Duos in Dortmund am Montagabend mit.

Dabei lastete der DHB Lemme/Ullrich in erster Linie an, dass sie die Geschehnisse rund um das Europacupfinale zwischen Medwedi Moskau und BM Valladolid im April 2006 nicht gemeldet haben.

"Wir können die Entscheidung nachvollziehen. Wir haben einen Fehler gemacht", sagte Lemme nach der Anhörung. "Ansonsten ist zu diesem Thema erst einmal alles gesagt."

Bereits das Ligaspiel am Samstag zwischen dem HSV Hamburg und Rekordmeister THW Kiel wurde dem Duo entzogen.

50.000 Dollar im Gepäck

Russische Zollbeamte hatten am Moskauer Flughafen 50.000 US-Dollar Bargeld im Gepäck von Ullrich gefunden. Die Schiedsrichter hatten seinerzeit in der russischen Hauptstadt das Finalrückspiel um den Europapokal der Pokalsieger zwischen Moskau und Valladolid geleitet.

Die Spanier gewannen die erste Partie vor eigenem Publikum mit sieben Toren Vorsprung, verloren jedoch in Russland mit acht Toren Differenz. "Wir haben kein Spiel verschoben, wir sind reingelegt worden", hatte Ullrich erklärt.

Die Deutschland-Vorsitzende der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International, Sylvia Schenk, hält die Aussagen der Beschuldigten für nicht plausibel. "Das macht keinen Sinn. Wenn es keinen Bestechungsversuch gab, hätte der russische Klub nach einem Sieg doch kein Interesse, die Schiedsrichter in Misskredit zu bringen", sagte Schenk der Tageszeitung "Die Welt".

"Denken über Rücktritt nach"

Bereits am Sonntagabend hatte die Europäische Handball-Federation (EHF) Lemme/Ullrich, die unter anderem das olympische Finale in Peking geleitet hatten, vorerst suspendiert und eine Untersuchung des Vorfalls angekündigt. (EHF stellt Lemme/Ulrich frei)

"Wir befürchten, dass unsere internationale Karriere mit dem Anzeigen des Betrugsversuches ein für allemal beendet ist", sagte Lemme der Magdeburger Volksstimme, und Ullrich ergänzte: "Wir denken natürlich auch über einen Rücktritt nach."

Gremium befragt alle Schiedsrichter

Der DHB wird die schriftliche Stellungnahme der Schiedsrichter an die EHF weiterleiten, verbunden mit der Aufforderung, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln die Geschehnisse in Moskau aufzuklären. Dafür sagte der DHB jede Unterstützung zu.

Zudem wird der Deutsche Handball-Bund in nächster Zeit alle Bundesliga-Schiedsrichter, die in den letzten drei Jahren aktiv waren, persönlich anhören. Dies geschieht durch einen dreiköpfigen Ausschuss mit dem DHB-Präsidenten Ulrich Strombach, dem Präsidenten der Handball-Bundesliga (HBL), Reiner Witte, und dem DHB-Vizepräsidenten Horst Bredemeier.

Zudem will der Verband ein ebenfalls dreiköpfiges Sachverständigen-Gremium einsetzen, das bezüglich aller auffälligen Spiele eine unabhängige Spielanalyse erstellen soll. Dieses Modell will der DHB auch der EHF vorschlagen.

Eigene Untersuchungen des EHF

Die EHF kündigte unterdessen für Dienstag erste Ergebnisse bei der Untersuchung des Champions-League-Finals zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt 2007 an.

Kiel soll in einer vermeintlichen Manipulationsaffäre nach Berichten des Spiegels in mindestens zehn Spielen der Champions League Schiedsrichter bestochen und allein für das gewonnene Finale gegen Flensburg 96.000 Euro gezahlt haben. Inzwischen hat auch die Staatsanwaltschaft Kiel Ermittlungen aufgenommen.

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