Die Berichte über Manipulationen schaden dem Handballsport massiv. Doch auch die zuständigen Verbände tragen ihren Teil dazu bei.

Dass es gilt, einen Sumpf trockenzulegen, hat der Boss der Handball-Bundesliga mittlerweile zugegeben. Doch der Einsicht Frank Bohmanns müssen nun schleunigst Taten folgen.

Leider tut es das Mutterland der Gerüchte um Manipulationen im Spitzenhandball aber der Europäischen Handball-Föderation gleich. Diese fühlte sich zunächst nicht zuständig und agiert nun viel zu halbherzig.

In einem Fragebogen will die EHF, in der die Stimme der Deutschen durchaus Gewicht hat, ihre Schiedsrichter nun ihre Erfahrungen schildern lassen.

Auf Basis der Auswertung will man sich des "Versuchs der unzulässigen Einflussnahme" erwehren, wie es in einem offiziellen Statement angesichts der immer neuen Vorwürfe heißt.

Der Deutsche Handball-Bund will seine Schiedsrichter anhören, Schulungen anbieten, wie man mit Bestechungsversuchen umzugehen hat und ein Expertengremium einsetzen.

Das ist zu wenig.

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Auch wenn noch in keinem Fall Manipulation tatsächlich erwiesen ist: Die Sportart ist offenbar so verseucht, wie es sich selbst Insider in ihren schlimmsten Albträumen nicht vorzustellen vermochten.

Will der Handball diese Krise überstehen, kann die Devise nur bedingungslose Aufklärung heißen.

Doch mit ihrem halbherzigen Auftreten erwecken die Verantwortlichen von EHF und HBL eher den Eindruck, als wollten sie die Affäre aussitzen.

Der voreilige Freispruch des belasteten Rekordmeisters THW Kiel durch die HBL lässt nicht auf ernsthaften Willen zur Aufarbeitung schließen.

Und dass man noch jetzt, da das einstige deutsche Vorzeige-Schiedsrichtergespann Lemme/Ullrich in eine abenteuerliche Geschichte um 50.000 Euro in einer Plastiktüte verwickelt ist, erklärt, man wolle bei der Aufklärung auf externe Hilfe verzichten, ist schlicht grotesk.

Denn den Schaden hat zwar der gesamte Handballsport, doch am härtesten trifft die Affäre die stärkste Liga der Welt: die Bundesliga.

Sie täte nun gut daran, sich am großen Bruder Fußball ein Beispiel zu nehmen. Als dort der Fall Hoyzer mit Wettmanipulationen für Negativschlagzeilen sorgte, setzte man bei DFB und DFL alles daran, eine lückenlose Aufklärung zu gewährleisten.

Sollte dies im Handball nicht der Fall sein, droht der einst so beliebten Volkssportart der Totalschaden. Zumindest auf professionellem Level.

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