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Der deutsche Referee Jürgen Rieber pfeift seit 1981 im Handball © imago

Kein Ende in Sicht! Ein deutscher Schiedsrichter berichtet über einen weiteren Bestechungsversuch im Handball.

München - Schiedsrichter Jürgen Rieber hat von einem weiteren Bestechungsversuch berichtet und den Europäischen Handball-Verband (EHF) belastet.

Rieber erklärte gegenüber "NDR Info", dass seinem Kollegen Holger Fleisch am Vorabend eines Champions-League-Spiels der Damen auf der Toilette ein Zettel gereicht worden sei, auf dem gestanden habe: "Wir müssen dieses Spiel gewinnen."

"Wir haben natürlich beide brüsk abgelehnt", sagte Rieber. Als Bestechungssumme seien zunächst 10.000 Euro genannt worden, am nächsten Morgen sei dieses Angebot auf 20.000 Euro erhöht worden.

Rücksprache mit dem EHF-Delegierten

Bei der Begegnung im Januar 2006 standen sich der russische Klub Lada Togliatti und der dänische Verein Slagelse DT gegenüber.

Die deutschen Unparteiischen haben nach Angaben Riebers nach Rücksprache mit dem Schiedsrichterwart des Deutschen Handball-Bundes (DHB), Peter Rauchfuß, den Bestechungsversuch noch vor dem Spiel beim anwesenden EHF-Delegierten angezeigt.

Nach der Rückkehr nach Deutschland hätten sie "einen ausführlichen schriftlichen Bericht an die EHF gesandt".

Keine Reaktion

Eine Reaktion der EHF sei allerdings ausgeblieben ("Es will doch keiner Ehrlichkeit").

Rieber erklärte aber, dass sein Partner und er "inoffiziell eine Quittung bekommen haben. Wir wurden ein halbes Jahr international nicht mehr angesetzt", sagte Rieber.

"Die Sache kam uns sehr, sehr komisch vor. Aber wir haben dann den Vorfall auf sich beruhen lassen, weil wir uns beide nichts vorzuwerfen hatten".

"Die Situation ist nicht zu verniedlichen"

DHB-Schiedsrichterwart Rauchfuß bestätigte diesen Vorfall. Der Bestechungsversuch sei von einem Betreuer des russischen Klubs vorgenommen worden.

Die beiden deutschen Schiedsrichter jedoch hätten sich "äußerst korrekt" verhalten.

Rauchfuß zeigte sich aber aufgrund der ausbleibenden Reaktion von der EHF enttäuscht. "Man verniedlicht das, aber die Situation ist nicht zu verniedlichen."

Der dritte Fall in wenigen Tagen

EHF-Wettbewerbsmanager Markus Glaser sagte, dass sein Verband diesen Vorfall untersuche. Der Eindruck, dass die EHF nicht an einer Klärung interessiert sei, könne entstehen, "weil diese Fälle weit zurückliegen und erst jetzt auf den Tisch kommen".

Die Aussagen Riebers sind der dritte Fall in wenigen Tagen wo Handball-Schiedsrichter mit Bestechungsversuchen in Verbindung gebracht werden (EHF erwartet "einige Hardliner-Fälle").

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