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Die EHF will das CL-Finale 2006 zwischen Valladolid (hier ein Ligaspiel) und Moskau untersuchen © imago

Der Generalsekretär des europäischen Verbands sieht kein Fehlverhalten der EHF in den Affären. Mehrere Spiele werden untersucht.

München - Der Europäische Handball-Verband EHF weist Vertuschungsvorwürfe in den aktuellen Manipulationsaffären (EHF erwartet "einige Hardliner-Fälle") weit von sich.

"Nein, nein, ganz sicher nicht", sagte EHF-Generalsekretär Michael Wiederer auf eine entsprechende Frage der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Man werde jedem einzelnen Fall, der auftaucht, nachgehen. "Es ist kein Fall, der eine Disziplinarmaßnahme ermöglicht hätte, nicht bearbeitet worden", meinte Wiederer.

Auch Berichten des dänischen Schiedsrichter-Gespanns Martin Gjeding/Mads Hansen oder des Deutschen Jürgen Rieber über Bestechungsversuche in den zurückliegenden Jahren sei man nachgegangen.

"Keinerlei Belege"

Bei den Dänen, denen vor einem WM-Qualifikationsspiel 2008 in Rumänien jeweils 30.000 Euro angeboten worden sein sollen, habe man aber entschieden, "kein direktes Verfahren einzuleiten, da keinerlei Belege vorhanden waren, keine identifizierbare Situation".

Zudem gab Wiederer zu, dass sich die EHF beim Umgang mit möglichen Manipulationen einer Neustrukturierung unterziehen müsse. Die gegenwärtige Lage sei eine "Krise, ein Riesenproblem" für den Handball. Dass Sponsoren auf Distanz zum Handball gehen könnten, glaubt Wiederer aber nicht, "weil wir lückenlose Aufklärung betreiben werden."

Von der Fragebogenaktion, in der sich 300 Schiedsrichter und 150 Delegierte zu Manipulationsversuchen in den vergangenen Jahren äußern sollen, verspricht sich Wiederer ehrliche Antworten. "Wenn die Basis daran interessiert ist, in einem sauberen Umfeld zu arbeiten, dann muss sie auch antworten. Jeder Schiedsrichter hat individuell die Verantwortung, sein Umfeld sauber zu halten."

Finale wird untersucht

Die EHF lässt das von den inzwischen suspendierten deutschen Top-Schiedsrichtern Frank Lemme/Bernd Ullrich geleitete Europapokalfinale zwischen Medwedi Moskau und BM Valladolid aus dem Jahr 2006 von einem Schiedsgericht untersuchen.

Im Zuge dessen sollen unabhängige Regelexperten eine genaue Videoanalyse des Spiels aus dem Pokalsiegerwettbewerb vornehmen. Zudem seien bereits von allen Seiten Stellungnahmen zu den Vorgängen angefordert worden beziehungsweise solche eingegangen (Zettel auf der Toilette).

Änderungen im Schiedsrichter-Wesen

Am Sonntag wird die EHF zudem über mögliche Änderungen im Schiedsrichterwesen diskutieren. Neben Sofortmaßnahmen für die laufende Saison sollen auch Vorschläge für die Sitzung des EHF-Exekutivkomitees in Wien eine Woche später erarbeitet werden.

Ferner ist geplant, das WM-Qualifikationsspiel zwischen Rumänien und Montenegro im Juni 2008 sowie das Champions-League-Spiel der Frauen zwischen den russischen Gastgebern Lada Togliatti und Slagelse DT aus Dänemark zu untersuchen.

In beiden Fällen hatten Schiedsrichter davon berichtet, vor den Partien habe man sie zur Manipulation aufgefordert. Es habe jeweils eine Meldung an die EHF gegeben, eine Reaktion sei aber ausgeblieben.

50.000 Dollar im Gepäck

Nach dem Finale Moskau gegen Valladolid hatten russische Zollbeamte am Moskauer Flughafen 50.000 Dollar Bargeld im Gepäck von Bernd Ullrich gefunden. Die Schiedsrichter hatten seinerzeit das Finalrückspiel um den Europapokal der Pokalsieger zwischen Moskau und Valladolid geleitet.

Die Spanier gewannen die erste Partie vor eigenem Publikum mit sieben Toren Vorsprung, verloren jedoch in Russland mit acht Toren Differenz.

Ullrich und Lemme hatten den Vorfall seinerzeit nicht gemeldet, bestreiten aber alle Manipulationsvorwürfe.

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