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Michael Wiederer gerät mehr und mehr in Erklärungsnot © getty

In einer Sondersendung des DSF äußerten sich Handball-Experten zum Bestechungsskandal - und nahmen dabei kein Blatt vor den Mund.

München - Ein Erdbeben erschüttert den Handball: Nach immer neuen Enthüllungen über Manipulationsversuche steht die Glaubwürdigkeit des Sports auf dem Spiel (Die Spur führt nach Zagreb).

In einer Sondersendung im DSF haben sich am Sonntag nun Experten im Rahmen einer Talkrunde zum Thema geäußert - und dabei kein Blatt vor den Mund genommen.

Mit dabei waren unter anderem Bundestrainer Heiner Brand, EHF-Generalsekretär Michael Wiederer, HBL-Präsident Reiner Witte, DHB-Vize-Präsident Horst Bredemeier, der Kieler Staatsanwalt Uwe Wick sowie Michael Biegler (Trainer SC Magdeburg) und Ex-Schiedsrichter Thorsten Zacharias.

Sport1.de hat die wichtigsten Zitate zusammengefasst:

Reiner Witte...

?zum aktuellen Bestechungsskandal im Handball:

"Wir müssen uns alle Gedanken machen, wie wir so etwas in Zukunft vermeiden. Wir wollen die Schiedsrichter befragen, natürlich werden wir auch die Vereine befragen. Aber ob dabei etwas raus kommt? Wir brauchen Aufklärung und Transparenz für alle, die etwas mit diesem Sport zu tun haben."

?konkret zu den Bestechungsvorwürfen gegenüber dem THW Kiel:

"Wir haben klar versucht, die Sache aufzuklären. Wir haben alles unternommen, was man von einem Verband erwarten kann und die wenigen Erkenntnisse, die uns zu Verfügung standen, genutzt. Wir haben allerdings weder von Thorsten Storm noch von Jesper Nielsen Stellungnahmen dazu bekommen. Man muss auch sagen, dass die Sache kein ureigenes HBL-Problem war, sondern wir erst durch die Entwicklungen mit ins Boot geholt worden. Wir haben in unserer Pressemeldung auch ausdrücklich erklärt, dass alle weiteren Schritte nun in den Gremien unternommen werden. Ich habe mich als Präsident durch die private Nähe zu Uwe Schwenker an den Entscheidungen des Präsidiums nicht beteiligt."

Michael Wiederer...

...zu den Bestechungsvorwürfen gegenüber dem Schiedsrichtergespann Lemme/Ullrich:

"Wir sind da jetzt gefordert. Das ist kein deutsches Problem, sondern ein internationales. Wir haben umgehend alle Informationen angefordert, um zu entscheiden, ob da ein Verfahren einzuleiten ist. Bisher waren uns die Hände gebunden, weil uns der Fall bis jetzt nie auf dem Tisch lag. Definitiv sind die Schiedsrichter Lemme/Ullrich also nicht aus Gründen des Bestechungsverdachts in der Vergangenheit nicht eingesetzt worden."

...zu den Bestechungsvorwürfen gegen Kiel: (EHF bestreitet Vertuschung)

"Der Fall ist jetzt dort, wo er sein sollte, nämlich bei der Staatsanwaltschaft. Da können wir von der EHF demnach kein Disziplinarverfahren einleiten. Also haben wir uns im Fall des THW Kiel keines Zeitversäumnisses schuldig gemacht."

...zu den zukünftigen Maßnahmen der EHF:

"Wir sind jetzt aufgrund der Brisanz kurzfristig für die anstehenden Champions League-Spiele gefordert. Diese müssen bestmöglich organisiert werden und wir haben heute beschlossen, dass wir mit dem verdeckten System für die Schiedsrichterbetreuung sofort beginnen und nicht erst in der nächsten Saison. Die Fälle müssen außerdem im Sinne der Transparenz disziplinarisch abgehandelt werden. Und wir werden für internationale Spitzenschiedsrichter in Zukunft andere Vorkehrungen treffen als bisher."

Uwe Wick...

?zu den Bestechungsvorwürfen gegen Kiel:

"Wenn man den Sachverhalt auf den Tisch legt, ist ein Auslandsbezug nicht von der Hand zu weisen. Das spielt eine Rolle und dafür gibt es heute internationale Verträge, denen die Staatsanwaltschaft nachgehen wird.

Von dem, was mir bekannt ist, bietet es sich an, dass wir entsprechende Gesuche ins Ausland stellen, weil wir wissen müssen, ob die Zahlungen, von denen die Rede ist, tatsächlich erfolgt sind."

Horst Bredemeier...

?zu den Bestechungsvorwürfen gegen Kiel:

"Ich hätte mir schon gewünscht, dass Uwe Schwenker noch stärker in die Öffentlichkeit geht. Er hat aber natürlich über den THW Kiel auch verlauten lassen, dass an den Vorwürfen nichts dran ist. Das Wichtigste ist jetzt, dass die Staatsanwaltschaft Kiel mit Hochdruck an dem Fall arbeitet und alles möglichst schnell aufgeklärt wird. Wir werden ganz intensiv im Bereich Schiedsrichterwesen in den kommenden Wochen was erarbeiten und hoffen, dass sich da kurzfristige Erfolge einstellen."

Thorsten Zacharias...

...zu der Frage, warum das Schiedsrichtergespann Lemme/Ullrich den angeblichen Bestechungsversuch aus 2006 erst jetzt angezeigt hat (Abschottung für Referees) :

"Für Lemme/Ullrich hat nach dem angeblichen Bestechungsversuch die WM im eigenen Land und die Olympischen Spiele in Peking angestanden. Für die beiden war die Überlegung, wenn sie dies anzeigen, auch wenn sie nichts dafür können, dass ihnen der Makel trotzdem anhängt und sie nicht zu den genannten Wettbewerben fahren dürfen. Wenn man sich überlegt, dass bisher in solchen Fällen nie Ermittlungen seitens der EHF stattgefunden haben, sondern lediglich Schiedsrichter nicht mehr berücksichtigt wurden, kann ich gut verstehen, wenn Schiedsrichter wie Lemme/Ullrich sich das dreimal überlegen, so einen Fall anzuzeigen. Vor allem dann, wenn man eigentlich ein reines Gewissen hat." (DHB suspendiert Skandal-Schiris)

Heiner Brand...

...zum aktuellen Bestechungsskandal im Handball:

"Mir tut das natürlich sehr weh. Gerade wir als Nationalmannschaft haben ja dazu beigetragen, dass der Handball in den letzten Jahren eine nie da gewesene Popularität erreicht hat. Aber ich denke, dass wir die Möglichkeit haben, wieder von vorn anzufangen, wenn diese Affäre abgeschlossen ist und dass unser Sport auch über viele Stärken verfügt, uns wieder ganz nach vorn zu bringen. Wenn ich jetzt die ganzen neuen Meldungen höre, bin ich vielleicht doch etwas blauäugig gewesen, auch wenn ich hoffe, dass das nicht alles so stimmt."

Michael Biegler...

...zum aktuellen Bestechungsskandal im Handball:

"Wir kanalisieren hier einen ganz großen Aspekt: Es geht um deutsche Schiedsrichter-Beteiligungen bei einem internationalen Spiel. Sicher ist es förderlich, da jetzt Überlegungen anzustellen, um auch die Schiedsrichter zu schützen. Ich zum Beispiel vermeide aus professionellen Gründen von vornherein Kontakt zu Referees ? mehr als ein ?Guten Tag? gibt?s da von mir nicht. Das Ganze strahlt natürlich auf unsere Bundesliga ab, aber die Sonne steht da noch nicht über der Liga - zumindest glaube ich das nicht. Transparenz ist da aber insgesamt vonnöten und ich hätte diese auch gern gelebt."

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