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Geipel (l.) und Helbig pfiffen zuletzt das Spitzenspiel zwischen Hamburg und Kiel © getty

Die beiden deutschen Referees Lars Geipel und Marcus Helbig beschuldigen zwei Ukrainer, sie zur Manipulation aufgefordert zu haben.

Hamburg - Dem internationalen Handball drohen weitere Enthüllungen über versuchte Schiedsrichter-Bestechung und Spielmanipulationen ("Es will doch keiner Ehrlichkeit").

Nach Informationen der "Financial Times" Deutschland beschuldigen die beiden deutschen Referees Lars Geipel und Marcus Helbig ihren ukrainischen Kollegen Walentin Wakula, sie zur Beeinflussung eines Champions-League-Spiels der Frauen aufgefordert zu haben.

Dies hätten beide gegenüber dem europäischen Verband EHF ausgesagt.

Die Aussagen beziehen sich auf das Viertelfinalrückspiel zwischen dem russischen Klub Lada Togliatti und dem dänischen Verein Viborg HK aus dem Jahr 2007.

Die Ehefrau des ukrainischen Schiedsrichters war zu diesem Zeitpunkt Spielerin bei Togliatti (EHF erwartet "einige Hardliner-Fälle").

Geipel und Helbig gaben an, der Aufforderung zur Manipulation nicht gefolgt zu sein.

Ex-Schiri packt aus

Ein langjähriger Schweizer Spitzenschiedsrichter hat unterdessen über fast alltägliche Manipulationspraktiken im Handball berichtet.

"Da gibt es die Linie Alkohol, die Linie Essen, die Linie Frauen - oder die Linie Geld", sagte Michel Falcone im "NDR" und fügte hinzu: "Je nachdem, wie empfänglich ein Schiedsrichter ist, hat man dann auch versucht, das zu realisieren."

Er selbst habe Telefonanrufe von Kollegen oder Funktionären aus Ländern erhalten, in die er als nächstes reisen sollte: "Die haben dann mitgeteilt 'Machen sie sich eine Liste, wir können gewisse Sachen erledigen, wir haben gute Einkaufszentren'. Wir sind doch Freunde, wir müssen das Spiel unbedingt gewinnen."

Falcone selbst hat nach eigenen Angaben immer abgelehnt.

Vorwürfe des Spielbeobachters

Die andere Seite habe dann "freundlich weitergemacht oder sie wurde aggressiv. Wir haben das auch an unserem Leib erfahren, dass wir eigentlich flüchten mussten nach einem Spiel."

Falcone, der bis Ende 2006 mehr als zwei Jahrzehnte auch international gepfiffen hat, gibt an, auch von Sicherheitskräften nach einem Spiel angegangen worden zu sein.

Auch habe der von der EHF eingesetzte Spielbeobachter teilweise den Schiedsrichtern nach einer Partie Vorwürfe gemacht.

Er selbst habe an die EHF geschrieben und von Bestechungsversuchen berichtet. "Da hatten wir dann das Gefühl, dass wir plötzlich nicht mehr eingesetzt wurden."

EHF räumt Versäumnisse ein

EHF-Wettbewerbsmanager Markus Glaser räumte im "NDR" zumindest bei der Aufarbeitung der aktuellen Gerüchte und Affären Versäumnisse ein.

"Wenn ich die Dinge zusammenfasse, die wir in den letzten beiden Wochen auf den Tisch bekommen haben, dann muss man schon davon ausgehen, dass wir Dinge hätten besser machen können", sagte Glaser im Sportclub.

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