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Johnny Jensen spielt seit dem Sommer 2003 für die SG Flensburg-Handewitt © getty

Mit Flensburgs Johnny Jensen spricht erstmals ein Bundesliga-Star offen über Bestechungsfälle. Er findet es "richtig peinlich".

Flensburg - Der norwegische Nationalspieler Johnny Jensen von Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt hat über Schiedsrichterbestechungen berichtet und eine düstere Zukunftsprognose abgegeben.

"Ich glaube, dass das, was wir erleben, nur die Spitze des Eisbergs ist, darunter sieht es richtig schlimm aus", sagte Jensen im Interview mit "Spiegel Online".

Man könne zwar noch nicht sagen, wer was gemacht hat, aber es sei klar, dass Dinge nicht richtig und ehrlich verlaufen seien, so der 37-Jährige.

Berichte über Bestechung

Jensen erklärte zudem, dass er selber viel über Schiedsrichterbestechung im Handball gehört habe.

"Ich habe schon einige Sachen von norwegischen Schiedsrichtern erfahren, das ist alles richtig peinlich. In den vergangenen Jahren wurde ganz offen über Schiedsrichterbestechung gesprochen. Auch einige ehemalige Flensburger haben viel darüber erzählt", sagte Jensen und fügte an:

"Diese früheren Flensburger Spieler kennen viele Schiedsrichter aus dem Osten. Die haben dann auch erzählt, dass sie, als sie noch für ihre alten Clubs gespielt haben, mit gewissen Schiedsrichtern niemals verlieren konnten. Das war im Vorfeld des Spiels schon klar."

Jensen vermutet System

Die Unparteiischen seien aber nicht nur mit Geld bestochen gewesen. "Manchen Schiedsrichtern hat der Verein eine Woche Urlaub und eine schöne Schiffreise spendiert. Oder sie durften mit Frauen weggehen und feiern - alles, was die Schiedsrichter wollten", meinte Jensen, der ein System vermutet:

"Ich glaube, wenn du einmal bestochen und betrogen hast, stehst du so sehr unter Druck, dass du das immer wieder machen musst. So etwas spricht sich doch herum, und der nächste Schiedsrichter will dann auch solche Extras haben. Da kommst du nicht mehr raus."

Konsequenzen befürchten

Jensen befürchtet zudem weitreichende Folgen für den Handball, wenn sich beispielweise die Manipulationsvorwürfe gegen den deutschen Meister THW Kiel bewahrheiten sollten:

"Die Sponsoren und Zuschauer würden wegbleiben, dann müsste man viel Aufbauarbeit für den Sport leisten."

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