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Per Thomas Linders verließ die Kieler nach dem CL-Gewinn 2007 © getty

Die Skandallawine könnte nicht nur Kiel ärgste Folgen einbrocken. Nach der Drohung eines IOC-Mitglieds ist der Ligaboss "alarmiert".

Kiel - Rekordmeister THW Kiel kommt in der Manipulationsaffäre auch nach dem Rücktritt des langjährigen Geschäftsführers Uwe Schwenker nicht zur Ruhe.

Der Europäische Handball-Verband (EHF) wird ein Verfahren gegen den Bundesliga-Spitzenreiter wegen des Champions-League-Endspiels 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt einleiten. (DATENCENTER: Alles zum THW)

"Nach Ostern bekommen wir Akteneinsicht von der Staatsanwaltschaft in Kiel. Die EHF wird auf jeden Fall formal ein Verfahren gegen den THW Kiel einleiten, um die Umstände des Spiels gegen Flensburg aufzuklären. Wir machen das vorsorglich, um entsprechende Fristen zu wahren", sagte die oberste Justiziarin der EHF, Monika Flixeder, der "Hamburger Morgenpost".

"Die Dinge liegen bereit"

EHF-Wettwerbsmanager Markus Glaser kündigte eine weitere "Erklärung der EHF" für Donnerstag an. "Momentan bringt es auch nichts, über mögliche Konsequenzen zu spekulieren", sagte Glaser.

Gegen Kiel könnte aber sogar eine Sperre für internationale Wettbewerbe wegen grober Unsportlichkeit ausgesprochen werden.

Der THW steht unter Verdacht, mehrere Spiele in der Champions League manipuliert zu haben. Auch vor dem Finalsieg gegen Flensburg sollen die Schiedsrichter bestochen worden sein. "Die Dinge für ein Verfahren gegen Kiel liegen bei uns bereit", sagte EHF-Generalsekretär Michael Wiederer.

Leichte Vorteile für Flensburg

Das Final-Rückspiel fand am 29. April 2007 statt. Die Verfolgung und Vollstreckung von Vergehen verjährt nach Paragraf 19, Absatz 1 des EHF-Rechtspflegereglements nach zwei Jahren.

In einer Spielanalyse im März des Finals 2007 hatte die EHF allerdings keine Anhaltspunkte für eine mögliche Bestechung gefunden.

Sie teilte nach eingehender Beobachtung mit, dass ab der 46. Minute sogar leichte Vorteile für die Gäste aus Flensburg zu erkennen gewesen seien.

Im schlimmsten Fall Olympia-Aus

Die internationalen Verbände müssen allerdings gegen Fälle möglicher Korruption vorgehen, sonst droht ihnen im schlimmsten Fall sogar der Ausschluss von den Olympischen Spielen.

Zurzeit stehe zwar kein Verlust des olympischen Status bevor, sagte Gerhard Heiberg der "Sport Bild", doch das norwegische Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) fügte an: "Wir warten ab und sehen, was geschehen wird. Wenn der Handball es nicht schafft, werden wir selbst tätig."

"Sicher eine Einzelmeinung, aber es ist alarmierend", reagierte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann auf die unterschwellige Drohung. "Wenn wir jetzt nicht das potenzielle Übel Korruption austrocknen, wird es schlimme Folgen für den Profi-Handball haben."

152.000 Euro nicht ordnungsgemäß verbucht

Schwenker hatte unterdessen am Dienstag sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt, "um den Verein vor weiterem Schaden zu bewahren", sagte Gesellschafter-Sprecher Georg Wegner, der anfügte, dass es Indizien für finanzielle Unregelmäßigkeiten gebe. (Hintertür für Schwenker?)

Insgesamt 152.000 Euro seien demnach nicht ordnungsgemäß verbucht worden. Beweise für Geldzahlungen an Schiedsrichter gebe es aber nicht.

Gegen Schwenker ermittelt die Kieler Staatswanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue. Neben Präsident Andreas Rudolph vom HSV Hamburg sollen sich zuletzt weitere Belastungszeugen gefunden haben, die aussagen, Schwenker habe auf Rudolphs Anwesen in Mallorca im Juni 2007 eingestanden, den Champions-League-Sieg des THW Kiel erkauft zu haben. (Weitere Zeugen gegen Schwenker)

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