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FDP-Politiker Thomas Bach wurde er im Mai 2006 zum DOSB-Präsidenten gewählt © getty

Den DOSB-Präsidenten treibt der korrupte Handball um, der "kein rein deutsches Problem" sei. Ein Wuppertaler Ehepaar packt aus.

Frankfurt/Main - Neue Zeugenaussagen, untermauerte Regressforderungen und ein Machtwort von Thomas Bach:

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) fürchtet eine Ausweitung der Manipulationsaffäre im Handball und hat deshalb die Europäische Handball-Federation (EHF) mit deutlichen Worten zum Handeln aufgefordert.

"Dies ist kein rein deutsches Problem. Ich fordere eine umfassende Aufklärung durch eine Untersuchungskommission auf europäischer Ebene", sagte IOC-Vizepräsident Bach dem Nachrichtenmagazin "Focus".

Ehepaar aus Wuppertal sagt aus

Uwe Schwenker, mittlerweile zurückgetretener langjähriger Manager des deutschen Rekordmeisters THW Kiel, gerät im Zuge der Affäre immer stärker unter Druck. ("Viele profitieren davon, den THW zu beschmutzen")

Nach Informationen des "Focus" liegt der Kieler Staatsanwaltschaft, die gegen Schwenker wegen des Verdachts der Untreue ermittelt, eine weitere belastende Aussage gegen den ehemaligen Nationalspieler vor.

Ein Ehepaar aus Wuppertal soll zu Protokoll gegeben haben, dass Schwenker im Sommer 2007 als Gast auf der mallorquinischen Finca von Andreas Rudolph, dem Präsidenten des HSV Hamburg, über den Kieler Sieg im Champions-League-Finale 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt gesagt hat: "Das hat uns 90.000 Euro gekostet."

56.000 Euro an Final-Schiedsrichter übergeben?

Die Aussagen des Ehepaares bewertet die Staatsanwaltschaft Kiel laut Focus als glaubwürdig, weil sie mit Überweisungen im Höhe von insgesamt 92.000 Euro an den Kroaten Nenad V. korrespondieren. Schon Rudolph hatte Schwenker in diesem Zusammenhang schwer belastet. (Weitere Zeugen gegen Schwenker)

Auch das Nachrichtenmagazin "Spiegel" erhöhte am Freitag mit weiteren Enthüllungen den Druck auf den THW, in dem es von Einzelheiten einer vermeintlichen Geldübergabe von Volarevic an den polnischen Final-Schiedsrichter Miroslaw Baum berichtete.

Demnach habe Volarevic 56.400 Euro vom THW überwiesen bekommen und diese in Warschau an Baum übergeben. Der Schiedsrichter bestreitet, jemals Geld angenommen zu haben.

Flensburg untermauert Regressansprüche

Die Flensburger untermauerten derweil nach der Ankündigung eines Disziplinarverfahrens gegen den THW Kiel durch die EHF mögliche Regressansprüche.

"Da wären 160.000 Euro Siegprämie von der EHF", sagte SG-Manager Fynn Holpert den "Lübecker Nachrichten" mit Blick auf entgangene Gelder: "Außerdem haben wir Zielvereinbarungen mit Sponsoren."

EHF-Verfahren nach Ostern

Die EHF hatte am Donnerstag bestätigt, bis zum 29. April ein Disziplinarverfahren gegen den THW Kiel einleiten zu wollen. (DATENCENTER: Alles zum THW)

Nach Einsicht der Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Kiel solle dies nach Ostern offiziell geschehen. Die Verfolgung und Vollstreckung von Vergehen verjährt nach Paragraf 19, Absatz 1 des EHF-Rechtspflegereglements nach zwei Jahren.

Als Konsequenz aus einem Verfahren könnte Kiel sogar eine Sperre für internationale Wettbewerbe wegen grober Unsportlichkeit drohen. (Sperre für Kiel, Olympia-Aus für den Handball?)

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