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Jesper Nielsen ist seit Dezember Gesellschafter der Rhein-Neckar Löwen © getty

Löwen-Gesellschafter Jesper Nielsen offenbart neue Details über den THW-Bestechungsskandal und fordert eine drastische Strafe.

Von Marc Ellerich

München - Die Vorwürfe sind hochbrisant, und sie setzen die in der Manipulationsaffäre um den THW Kiel ohnehin belasteten Uwe Schwenker und Noka Serdarusic (Ermittlungen gegen Schwenker und Serdarusic ausgeweitet) weiter unter Druck.

In einem Interview mit dem Kölner "Express" und der "Hamburger Morgenpost" hat Jesper Nielsen, Sponsor und Gesellschafter beim Handball-Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen, schwere Anschuldigungen gegen Schwenker, den früheren Kieler Manager, und Serdarusic, einst Trainer in Kiel, erhoben.

In dem Gespräch beschreibt der Däne detailliert, wie er von dem Skandal, der im März die Handball-Welt erschütterte, erfuhr.

Er selbst habe am Vortag des WM-Finals 2009 von Löwen-Geschäftsführer Thorsten Storm von den Anschuldigungen erfahren, der THW Kiel (DATENCENTER: Alles zum THW) habe sich den Champions-League-Titel 2007 erkauft.

Dieser sei von Noka Serdarusic, der als neuer Trainer der Rhein-Neckar Löwen für die kommende Saison vorgesehen war, informiert worden.

"Nicht ich habe das gemacht"

Nach dem WM-Finale sei es wegen des Manipulationsverdachts zu einem Gespräch mit Kiels Manager Schwenker in einem Hotel in Zagreb gekommen. Dort habe Schwenker die Bestechungen zugegeben.

Nielsen: "Uwe sagte zu mir: 'Es stimmt, dass die Schiedsrichter im Champions-League-Finale 2007 bestochen worden. Aber nicht ich habe das gemacht, sondern Noka.'"

Angeblich, so der Däne, habe Schwenker weitere detaillierte Angaben über den Ablauf der Manipulation gemacht. "Das ist alles über den Balkan gelaufen", soll Schwenker gesagt haben und erneut Serdarusic als den Hauptverantwortlichen genannt haben.

"Uwe, pack aus!"

Auch einer der THW-Gesellschafter, Hubertus Grote, soll laut Schwenker von den Vorgängen gewusst haben (THW-Bosse wussten Bestechungsvorwürfen) .

Auf Nielsens Frage, warum der THW die Schiedsrichter-Bestechung unternommen habe, soll Schwenker geantwortet haben: "Weil man nur so die Champions League gewinnt."

Bei einem späteren Treffen habe er an Schwenker appelliert, die Manipulation öffentlich zu machen. "Ich habe ihm gesagt: 'Pack aus!' Aber Uwe sagte mir: 'Niemals. Und wenn ich gehe, nehme ich viele mit in den Abgrund.'"

Kiel weist Vorwürfe zurück

Der THW Kiel wies alle Vorwürfe Nielsens in einer von Rechtsanwalt Stefan Purrucker gezeichneten Pressemitteilung zurück. Man gehe davon aus, dass die von Nielsen erhobenen Vorwürfe inhaltlich falsch und sachlich unbegründet seien.

"Es liegen abweichende und gegenteilige Angaben beteiligter Dritter vor", heißt es.

Da Nielsens Äußerungen "in zahlreichen Punkten" zudem von eigenen früheren Aussagen vor den Ermittlungsbehörden und dem Amtsgericht Kiel abweichen, werde der THW beim Landgericht Kiel Anzeige gegen Nielsen wegen des Verdachts "einer falschen uneidlichen Aussage" erstatten.

Maulkorb für Serdarusic-Ehepaar

Nielsen beschreibt im Interview detailliert die weiteren Abläufe nach der angeblichen brisanten Enthüllung Schwenkers ihm gegenüber.

So habe der Kieler Manager an ihn appelliert, Serdarusic trotz Kenntnis der Vorwürfe weiter unter Vertrag zu behalten.

"Noka muss bei euch Trainer bleiben", soll der Kieler gesagt haben: "Ihr müsst ihm und seiner Frau Mirjana einen Maulkorb verpassen, sonst gibt es einen Riesen-Skandal in Deutschland."

Reise zu Serdarusic

Anfang Februar sei er mit Storm und einem Anwalt zu Serdarusic gereist mit dem Vorwand, die weitere Saison planen zu wollen. Auch die beiden Kieler Profis Vid Kavticnik und Nikola Karabatic seien zunächst anwesend gewesen, er habe sie aber fortgeschickt.

Dann habe Serdarusic ausgepackt. Der Bosnier habe Schwenker belastet: "Uwe hat die Schuld, ich habe nur seine Anweisungen ausgeführt."

Er habe Kontoauszüge seines Freundes Nenad Volarevic vorgezeigt: "Auf den meisten stand 'Transfer THW Kiel' drauf. Es war das Geld, was Volarevic an die Schiedsrichter verteilt hatte."

Mit den Auszügen habe Serdarusic sich an Schwenker wegen seiner Entlassung in Kiel 2008 rächen wollen, behauptet Nielsen ("Viele profitieren davon, den THW zu beschmutzen").

Flucht nach vorne

Auf die Frage, weshalb Serdarusic sich ihm offenbart habe, antwortete der Däne: "Ich glaube, er hat darum gekämpft, Trainer bei uns bleiben zu dürfen, und hat deswegen die Flucht nach vorne angetreten. Er hatte schließlich einen sehr, sehr gut dotierten Dreijahres-Vertrag bei uns unterschrieben."

Allerdings sei ein Verbleib des Trainers bei den Rhein-Neckar Löwen anschließend nicht mehr möglich gewesen: "Ich wollte nicht mein Lebenswerk ruinieren. Ich wollte mir nicht nachsagen lassen, dass ich so eine Sache gedeckt habe."

"Nicht nötig für Kiel zu pfeifen"

Nielsen geht fest davon aus, dass das Champions-League-Finale 2007 zwischen Kiel und Flensburg mit Hilfe der Schiedsrichter manipuliert wurde.

"Die frühe Rote Karte gegen Boldsen hing mit der Bestechung zusammen. Und am Ende war es nicht nötig, offensichtlich für Kiel zu pfeifen. Serdarusic und Schwenker haben mir beide gesagt: Manchmal brauchten die Schiris vom Spielverlauf gar nicht parteiisch zu pfeifen. Das Geld war in einigen Spielen als Sicherheit dafür, falls es notwendig wird, dass die Schiris Kiel helfen müssen", so Nielsen.

Nielsen fordert harte Strafe

Hingegen glaubt der Inhaber der dänischen Kasi-Group, welche die Rhein-Neckar Löwen finanziell unterstützt, nicht, dass die Kieler auch in der Bundesliga manipuliert hätten. "Nein. Aber Serdarusic hat gesagt, international sind 22 von den 25 Top-Schiedsrichter-Paaren für Bestechungsgelder empfänglich"

Für den THW, derzeit unangefochtener Tabellenführer der Handball-Bundesliga und nur noch einen Punkt von der 15. Meisterschaft entfernt, fordert der Däne eine drastische Strafe.

Der Klub solle international für drei Jahre gesperrt werden und mit minus 20 Punkten in die nächste Bundesliga-Saison starten. "Der Ruf des THW ist auf 20 Jahre ruiniert, der ganze Erfolg des Klubs ist nur auf Betrug aufgebaut."

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