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Gewagte Aussagen tätigte der Geschäftsführer der dänischen Kasi-Group: Jesper Nielsen © imago

Die Kieler wehren sich aber gegen die bekräftigten Vorwürfe des Löwen-Gesellschafters. Flensburg bereitet derweil eine Klage vor.

München - Jesper Nielsen hat seine heftigen Vorwürfe gegen den THW Kiel erneuert.

Der Handball-Rekordmeister reagierte auf die Attacken des Gesellschafters des Liga-Konkurrenten Rhein-Neckar Löwen unterdessen mit deutlichen Worten.

"Ich schließe nicht aus, dass Kiel auch jetzt noch Schiedsrichter besticht", sagte Nielsen in einem Interview mit der Hamburger Morgenpost. Die Antwort der Kieler ließ nicht lange auf sich warten.

"Der THW benötigt keine öffentlichen Ratschläge des Herrn Nielsen, der mit seinen Hasstiraden gegen Uwe Schwenker und den THW Kiel offensichtlich auch von der eigenen unrühmlichen Rolle der Rhein-Neckar Löwen bei Abschluss und Beendigung des Trainervertrages mit Noka Serdarusic im Zusammenhang mit der geplanten Spielerverpflichtung von Nikola Karabatic ablenken möchte", heißt es in einer Erklärung der Kieler.

Warten auf Antworten

Die Staatsanwaltschaft Kiel, die unter anderem gegen den langjährigen THW-Manager Schwenker und Ex-Trainer Serdarusic wegen Betrugs- und Untreueverdachts ermittelt, geht nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hingegen derzeit davon aus, den Vorwurf der Untreue in einem Hauptverfahren vor Gericht belegen zu können.

Demnach seien die Ermittlungen im Inland abgeschlossen, weitere Vernehmungen werde es nach derzeitigem Stand nicht geben. Allerdings fehlen den Ermittlern noch Antworten auf Rechtshilfeersuchen nach Kroatien, Slowenien, Polen und die Ukraine.

Während sich die Staatsanwaltschaft mit Bestechungsvorwürfen bei Champions-League-Spielen in der Vergangenheit beschäftigte, hält Jesper Nielsen auch einen erneuten Titelgewinn des THW für nicht verdient. (DATENCENTER: Alles zum THW)

Erschlichene Titelprämie, Anzeige gegen Nielsen

Schließlich sei auch der Gewinn der Champions League 2007 nur durch Betrug zustande gekommen.

"Und ohne diesen Betrug hätte der THW keine Titelprämie gewonnen, hätte nicht so hohe Sponsoreneinnahmen und keinen Acht-Millionen-Etat, mit dem man sich so eine Mannschaft leisten kann", sagt Nielsen.

Der THW wies erneut alle Vorwürfe zurück. Vor den Spielen im Champions-League-Halbfinale versuche Nielsen offenbar, die Stimmung aufzuheizen ("Viele profitieren davon, den THW zu beschmutzen"), hieß es in einer durch die Anwälte Gerald Goecke und Stefan Purrucker gezeichneten Erklärung.

EHF-Ermittlung beginnt spät

Bereits am Freitag hatte der Klub angekündigt, wegen des Verdachts einer "falschen uneidlichen Aussage" Anzeige gegen Nielsen erstatten zu wollen.

Zugleich nahm der Druck auf den Europäischen Handball-Verband (EHF) zu (Ermittlungen gegen Schwenker und Serdarusic ausgeweitet).

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" reagierte die EHF auf einen Hinweis des Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt über Unregelmäßigkeiten im Champions-League-Spiel bei HC Croatia Zagreb (25:29) am 24. Februar 2008 erst, als die Manipulationsvorwürfe gegen den THW Kiel Anfang März dieses Jahres bekannt wurden.

Champions-League-Rückspiel nicht korrekt?

"Wir fühlen uns sportlich betrogen", hieß es in einer Mitteilung der Flensburger an die EHF.

Der Verband schickte laut "Focus" aber erst nach mehr als einem Jahr eine unabhängige Analyse des Spiels.

Die Flensburger Vereinsspitze geht nach internen Recherchen davon aus, dass bei vier entscheidenden internationalen Spielen das Ergebnis nicht korrekt zustande gekommen sei.

Darunter auch das Final-Rückspiel der Champions League 2007 beim THW Kiel.

Siegprämie erklagen

Daher schaltete die SG laut Morgenpost inzwischen den renommierten Sportrechtler Thomas Summerer ein, der Schadenersatzklagen vorbereitet. Die Flensburger wollen demnach den THW, die Schiedsrichter und den EHF verklagen. Dabei geht es um die Siegprämie in Höhe von 160.000 Euro.

Summerer erstritt einst für Katrin Krabbe in einem siebenjährigen Gerichtsmarathon 1,2 Millionen Mark Schadenersatz gegen den Leichtathletik-Weltverband IAAF.

Die EHF hatte bereits zuvor angekündigt, nach Einsicht in die Ermittlungsakten der Kieler Staatsanwaltschaft bis zum 29. April ein Disziplinarverfahren gegen den THW Kiel einzuleiten.

Nielsen: "Schuldig, auszupacken"

Jesper Nielsen kann unterdessen nicht verstehen, dass der inzwischen zurückgetretene Manager Uwe Schwenker noch bis 30. Juni im Verein sei.

"Ein Witz. Das sagt mir, dass die Gesellschafter Grote und Wegner mit drinhängen (THW-Bosse wussten Bestechungsvorwürfen). Sie haben Angst, dass Uwe auspackt. So macht Kiel den ganzen Handball kaputt. Sie sind es uns allen und dem ganzen Sport schuldig auszupacken", meinte Nielsen.

Serdarusic und Schwenker schwer belastet

Zudem belastete Nielsen Kiels Ex-Trainer Noka Serdarusic und dessen Frau Mirjana erneut schwer.

"Noka und seine Frau haben es uns selbst erzählt, dass sie mal mit 20.000 Mark versucht hat, Schiedsrichter zu bestechen", so Nielsen.

Bereits am Freitag hatte der Löwen-Funktionär in einem ersten Interview schwere Anschuldigungen gegen den THW erhoben und vor allem Schwenker und Serdarusic (Nielsen: "Ich habe ihm gesagt: Pack aus!") belastet.

Gegen beide ermittelt die Kieler Staatsanwaltschaft inzwischen wegen Betrugsverdachts sowie gegen Schwenker wegen des Verdachts der Untreue und gegen Serdarusic wegen des Verdachts der Beihilfe dazu.

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