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Pascal Hens kam 2003 von der SG Wallau-Massenheim nach Hamburg © getty

Im Interview mit Sport1.de spricht Pascal Hens über das Aus der Hamburger in der Champions League und die Ziele in Bundesliga und Pokal.

Von Felix Götz

München - Der HSV Handball war so nah dran, musste sich am Ende aber trotzdem in der Champions League dem Titelverteidiger BM Ciudad Real geschlagen geben. (Großer Kampf nicht belohnt)

Viel Zeit zum Trauern bleibt allerdings nicht: Die drittplatzierten Hamburger liefern sich im Kampf um die Startplätze für die "Königsklasse" einen atemberaubenden Dreikampf mit dem TBV Lemgo und den Rhein-Neckar Löwen - nur zwei dieser drei Teams können sich noch qualifizieren. (DATENCENTER: Tabelle)

Zudem steigt am kommenden Wochenende das Final Four um den DHB-Pokal in eigener Halle.

Für den HSV und Weltmeister Pascal Hens ist es die letzte Chance, in dieser Saison einen Titel zu gewinnen.

Im Interview mit Sport1.de spricht Hens über das Aus in der Champions League und seine Ziele in Liga und Pokal. Zudem verrät der 28-Jährige, wie er mit dem Manipulationsskandal umgeht.

Sport1.de: Herr Hens, was überwiegt nach dem knappen Aus gegen Ciudad Real? Der Stolz, dem Titelverteidiger Paroli geboten zu haben, oder doch die Enttäuschung?

Pascal Hens: Natürlich die Enttäuschung. Wir können uns nichts dafür kaufen, dass wir im Halbfinale ausgeschieden sind. Wir wollten dieses Jahr weiterkommen als im letzten Jahr. Und da sind wir ja auch im Halbfinale ausgeschieden. Wir waren, glaube ich, die bessere Mannschaft. Fünf Minuten vor Schluss stand es Unentschieden, und ich denke, dass uns ein Sieg mit einem Tor Vorsprung gereicht hätte.

Sport1.de: Warum hat es nicht gereicht?

Hens: Wir hatten zu Hause im Hinspiel eine Phase, in der wir das Spiel hergeschenkt haben. Deshalb haben wir da mit einem Tor verloren. Und dann wird es bei Ciudad Real natürlich schwer. Letztendlich ist es ärgerlich, dass es nicht gereicht hat.

Sport1.de: Zum Grübeln bleibt nicht viel Zeit. Bereits am Dienstag (ab 20.15 LIVESCORES) trifft der HSV in der Bundesliga auf Balingen. Gegen die setzte es in der Hinrunde eine bittere 26:28-Pleite. Sie haben etwas gutzumachen?

Hens: Auf jeden Fall. Diese Niederlage war sehr bitter. Wir sind jetzt in der Bundesliga in der Predouille, weil nur noch drei Mannschaften in die Champions League kommen und wir hinter die Rhein-Neckar Löwen gerutscht sind. Und das sind eben Spiele in der Hinrunde gewesen, die uns jetzt schaden könnten. Deswegen muss es unser Ziel sein, in der Liga kein Spiel mehr zu verlieren. Wir wollen jetzt gegen Balingen Rache.

Sport1.de: Der Dreikampf um die Startplätze in der Champions League ist extrem spannend. Das Restprogramm spricht für den HSV, da die Löwen noch nach Kiel müssen und Lemgo noch in Flensburg antreten muss.

Hens: Unsere Aufgabe ist es, die restlichen Spiele zu gewinnen. Wir haben auch noch ein paar Stolpersteine vor uns. Wir spielen noch auswärts beispielsweise in Melsungen, wo man eigentlich gewinnen muss, was aber sehr schwer wird. Ich hoffe natürlich, dass wir von Kiel und Flensburg Schützenhilfe bekommen.

Sport1.de: Am Wochenende steigt in eigener Halle das Final Four im DHB-Pokal. Der HSV trifft im Halbfinale auf Gummersbach, dann könnte das "Traumfinale" gegen Kiel folgen. Mehr Motivation kann es nicht geben?

Hens: Ja, mehr geht nicht. Wir wollten unbedingt in dieser Saison einen Titel gewinnen. Die Meisterschaft und die Champions League sind weg, also ist der Pokal unsere letzte Chance. Die wollen wir nutzen. Von daher war es gut, dass wir in Ciudad Real ein gutes Spiel gezeigt haben und uns trotz des Ausscheidens Selbstvertrauen geholt haben.

Sport1.de: Die Saison hat für den HSV fürchterlich begonnen. Auch, weil es viele Ausfälle gab. Können Sie trotzdem mit dem Saisonverlauf zufrieden sein. Oder ist das alles nichts wert, wenn man am Ende ohne Titel dasteht?

Hens: Wir werden natürlich an Titeln gemessen. Aber wir hatten nun mal zu Beginn der Saison einige Probleme. Jetzt sieht es anders aus. Ich glaube, dass wir jetzt nicht wieder in Balingen oder in Dormagen verlieren würden.

Sport1.de: Die Bundesliga ist in allen europäischen Wettbewerben im Finale (Deutsche Klubs dominieren Europa) vertreten. Wie bewerten Sie diese Leistung?

Hens: Die deutschen Mannschaften waren in den letzten Jahren immer vorne mit dabei. Die Bundesliga ist als die stärkste Liga der Welt bekannt, von daher ist dann auch damit zu rechnen, dass die Bundesligisten international weit kommen.

Sport1.de: Trotzdem sorgt der Handball nicht nur für posititve Schlagzeilen. Flensburgs Geschäftsführer Fynn Holpert rief nun die Klubs dazu auf, HBL-Präsident Reiner Witte abzuwählen, weil der den Manipulationsverdacht verfrüht zu den Akten legen wollte. Was sagen Sie als Spieler dazu?

Hens: Wenn ich ehrlich bin, dann versuche ich das komplett auszublenden, auch wenn das manchmal nicht ganz einfach ist. Aber es äußern sich derzeit alle möglichen Menschen zu diesem Thema. Ich kann nicht sagen, was da genau passiert ist und wer da was von wem will. Wir müssen uns auf das Sportliche konzentrieren.

Sport1.de: Man bekommt den Eindruck, dass die lückenlose Aufklärung momentan nicht funktioniert. Haben Sie Angst, dass ihre Sportart dadurch an Glaubwürdigkeit verlieren könnte?

Hens: Dazu kann ich nicht viel sagen. Ich weiß nicht, wie da gearbeitet wird und wie alles aufgeklärt wird. Das ist nicht unsere Sache. Wir sind Spieler und unsere Aufgabe ist es, Titel zu gewinnen. Was da genau läuft und wie es läuft, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß nicht, ob da etwas schief läuft, oder nicht. Aber natürlich ist jedem klar, dass der Handball nicht von dem profitiert, was in den letzten Wochen und Monaten passiert ist.

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