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Stefan Lövgrens erste Station in Deutschland war der TV Niederwürzbach © getty

Nach zehn Jahren verabschiedet sich Stefan Lövgren aus Kiel und beendet seine Karriere. Zum Abschluss soll Europas Krone her.

Kiel - Für den alten Schweden fällt der letzte Vorhang. Wenn der THW Kiel am Sonntag im Final-Rückspiel der Champions League gegen Ciudad Real (So., ab 18Uhr LIVESCORES) nach Europas Krone greift, neigt sich auch die einzigartige Karriere von Kapitän Stefan Lövgren dem Ende zu.

Noch einmal führt der 38-Jährige die "Zebras" in der Königsklasse aufs Feld, zweimal spielt er dann noch in der Bundesliga, ehe er Kiel und dem Profi-Handball endgültig "Hej da" - "Tschüs" - sagt. (Gutes Polster dank starkem Endspurt)

"Es ist jetzt Zeit, die Knochen tun weh, das merkt man", sagt Lövgren, "und dann gibt es auch noch private Gründe, meine Kinder sollen in Schweden zur Schule gehen."

Abschiedsparty auf Mallorca

Auch Stefan Lövgren wird in seiner Heimat irgendwie wieder zur Schule gehen, als Handballlehrer an ein John-Bauer-Gymnasium nach Uddevalla.

Vorher jettet er mit seinen Teamkollegen direkt aus Ciudad noch zu einem Kurztrip nach Mallorca: Lövgren soll gebührend verabschiedet, die Mannschaftskasse geplündert werden.

Gislason: "Ziemlicher Einschnitt"

1999 kam "Löwe" als bärenstarker Rückraumspieler an die Förde, zwei Jahre später wurde er Kapitän, nun verabschiedet er sich als Chef-Dirigent eines der weltbesten Teams und unumstrittene Führungsfigur im Kieler Starensemble.

"Das wird ein ziemlicher Einschnitt, nicht nur, weil er ein brillanter Spielmacher ist, sondern vor allem abseits des Spielfelds die Leitfigur", sagt THW-Trainer Alfred Gislason.

Lövgren hält den Torrekord

Für den Isländer ist Lövgren, der einmal 18 Tore in einem Bundesligaspiel warf, ebenso der verlängerte Arm wie all die Jahre zuvor für Noka Serdarusic.

Sieben deutsche Meisterschaften, vier DHB-Pokalsiege und natürlich die Champions League 2007 hat er in mehr als 465 Spielen mit dem THW gewonnen.

Für ihn selbst ist die Champions League sein größter Sieg mit dem Rekordmeister - auch wenn er ausgerechnet in den Finalspielen gegen die SG Flensburg-Handewitt seiner Mannschaft verletzungsbedingt gar nicht helfen konnte. (DATENCENTER: Die Champions League)

Ratgeber für die Neuen

Doch allein Lövgrens Aura gibt neuen Spielern beim THW Sicherheit und Selbstvertrauen, er kümmert sich um sie und hilft beim Eingewöhnen.

"Am Anfang stürzt eine Menge auf sie ein", sagt Lövgren. Ihm selbst war es so ergangen, als er mit seiner Frau Ann-Sophie 1998 zu seiner ersten Bundesliga-Station TV Niederwürzbach kam: "Damals haben wir auch Hilfe bekommen. Seitdem wissen wir, wie wichtig das für die Spieler ist."

WM-Titel 1999

Auch im schwedischen Nationalteam an der Seite von Jahrhundert-Handballer Magnus Wislander oder Staffan Olsson war Lövgren jahrelang Führungsspieler und Kapitän.

In seinen 268 Länderspielen holte er die Weltmeisterschaft 1999, wurde viermal Europameister sowie 1996 in Atlanta und 2000 in Sydney Olympiazweiter.

Traum vom Olympia-Gold verpasst

Die olympischen Finalniederlagen bereiten ihm heute zwar keine Albträume mehr, "aber es ist sehr ärgerlich, wenn man zweimal im Endspiel war und nicht gewonnen hat".

Olympia-Gold wäre sein großer Traum gewesen. Nach der verpassten Qualifikation für die WM 2007 in Deutschland trat er aus der Nationalmannschaft zurück.

Keine Trainerkarriere geplant

Obwohl er in seinem Wohnort Melsdorf derzeit noch die Sechs- bis Achtjährigen trainiert, kann sich Stefan Lövgren eine Trainerkarriere bei den Profis erstmal nicht vorstellen.

"Ich möchte einfach ein bisschen Abstand vom Handball-Rhythmus haben", sagt er. Erstmal zieht die Familie in das neu gebaute Haus in der Nähe von Göteborg, ganz ruhig und beschaulich.

Titelfeier am Nationalfeiertag

Am 6. Juni werden sie Lövgren in seinem letzten Pflichtspiel in Kiel noch einmal so richtig hochleben lassen, ehe am 8. August bei seinem Abschiedsspiel der reine Spaß im Vordergrund steht.

Der 6. Juni ist der letzte Bundesliga-Spieltag, der THW, der als Meister längst feststeht, trifft auf den Erzrivalen SG Flensburg-Handewitt, und Stefan Lövgren wird hinterher ein letztes Mal die Meisterschale in Empfang nehmen.

"Der 6. Juni ist der Nationalfeiertag der Schweden - irgendwie passt das zum Anlass", sagt er.

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