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Rauer Wind weht Trainer Ola Lindgren (l.) und Manager Bernd Rigertink entgegen © getty

Die HSG Nordhorn hat Ärger mit dem Finanzamt. Steuerfahnder emittelten bei dem Klub und in der Zentrale der Handball-Bundesliga.

Von Mathias Frohnapfel

Der Handball-Bundesliga droht ein Steuerskandal. Der Klubführung der HSG Nordhorn wird offenbar vorgeworfen, Lohnsteuer nicht ordnungsgemäß gezahlt zu haben. Die Steuerfahndung Oldenburg hat jetzt gleichzeitig in der Geschäftsstelle der HSG Nordhorn und der Zentrale der Handball-Bundesliga (HBL) Unterlagen unter Beschlag genommen.

"Heute morgen stand die Steuerfahndung vor der Tür", bestätigt Frank Bohmann, HBL-Geschäftsführer. Das Objekt der Ermittler: die Lizenzunterlagen der HSG. Gegenüber Sport1.de berichtet Bohmann, dass die HBL-Zentrale in Dortmund in letzter Zeit beinahe täglich Kontakt mit dem EHF-Cupsieger hatte - "wegen der Gesamtlage Nordhorn."

Der HBL-Geschäftsführer meint damit die bekannt angespannte Finanzlage in der Handball-Hochburg. Von den mutmaßlichen Steuer-Unregelmäßigkeiten ist Bohmann nach eigenen Worten allerdings überrascht worden. Einen Imageschaden für die Handball-Bundesliga will er nicht ausschließen.

Bohmann bestellt Nordhorner ein

"Wir hätten uns die Angelegenheit lieber erspart", sagt Bohmann. Die HBL werde weiterhin kooperativ mit den Behörden zusammenarbeiten. Die erste Reaktion des HBL-Geschäftsführers: "Ich habe die Nordhorner für übermorgen einbestellt."

Laut ersten Berichten wurden in den vergangen Tagen zirka 100 ehemalige HSG-Spieler befragt. Ein Vorwurf lautet unter anderem, dass Profis mit Scheinverträgen ausgestattet worden seien oder geldwerte Vorteile am Fiskus vorbei gewährt wurden.

Rigertink will sich nicht äußern

Die HSG-Verantwortlichen gaben am Dienstag zunächst keine klare Stellungnahme ab. Manager Bernd Rigterink bestätigte lediglich den Vorgang der Durchsuchung. "Zu den Vorwürfen wollen wir uns erst einmal nicht äußern", so Rigterink.

Am Dienstagmorgen um kurz vor 8 Uhr durchsuchten Fahnder der Finanzbehörde Oldenburg die Geschäftsräume des EHF-Pokalsiegers. "Es besteht der Verdacht, dass bei dem Verein Schwarzgelder an die Spieler gezahlt wurden", sagte Pressesprecher Alexander Retemeyer von der zuständigen Staatsanwaltschaft in Osnabrück.

75 Beamte im Einsatz

Insgesamt 75 Beamte waren im Einsatz und durchsuchten 25 Objekte. Steuerfahnder tauchten bei den Spielern, Trainer Ola Lindgren und Spielerberatern auf.

Dass der Handball-Club finanziell in Schwierigkeiten stecken würde, war bereits in der Branche bekannt. Vor der Saison musste der Verein den Torjäger Jan Filip (zu den Rhein-Neckar-Löwen) und Abwehr-Recken Daniel Kubes (zu Lemgo) gehen lassen.

"Wir sind mit dem Etat noch nicht so weit, dass wir uns alle Spieler leisten können", sagte HSG-Manager Bernd Rigterink damals. Der "NDR" hatte vor einem Monat gemeldet, die HSG sei mit zwei Monatslöhnen im Verzug.

HSG-Trainer Lindgren musste ebenfalls Verträge und Kontoauszüge offenlegen. Er versicherte aber, dass das erste Saisonspiel am Mittwoch gegen die GWD Minden planmäßig stattfinden werde. Auch Weltmeister Holger Glandorf blieb trotz des unangemeldeten Besuchs gelassen.

Weltmeister Glandorf "Bei mir ist alles in Ordnung"

"Bei mir ist alles in Ordnung. Ich gehe davon aus, dass es bei den anderen auch so ist. Wir konzentrieren uns jetzt auf das Spiel", sagte Glandorf. Obwohl die HSG die Lizenz für die Saison erhalten hat, drohen drastische Strafen, falls sich die Vorwürfe bestätigen sollten. "Die äußerste Konsequenz wäre eine Lizenzrücknahme. Aber jetzt müssen wir erst einmal abwarten", erklärte Bohmann.

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