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Bis Olympia in Sydney war Bob Hanning Assistent von Bundestrainer Heiner Brand © imago

Der neue HBL-Vize Bob Hanning spricht über den Machtkampf im Präsidium, seinen Vorgänger Schwenker und die Aufklärungsarbeit.

Von Annette Bachert

München - Bob Hanning kämpft an allen Fronten: Der Manager der Füchse Berlin bereitet den nächsten Angriff der Hauptstädter auf die Europapokal-Plätze vor.

Doch seit er Ende Juni als Vize ins HBL-Präsidium gewählt wurde und dort dem skandalumwitterten Uwe Schwenker nachfolgt, ist er auch mit den Nachwehen des Kieler Manipulationsskandals konfrontiert.

Der hätte auch den Liga-Präsidenten Reiner Witte fast das Amt gekostet. Bei Sport1.de spricht Hanning über den Machtkampf in der HBL-Chefetage, seinen Vorgänger Schwenker und die stockende Aufklärungsarbeit.

Im Abstiegsfall des Füchse-Unterbaus, in dem ein Bundesliga-Akteur unerlaubt gespielt haben soll, erhebt der 41-Jährige schwere Vorwürfe gegen den Staffelleiter.

Sport1.de: Herr Hanning, Sie haben die Nachfolge von Uwe Schwenker als Vize-Präsident der HBL angetreten. Was haben Sie sich vorgenommen?

Hanning: Zuerst einmal ist dies eine Position des Dienens. Wir wollen versuchen, die Liga positiv zu positionieren. Zum einen verhandeln wir momentan die neuen Fernsehverträge, daran arbeiten wir sehr intensiv. Zum anderen ist das Potenzial der Vermarktung noch nicht ausgeschöpft. Desweiteren ist uns die Nachwuchsförderung sehr wichtig, bei der wir mit dem DHB sehr eng zusammenarbeiten. Und schließlich muss es uns gelingen, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten alle mitzunehmen.

Sport1.de: Was können Sie hinsichtlich der Manipulationsaffäre in der Bundesliga besser machen?

Hanning: Es ist immer schwierig, solche Dinge im Nachhinein zu bewältigen. Viel wichtiger ist es nach vorne zuschauen. Aber die HBL hat darüber viel geredet, einige Maßnahmen eingeleitet und einzelne Bestimmungen auf den Weg gebracht.

Sport1.de: Flensburg und die Rhein-Neckar Löwen haben ihren Misstrauensantrag gegen den HBL-Präsidenten Reiner Witte zurückgezogen. Glauben Sie, dass Herr Witte dennoch in der Sache völlig unbefangen bleiben kann?

Hanning: Da bin ich mir ganz sicher. Herr Witte ist ein guter Präsident für die Handball-Bundesliga. Diese Anträge zurückzuziehen war folgerichtig, um Schaden vom Handball abzuwenden. Da bin ich den Vereinen sehr dankbar. Aber es wären ohnehin nicht einmal fünf Prozent der Stimmen gegen Witte zusammengekommen.

Sport1.de: Uwe Schwenker möchte dem Handball erhalten bleiben. Wie finden Sie das?

Hanning: Uwe Schwenker ist der erfolgreichste Handballmanager der Welt. Für mich gilt im Moment die Beweispflicht der anderen Seite. Hier ist die Staatsanwaltschaft in Kiel an den Ermittlungen dran. Ich warte auf Resultate, und erst dann möchte ich mich dazu äußern.

Sport1.de: Wie groß ist der Schaden für den Handball?

Hanning: Nicht so groß, wie es viele gehofft haben. Das ist ein internationales Problem, dass wir nicht in die stärkste Liga der Welt hinein interpretieren sollten, denn unsere Liga ist sauber. Wir haben ein erstklassiges Produkt. Wir sind hinter Fußball die Nummer eins der Ballsportarten, wir haben eine tolle Nationalmannschaft, tolle Fernsehverträge, eine gute Vermarktung und wir sind daran, diese noch zu verbessern. Das Produkt Handball Bundesliga ist stärker denn je.

Sport1.de: Im Moment sieht es so aus, als ob der Unterbau der Füchse anstatt in die Regionalliga aufzusteigen in die Verbandsliga absteigen muss, da 23 Spiele wegen des Einsatzes von Torwart Patrick Ziebert in eine Niederlage umgewertet werden. Was würde das für den Verein bedeuten?

Hanning: Zu diesem Fall kann ich nur sagen, dass es einen Staffelleiter (Anmerkung der Redaktion: Hans-Joachim Welzer, Spielleiter des Handballverbandes Brandenburg) gibt, der in Unkenntnis gehandelt hat. Ich bin mir sicher, die Füchse Berlin werden in der kommenden Saison in der Regionalliga spielen, dazu gibt es gar keine Alternative.

Dieser Fall geht zwar per Eilantrag vor das Sportgericht, aber Herr Welzer hat in meinen Augen Spielergebnisse nachträglich manipuliert. Wo kommen wir denn hin, wenn jeder Kreisklassen-Staffelleiter die Ergebnisse in seiner Liga willkürlich verändern kann, die Bundesliga-Ergebnisse aber bleiben. Dieser Mann muss zurücktreten. Faul und dumm wäre ertragbar, aber fleißig und dumm führt zu solchem Handeln.

Sport1.de: Die Füchse haben einige Neuzugänge zu verzeichnen, wie Silvio Heinevetter und den Dänen Torsten Laen. Sind die Planungen abgeschlossen?

Hanning: Ich glaube, dass wir gut aufgestellt sind. Eventuell suchen wir noch einen jungen Rückraum-Linken. Da stehen einige zur Auswahl, aber eine Entscheidung haben wir noch nicht getroffen.

Sport1.de: Was erwarten sie für die Füchse für die kommende Saison?

Hanning: Ich erwarte von der Mannschaft, das wir weiter wachsen und einen Schritt nach vorne machen, wenngleich die Luft nach oben in der stärksten Liga der Welt immer dünner wird und das ein harter Kampf wird. Ich glaube aber, dass wir zwei, drei Plätze nach oben rutschen können.

Sport1.de: Und für die Bundesliga?

Hanning: Ich erwarte eine spannende Saison. Die Kiel-Verfolger HSV und Rhein-Neckar Löwen haben sich gut verstärkt, der THW hat den Karabatic-Wechsel über Momir Ilic gut kompensiert, und auch der TBV Lemgo wird wieder oben mitspielen können. Daher glaube ich, dass es in der Tabelle oben deutlich interessanter wird.

Und ich glaube auch, dass sich der Klassenverbleib diesmal nicht über Insolvenzen entscheidet, sondern über die sportlichen Ergebnisse. Ich hoffe zumindest, dass sich das so entwickelt. Und dann werden wir eine tolle Liga erleben, mit vielen Live-Spielen. Handball wird noch mal einen großen Schritt nach vorne machen.

Sport1.de: Was wird sich bezüglich der Fernsehübertragungen verändern?

Hanning: Das DSF überträgt in der Woche durchschnittlich 2,5 Spiele live und dazu ein Magazin. Die Europacupspiele sind weiterhin auf Eurosport zu sehen, so dass fast täglich Handball im Fernsehen übertragen wird. Das ist eine deutliche Erhöhung der TV-Präsenz.

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