vergrößernverkleinern
Nationalspieler Holger Glandorf spielt seit 1999 für die HSG Nordhorn © getty

Im Sport1-Interview erklärt Holger Glandorf, wie er mit den Finanz-Problemen seines Klubs umgeht und spricht über seine Zukunft.

Von Felix Götz

Nordhorn - Die finanzielle Misere spitzte sich bei der HSG Nordhorn zuletzt immer weiter zu.

Der Verein hat Ärger mit dem Finanzamt, Steuerfahnder ermittelten in der Klub-Zentrale und auch in den Geschäftsräumen der Handball-Bundesliga.

Alles in allem eine gefährliche Situation für die HSG. Es droht die Insolvenz, oder der Zwangsabstieg.

Deshalb wird darüber nachgedacht, ob Star und Top-Verdiener Holger Glandorf an einen anderen Verein verkauft wird.

Barcelona fragt an

Damit wäre wahrscheinlich ein großer Teil der finanziellen Probleme gelöst. Glandorf würde nicht mehr auf der Gehaltsliste stehen und die Nordhorner würden eine hohe Ablösesumme kassieren.

Interessenten an Glandorf gibt es genügend. Der FC Barcelona hat bei seinem Berater Jochen Bergener eine konkrete Anfrage abgegeben und sich eine Absage eingehandelt. Für Glandorf kam das Angebot "vielleicht etwas zu früh".

Im Sport1-Interview erklärt der 25-jährige Weltmeister, wie er die finanzielle Misere seines Klubs beheben kann, spricht über die Gründe seiner Absage, die Stimmung im Team und seine eigene Zukunft.

Sport1: Wie schwierig ist es derzeit, sich in Nordhorn auf Handball zu konzentrieren? Und wie wirken sich die Probleme auf die Stimmung in der Mannschaft aus?

Holger Glandorf: Die Stimmung ist intern sehr gut. Wir haben ein gutes Auftaktspiel gemacht und haben auch gegen Gummersbach 50 Minuten sehr gut gespielt. Wir schaffen es, uns auf Handball zu konzentrieren, machen unsere Arbeit und haben auch Spaß dabei.

Sport1: Wie geht das Team mit dem Thema um? Wird viel darüber gesprochen?

Glandorf: Wir reden natürlich schon darüber. Ob es was Neues gibt, oder wie sich die Situation entwickelt. Während des Spiels oder im Training ist das aber kein Thema. Wir sind Profis und können das dann auch ausblenden.

Sport1: Sie sagten, wenn der Verein mich verkaufen muss, um sich zu retten, dann würden Sie wohl wechseln. Nicht nur diese Aussage zeigt, dass sie der HSG sehr verbunden sind. Was sind dafür die wichtigsten Gründe?

Glandorf: Ich bin fast seit zehn Jahren hier und man kann in Nordhorn in Ruhe seine Arbeit machen. Das ist wie eine kleine Familie. Deshalb fühle ich mich hier sehr wohl. Wenn diese Probleme nicht wären, könnte man hier richtig gut Handball spielen. Außerdem ist es nicht weit bis zu meiner Heimatstadt Osnabrück.

Sport1: Sie hatten ein konkretes Angebot aus Barcelona. War das Angebot für sie kein Thema, oder warum haben sie abgesagt?

Glandorf: Alle Angebote sind ein Thema für mich. Aber ich will Nordhorn die Möglichkeit geben, ein vernünftiges Sanierungskonzept zu entwickeln. Die Zeit will ich einfach abwarten. Außerdem wäre es schwierig, mit meinem zwei Monate alten Sohn sofort ins Ausland zu gehen. Das Angebot kommt etwas zu früh für mich. Vielleicht gibt es in Zukunft noch einmal die Chance. Dann ist das auf jeden Fall ein Thema für mich.

Sport1: Barcelona wäre also für Sie sehr reizvoll?

Glandorf: Jeder Handballer möchte vielleicht gerne mal in Barcelona spielen. Das ist vom Namen her ein super Verein. Wenn man von so einem Klub ein Angebot bekommt, dann macht das einen schon stolz.

Sport1: Obwohl Barcelona eine Großstadt ist und sie es doch eher gemütlicher mögen?

Glandorf: Es gibt auch in Barcelona ruhige Ecken. Eine Saison, oder auch mehrere im Ausland zu spielen, schadet keinem. Aber das ist jetzt kein Thema. Jetzt geht es erst hier weiter.

Sport1: Welche Vereine haben sonst noch Interesse? Kiel, die Rhein-Neckar Löwen und auch Gummersbach sollen dazu gehören.

Glandorf: Das regelt mein Berater. Ich mache mir darüber keine Gedanken. Wenn es nach mir geht, dann möchte ich hier zumindest diese Saison zu Ende spielen.

Sport1: Aber sie machen sich doch sicher Gedanken, welcher Verein, sollten sie verkauft werden, für sie in Frage kommen würde?

Glandorf: Wir haben jede Woche drei Spiele, da hat man gar nicht so viele Zeit zum grübeln. Deshalb mache ich mir da keine Gedanken. Wenn der Fall eintreten sollte, dann würden es schon Vereine geben, die sagen: Wir nehmen dich. Aber ich gehe davon aus, dass es hier weitergeht. Vorher beschäftige ich mich nicht mit anderen Vereinen.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel