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Der benommene Zoran Djordjic (M.) wird von Ärzten gerade noch vor dem Ersticken bewahrt © getty

Nach dem schlimmen Zusammenstoß zwischen Djordjic und Wilczynski wird der Ruf nach einer Regeländerung laut.

Von Andreas Kloo

München - Es war die schockierendste Szene des 2. Spieltags in der Bundesliga: der Zusammenprall zwischen Wetzlars Torhüter Zoran Djordjic und Berlins Conny Wilczynski.

Der Torwart befand sich danach sogar in Lebensgefahr. Er verlor das Bewusstsein, die Zunge rutschte ihm in den Hals. Der Mannschaftsarzt und der Notarzt retteten Djordic gerade noch vor dem Ersticken.

Beide Spieler haben den Vorfall aber letztlich glimpflich überstanden und kamem mit Platzwunden und einer Gehirnerschütterung davon.

Erinnerung an Johan Petersson 2001

Aber der Schock bei allen Beteiligten sitzt tief. Die Szene gibt auch am Tag danach Anlass zu Diskussionen.

Viele Handball-Experten fordern nun eine neue Regel, die dem Torhüter verbietet, den Kreis zu verlassen.

Denn vor sieben Jahren ereignete sich in der Kölnarena bereits ein ähnlicher Vorfall, als Gummersbachs Schlussmann Jan Stankiewicz beim Hinauslaufen mit Kiels Johan Petersson zusammenknallte. Petersson schwebte damals kurzzeitig in Lebensgefahr.

"Gesundheit geht vor"

Auch Füchse-Coach Jörn-Uwe Lommel wünscht sich im "Tagesspiegel" "eine dicke rote Linie als Grenze für den Torwart". "Gesundheit geht vor einer taktischen Möglichkeit, die Chance des Gegners zu unterbinden", argumentiert Lommel.

Hanning: Irgendwann alle mit Helm?

Berlins Manager Bob Hanning dagegen sieht das Ganze völlig anders. Er ist strikt gegen eine Regeländerung: "Wir müssen davon wegkommen, jedes Mal Änderungen zu fordern, wenn ein Unfall passiert. Handball ist nun einmal eine dynamische Sportart, die gewisse Risiken birgt. Sonst kommen wir irgendwann dahin, dass alle mit Helm spielen müssen", macht er bei Sport1.de seinem Ärger über die aktuelle Diskussion Luft.

"Die Konsequenz einer Regeländerung wäre doch, dass die Außen ständig durchbrechen, weil man überhaupt keine Möglichkeit mehr hat, den schnellen Gegenstoß zu unterbinden. Das kann es nicht sein", fügt Hanning hinzu.

Diskussion um Rot realitätsfern

Auch die Kritik an der Roten Karte gegen den verletzt am Boden liegenden Djordjic teilt Hanning nicht: "Die Rote Karte war das Mindeste. Auch wenn es keine Absicht war von Zoran Djordjic, aber die Rote Karte war absolut regelkonform", stellt Hanning klar.

"Aber wenn ich höre, dass nun einige mehr Fingerspitzengefühl vom Schiedsrichter fordern, muss ich sagen, das geht an der Realität vorbei", meint der Manager. Das war Rot, Punkt und Aus."

Torhüter entschuldigt sich

Djordjic habe sich aber nach dem Spiel bei der Berliner Vereinsführung entschuldigt und Wilczyinski angerufen.

"Er ist eigentlich ein anständiger Sportsmann, für den ich hundertprozentig meine Hand ins Feuer legen würde", nimmt Hanning den gegnerischen Spieler in Schutz.

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