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Stefan Lövgren kam 1999 aus Niederwürzbach zum THW Kiel © getty

Im Interview mit Sport1.de spricht Stefan Lövgren über seine Gefühle beim Abschied und verrät, warum es Zeit zum Aufhören war.

Von Felix Götz

München - Zehn Jahre lang war Stefan Lövgren eine der wichtigsten Personen beim THW Kiel, unglaubliche 268 Mal lief der Rückraumspieler für die schwedische Nationalmannschaft auf.

Der Kapitän, den alle nur "Löwe" nennen, hat dabei fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Nur eine Goldmedaille bei Olympischen Spielen blieb dem 38-Jährigen verwehrt.

Am vergangenen Samstag wurde Lövgren unter dem Motto "Hej da, Löwe" in der Sparkassen-Arena in Kiel verabschiedet .

Es war ein Moment, den der dreimalige schwedische Handballer der Saison "immer vor Augen" haben wird.

Im Interview mit Sport1.de spricht Lövgren über seine Gefühle beim Abschiedsspiel, seine Zukunft in Schweden und die Zeit beim THW Kiel. Er verrät, warum es der richtige Zeitpunkt zum Aufhören war.

Sport1.de: Herr Lövgren, am Samstag war ihre große Abschiedsparty in Kiel. Wie war es?

Stefan Lövgren: Das ist schwer zu beschreiben. Es war ein unglaubliches Gefühl. Nervosität, Emotionen und Stolz - da kam alles auf einmal.

Sport1.de: Geht es Ihnen so kurz danach gut, oder ist Wehmut mit dabei?

Lövgren: Ich hatte gar keine Zeit für Wehmut. Ich habe sofort danach mit meiner Ausbildung begonnen. Das ging alles ruckzuck. Und das ist vielleicht auch besser so.

Sport1.de: Sehr viele alte Bekannte und Weggefährten sind nur für Sie nach Kiel gekommen. Wie viel bedeutet Ihnen das?

Lövgren: Das bedeutet mir sehr viel. Es hat gezeigt, dass Freundschaften auch nach der Karriere bleiben.

Sport1.de: Sie haben eine unvergleichliche Karriere hingelegt. Waren es am Ende hauptsächlich die "alten Knochen" oder gab es auch andere Gründe um aufzuhören?

Lövgren: Natürlich konnte der Körper nicht mehr. Aber es kamen viele andere Sachen dazu. Ich habe eine berufliche Perspektive mit der Schule und eine Tochter, die jetzt eingeschult werden soll. Weil alles zusammenkam, war es der richtige Zeitpunkt.

Sport1.de: Sind Sie also froh, dass der Handball-Trubel vorbei ist?

Lövgren: Was heißt froh... Handball ist mein Leben und man will irgendwie immer weiterspielen. Man weiß aber, dass so eine Profi-Karriere nicht ewig dauert. Aber ich bin zufrieden, weil ich eigentlich alles erreicht habe.

Sport1.de: Kann man nach so vielen Jahren ganz ohne Training leben?

Lövgren: So weit bin ich noch nicht. Ich muss mich sportlich aber natürlich umorientieren, um mich fit zu halten. Da werde ich schon etwas finden.

Sport1.de: Sie haben bereits angesprochen, dass Sie als Lehrer Handball unterrichten. Wie kam es dazu?

Lövgren: Es war mir ziemlich früh klar, dass ich weiter etwas machen will, was mit Handball zu tun hat. Trotzdem wollte ich von dieser Routine, jeden Tag zu trainieren, jedes Wochenende zu spielen, Abstand nehmen. Ich werde jetzt den Handball sozusagen in einem normalen Tages-Rhythmus behalten. Von daher war dieses Angebot sehr gut. Von den Möglichkeiten her und weil ich selbst vieles gestalten kann.

Sport1.de: Sie haben vom THW ein Angebot bekommen, einen Platz im Aufsichtsrat zu übernehmen. Warum haben Sie das abgelehnt?

Lövgren: Natürlich gab es darüber Gespräche. Aber wenn man etwas beim THW machen will, dann muss man auch vor Ort sein. Weil das nicht ging, war es nie ein wirkliches Thema.

Sport1.de: Wird der THW sportlich auch ohne Sie weiter erfolgreich sein?

Lövgren: Ich denke, dass der THW gut für die Zukunft aufgestellt ist.

Sport1.de: Das Kapitel Kiel ist somit für Sie abgeschlossen. Mit welchen Gefühlen denken Sie an die Jahre beim THW zurück?

Lövgren: Sehr positive Gefühle sind das. Da geht es aber nicht nur um den Handball, sondern auch um die Menschen. Meine ganze Familie hat eine sehr enge Bindung zu Deutschland. Es war eine schöne Zeit. Allerdings ist es ja nicht so, dass wir jetzt für immer weg sind von Kiel. Unsere Freunde werden wir natürlich behalten. Insofern wird der Kontakt bestehen bleiben.

Sport1.de: Sie haben eine Spielerberater-Agentur gegründet. Was haben Sie dabei für eine Aufgabe?

Lövgren: Die habe ich mit dem ehemaligen THW-Spieler Martin Schmidt gegründet. Ich bin, was Spieler anbetrifft, mehr für den skandinavischen Raum zuständig. Martin kümmert sich um Deutschland und Sponsoren.

Sport1.de: Sie leben jetzt wieder in Schweden. Gibt es etwas, was Sie an Deutschland vermissen werden?

Lövgren: Die Freunde werden wir vermissen. Aber sonst ist für uns Deutschland und Schweden sehr ähnlich. Da unterscheidet sich nicht viel.

Sport1.de: An welchen Moment Ihrer Karriere erinnern Sie sich besonders gerne?

Lövgren: Es ist schwer, da die verschiedenen Erlebnisse zu vergleichen. Aber das Abschiedsspiel werde ich immer vor Augen haben.

Sport1.de: Das einzige, was Ihnen verwehrt blieb, war ein Olympiasieg. Bleibt da etwas hängen, oder ist zweimal Silber auch ganz gut?

Lövgren: Natürlich hätte ich lieber eine Goldmedaille gewonnen. Aber so ist es im Sport. In einem Finale gibt es immer Gewinner und Verlierer. Und manche dürfen nie ein Finale spielen. Solange ich weiß, dass ich alles gegeben habe, kann ich auch eine oder zwei Niederlagen akzeptieren. Ich kann deshalb trotzdem nachts gut schlafen.

Sport1.de: Besteht die Möglichkeit, dass wir Sie eines Tages in irgendeiner Funktion wieder in der Bundesliga sehen werden?

Lövgren: Wenn ich jetzt sage, man soll nie "nie" sagen, dann gebe ich Raum für Spekulationen. Das möchte ich eigentlich nicht. Aber der Handball ist und wird mein Leben bleiben. Wer weiß, was in der Zukunft passiert? Ausschließen will ich es nicht.

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