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Martin Schwalb wurde als Spieler je dreimal Deutscher Meister und Pokalsieger © getty

Im Sport1.de-Interview spricht HSV-Trainer Martin Schwalb über die Verfolgerrolle, Supertalent Duvnjak und Rekonvaleszent Hens.

Von Julian Meißner

Nürnberg/München ? Martin Schwalbs erste Worte auf der Pressekonferenz nach dem Gewinn des Supercups galten dem Gegner.

"Ich möchte mich persönlich beim THW Kiel entschuldigen", sagte der Trainer des HSV Hamburg, der trotz uneinholbarer Führung kurz vor Abpfiff eine Auszeit genommen hatte. Im Eifer des Gefechts, wie Schwalb erklärte: "Ich wollte nicht respektlos sein."

Beim Aufgalopp zur neuen Saison hatte zuvor der Vizemeister im Prestigeduell mit dem Meister überraschend deutlich mit 35:28 (15:11) die Oberhand behalten.

Dabei erzürnte die Leistung seines Teams THW-Trainer Alfred Gislason wesentlich mehr als der HSV-Timeout: "Ich ärgere mich schwarz", bekannte der Isländer, der die "Zebras" in der vergangenen Saison zum Double geführt hatte.

Handball im Stile eines "Spaziergangs"

Seine Kritik: Zu viele technische Fehler, zu wenig Bewegung. Kurz: Handball im Stile eines "Spaziergangs".

Schwalb erkannte auf der anderen Seite zwar anfängliche Probleme, sah später jedoch "ansehnlichen Handball" seiner Mannschaft, die am Samstag beim TV Großwallstadt (17.45 LIVESCORES und im DSF) in die Liga startet.

Im Interview mit Sport1.de spricht der HSV-Coach über die Aussichten in der Liga, Super-Talent Domagoj Duvnjak und die Verletzungsmisere in seinem Team.

Sport1.de: Herr Schwalb, 17 von 18 Bundesligatrainern tippen auf den THW Kiel als Deutschen Meister. Wie ist Ihre Prognose kurz vor Saisonstart?

Martin Schwalb: Das ist schon richtig so, man sollte dem amtierenden Meister den nötigen Respekt entgegen bringen. Sie haben eine tolle Mannschat und letztes Jahr eine überragende Saison gespielt. Kiel ist auch dieses Jahr Favorit, das ist keine Frage. Wer Meister werden will, muss am THW vorbei.

Sport1.de: Bundestrainer Heiner Brand sagte bei Sport1.de, er erwarte ein offenes Rennen zwischen Kiel und dem HSV. Sehen Sie sich gerne in der Rolle des Underdogs?

Schwalb: Um ehrlich zu sein: Ich sehe mich in gar keiner Rolle. Wir spielen einfach unser Spiel, und das so gut wie möglich. Schauen wir doch einfach, was dabei herauskommt.

Sport1.de: Mit Pascal Hens und Bertrand Gille sind zwei Leistungsträger lange Zeit außer Gefecht. Wie fällt Ihr Fazit der Vorbereitung aus?

Schwalb: Da nun auch Oleg Velyky erneut ausfällt, haben wir die gesamte Vorbereitung leider Gottes mit nur vier Rückraumspielern bestreiten können. Daher war es für die Jungs schon sehr anstrengend. Ansonsten war aber alles in Ordnung, die Spieler haben sehr gut mitgezogen. Wir sind startbereit.

Sport1.de: Hens fiel ja schon vergangene Saison sehr lange aus. Wie steckt er das weg?

Schwalb: Psychisch geht es ihm sehr gut. Er kämpft und versucht, näher ans Team zu kommen. Ich hoffe, dass er bald spielfähig ist. Es dauert noch ein bisschen. Ein paar Wochen geben wir ihm noch Zeit, aber dann muss er der Mannschaft helfen.

Sport1.de: Mit Domagoj Duvnjak hat der HSV eines der größten Talente im Welthandball verpflichtet. Haben Sie je einen Spieler gesehen, der mit 21 Jahren schon so weit ist?

Schwalb: Ich bin ein Mensch, der Vergleiche hasst. Wenn ich jetzt sage, Andere waren in dem Alter nicht soweit, würde ich Spielern wie Nikola Karabatic Unrecht tun. Domagoj Duvnjak bringt sehr viel Qualität mit und ist ein exzellenter Handballer.

Es macht Spaß, ihn in der Mannschaft zu haben. Aber er ist eben im Juni erst 21 Jahre alt geworden, deshalb sollte man die Kirche im Dorf lassen. Sicherlich steht er nicht in der Verantwortung für Erfolge der Mannschaft in der nächsten Zeit.

Ich hoffe, er kann uns helfen. Aber wir haben genug erfahrene Spieler, die vor ihm die Kohlen aus dem Feuer holen müssen.

Sport1.de: Der HSV geht mit einem Rekordetat von 7,5 Millionen Euro in die Saison und hat damit mit dem THW gleichgezogen. Erhöht das für Sie den Druck, einen Titel gewinnen zu müssen?

Schwalb: Egal, ob in Hamburg, Kiel oder Wetzlar: Alle haben Druck. Wir haben den Druck, möglichst lange um die deutsche Meisterschaft mitspielen zu wollen und vielleicht einen Titel zu holen.

Andere spielen gegen den Abstieg und haben deshalb einen Riesendruck. Wir sind Leistungssportler ? ich kenne es nicht anders.

Sport1.de: In der Champions League hat der HSV mit Ciudad Real und Zagreb eine schwere Gruppe erwischt. Fluch oder Segen?

Schwalb: Ich finde das super. Es macht doch Spaß, gegen solche Teams zu spielen. Auch Kopenhagen ist eine tolle Mannschaft. Mir ist es so wesentlich lieber, als gegen vermeintlich namenlose Mannschaften zu spielen.

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