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Momir Ilic spielt nun in Kiel - doch die 500.000-Euro-Ablöse hat Gummersbach nicht saniert © getty

Die Millionentransfers beunruhigen Liga-Chef Frank Bohmann. Auch die Gehälter explodieren. Doch ein Salary Cap scheitert.

München - Mehr als eine Million Euro für einen einzigen Handballer: Mitten in der Finanzkrise sprengt die Bundesliga ihre bisherigen Dimensionen und setzt auf Stars, die allein in der Ablöse siebenstellige Summen gekostet haben sollen.

Doch die Verpflichtung von Weltklasseleuten wie Olympiasieger und Weltmeister Daniel Narcisse vom THW Kiel, der 1,3 Millionen Euro gekostet haben soll, oder Domagoj Duvnjak beim HSV Hamburg (eine Million) rufen nicht nur ungeteilte Freude hervor.

"Ich halte anderthalb Millionen für einen Handballer immer noch für zuviel. Das ist eigentlich außerhalb unserer Möglichkeiten", sagt Liga-Chef Frank Bohmann.

Stars kassieren hohe sechsstellige Gehälter

Im Drei-Klassen-System Bundesliga aus Spitzenklubs, Mittelfeld und Abstiegskandidaten ist so manche Mannschaft billiger als andernorts ein einziger Spieler. Bohmann: "Für anderthalb Millionen kann ich schon eine Mannschaft unterhalten, die zumindest gegen den Abstieg spielt."

Locker sechsstellige Summen an Gehalt kommen für die Stars der Branche mittlerweile dazu. Das Mammutprogramm mit Liga, Europacup und Länderspielen wird den modernen Handball-Helden ordentlich bezahlt, doch auch durchschnittliche Bundesligaspieler werden immer teurer und die Finanzierung einer Mannschaft immer schwieriger.

"Salary Cap" nicht durchsetzbar

"Wir sind im Durchschnitt aller Klubs bei 65 bis 70 Prozent Gehaltskosten, was deutlich zu viel ist. Der relative Anteil ist ungesund hoch", sagt Bohmann, "wir werden diesen Anteil dauerhaft reduzieren müssen."

Den vor allem in US-Profiligen gebräuchlichen Maximallohn ("Salary Cap") wird es in der Handball-Bundesliga aber nicht geben.

"Auch darüber haben wir intensiv nachgedacht. Aber dafür haben wir rechtlich nicht die Rahmenbedingungen, wir würden dann als eine Art Kartell die Einkünfte der Spieler beschneiden. Außerdem wäre es am Markt nicht durchsetzbar", sagt Bohmann.

"Sonst würden wir Konkurs gehen"

Die Liga könne die Klubs über das Lizenzierungsverfahren lediglich verpflichten, gewisse Vermögenssituationen zu schaffen.

Bereits kurzfristig runterschrauben musste die SG Flensburg-Handewittihre Gehaltskosten. Durch einen Gehaltsverzicht der Mannschaft in Höhe von 15 Prozent für das Haushaltsjahr 2009/2010 konnte der Meister von 2004 seinen für die kommende Saison erwarteten finanziellen Engpass überbrücken.

"Die klare Ansage war, dass, wenn wir nicht im Lohn runtergehen, der Verein Konkurs gehen würde. Um den Verein zu retten, haben wir zugestimmt", sagte SG-Kapitän Michael Knudsen nach langwierigen Verhandlungen.

Die Angst vor Zwangsabsteigern

Auch Europapokalsieger VfL Gummersbach verhandelt mit seinen Angestellten derzeit nach Flensburger Vorbild über einen Gehaltsverzicht.

Selbst der mehr als eine halbe Million Euro schwere Transfer von VfL-Star Momir Ilic zum THW Kiel brachte keine echte Entspannung.

So bleibt die vergangene Saison mit den Insolvenzen von Traditionsklub TuSEM Essen und der HSG Nordhorn immer im Hinterkopf. Sportlich wurde die Spielzeit durch die vorzeitig feststehenden Zwangsabstiege des Duos am Tabellenende zur Farce.

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