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Daniel Narcisse hat in 193 Länderspielen 697 Tore für Frankreich erzielt © imago

Wo steht der THW Kiel nach dem personellen Umbruch und unmittelbar vor Bundesligastart? Manager Uli Derad bleibt gelassen.

Von Julian Meißner und Annette Bachert

München/Nürnberg - Die neue Zeitrechnung beim Rekordmeister beginnt mit gehörigen Turbulenzen.

Nach der deutlichen Niederlage beim offiziellen Saisonauftakt im Supercup am Montag gegen den Rivalen HSV Hamburg kommen im hohen Norden Sorgen um die zuletzt überdeutliche Vormachtstellung des THW Kiel im deutschen Handball auf.

Die Generalprobe ist dem Doublegewinner, der im Sommer die Weichen nach dem Abtritt Uwe Schwenkers und dem Weggang dreier Leistungsträger komplett neu stellte, jedenfalls gehörig misslungen.

Zum Start der Bundesliga-Saison darf sich der THW nun keinen Ausrutscher mehr erlauben.

Derad bleibt gelassen

Nach der Auftaktpartie in Melsungen am Samstagnachmittag (15 Uhr LIVESCORES und auf tv.dsf.de) tritt am Dienstag mit den Rhein-Neckar Löwen sofort ein potenzieller Titelkandidat zum Kräftemessen in der Sparkassen-Arena an.

THW-Manager Uli Derad gibt sich im Gespräch mit Sport1.de jedoch gelassen: "Ich mache mir keine Sorgen um den Bundesligastart. Was wir im Supercup gesehen haben, war nicht das, was wir uns wünschen. Aber das war die Generalprobe. Wenn die nicht so gut funktioniert, weiß man ja, was folgt."

Ohnehin sei die Vorbereitung - zu der der Supercup nun einmal zählt - insgesamt "gut gelaufen".

Gislason beunruhigt

Doch Trainer Alfred Gislason wirkte nach dem 28:35 (11:15) reichlich angefressen. "Wir müssen in dieser Woche schon sehr gut arbeiten, um einen guten Start hinzulegen", sagte der Isländer.

Zu viele Mängel hatte Gislason im Spiel seiner Mannschaft ausgemacht: Technische Fehler, Abschlussschwäche, mangelnde Abstimmung. Teilweise wirkte die hochkarätig besetzte "Zebra"-Herde reichlich ungezügelt, das Fehlen eines Regisseurs vom Schlage Stefan Lövgrens machte sich deutlich bemerkbar.

Lund und Palmarsson als Alternativen

Derad, der auch auf die Klasse des Gegners verwies, wiegelte ab: "Wir haben auf der Mitte Börge Lund und Aron Palmarsson. Auch Daniel Narcisse kann dort spielen. Wir werden den Abgang Stefan Lövgrens kompensieren können."

Doch Lund, der unter Noka Serdarusic vornehmlich in der Deckung zum Einsatz kam, überzeugte bislang kaum als Spielmacher. Auch in der vergangenen Saison erzielte der Norweger in 19 Bundesliga-Spielen gerade einmal 23 Treffer.

Und dass Palmarsson, der noch körperliche Defizite hat, im Alter von 19 Jahren das Spiel des THW über längere Strecken lenken kann, ist eher unwahrscheinlich.

Narcisse als Spielmacher eingeplant

Gislason will nach dem Abgang von Nikola Karabatic nach Montpellier dessen sprung- und wurfgewaltigen Landsmann Narcisse in der Mitte die Fäden ziehen lassen, sagt aber: "Wir müssen ihn erst noch einarbeiten."

Auch die Neuzugänge Momir Ilic (VfL Gummersbach) und Christian Sprenger (SC Magdeburg) sind trotz komplett absolvierter Vorbereitung nach den Eindrücken von Nürnberg noch nicht optimal ins Kieler Spiel eingebunden.

Es dürfte also noch eine Zeit dauern, bis der THW-Express ähnlich wie unter Dampfmacher Karabatic ins Rollen kommt.

Klein mit Kampfansage

Linksaußen Dominik Klein kündigt im Gespräch mit Sport1.de dennoch forsch an: "Die Ziele sind die gleichen wie jede Saison. Wir wollen um alle drei Titel mitkämpfen."

Den Dämpfer vom Supercup will der Nationalspieler nicht überbewerten: "Ich erinnere immer wieder gerne an mein erstes Jahr beim THW. Da haben wir auch den Supercup gegen den HSV verloren und im gleichen Jahr das Triple geholt."

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