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Robert Gunnarsson (im Wurf) gewann mit dem VfL in diesem Jahr den EHF-Cup © imago

Der VfL Gummersbach steht vor dem Aus. Frank Flatten fürchtet um eine Wiederholung des Falls Nordhorn aus der letzten Saison.

Von Guido Huber

München - Eigentlich sollte in dieser Spielzeit alles besser werden in der Bundesliga.

Nach einer Katastrophensaison mit den Manipulationsvorwürfen gegen den THW Kiel und den Insolvenzen der HSG Nordhorn, von TuSEM Essen und des Stralsunder HV hofften die Verantwortlichen auf eine Reise in finanziell ruhigerem Fahrwasser.

Doch dieser Plan ist schon seit dem ersten Spieltag Makulatur.

Nach dem 31:18 (14:11)-Auftaktsieg von Altmeister VfL Gummersbach gegen Aufsteiger HSG Düsseldorf schlagen die Wellen weiter hoch, auch wenn die Gäste ihren angekündigten Protest nicht weiter verfolgen.

Lizenz rechtmäßig erteilt?

"Wir haben den Protest nicht begründet und nicht zugestellt", sagte HSG-Manager Frank Flatten.

Vorausgegangen sei eine Aussage von Liga-Geschäftsführer Frank Bohmann in einem Vermittlungsgespräch, dass die Lizenzierungskommission in eine weitere Prüfung der Unterlagen aus Gummersbach einsteigen werde. "Es ist richtig, dass die Lizenzierungskommission den Faden aufgegriffen hat. Wir möchten Wettbewerbsgerechtigkeit hergestellt sehen", sagte Flatten.

Die Düsseldorfer hatten die Rechtmäßigkeit der Lizenzerteilung für den VfL an. Die "Rheinische Post" zitierte Flatten, immerhin Präsidiumsmitglied in der HBL, mit Blick auf die finanzielle Situation in Gummersbach mit den Worten: "In einem Jahr sind die weg".

Flatten relativiert Aussagen

Gegen diese Darstellung wehrt sich Flatten im Gespräch mit Sport1.de. "Das habe ich nie gesagt", sagt er. Ohnehin sei der Einspruch "rein prophylaktisch gewesen". Nur sollte es zu Gummersbachs Abstieg kommen, habe er zumindest frühzeitig interveniert.

In der Vergangenheit habe Düsseldorf bei der Pokal-Niederlage gegen die HSG Nordhorn und auch bei der Niederlage in der Relegation gegen TuSEM Essen gegen Vereine den Kürzeren gezogen, die später Insolvenz anmelden mussten. Durch diese Niederlagen seien für Düsseldorf Verluste im sechsstelligen Bereich entstanden.

"Zweimal haben wir nichts gemacht - und in beiden Fällen waren wir nachher die Dummen", erläutert Flatten.

Horstmann empört über Flatten

Gleichzeitig gibt er aber auch an, nichts Konkretes über die finanzielle Situation in Gummersbach zu wissen - und genau das bringt nun wiederum den VfL auf die Palme.

"Ich bin entsetzt, dass ein Vertreter eines anderen Vereins unsere derzeitige schwierige Situation derart populistisch ausnutzt", echauffiert sich Gummersbachs Geschäftsführer Claus Horstmann. Der Verein habe die Lizenz ordnungsgemäß beantragt, der Protest der Düsseldorfer sei absolut unbegründet.

Auch VfL-Manager Francois-Xavier Houlet sieht der Entscheidung der HBL gelassen entgegen. "Ich denke, der Protest wird abgeschmettert", sagte er.

Dem VfL gehen die Spieler aus

Finanziell steht der VfL aber unwidersprochen vor großen Problemen. Der Etat wurde um 300 000 Euro auf 4,2 Millionen Euro zurückgefahren, mit den Spielern wurde über einen 20-prozentigen Gehaltsverzicht verhandelt. Der Großteil der Mannschaft ist diesem Wunsch nachgekommen.

Der erst vergangenes Jahr unter Vertrag genommene Mazedonier Zarko Markovic ließ sich jedoch nicht darauf ein und bat angeblich aus "privaten Gründen" um Auflösung seines bis 2012 laufenden Vertrages. Er kehrt in seine mazedonische Heimat zurück.

Ähnlich steht es um Torwart Goran Stojanovic. Der bekräftigte zwar seinen Verbleib für den Moment, wollte sich aber nicht festlegen, ob er auch über das kommende Spiel hinaus im Gummersbacher Gehäuse stehen würde.

Damit gehen dem Traditionsclub kurz nach Saisonbeginn die Spieler aus.

Unterdeckung von einer Million Euro?

Für Flatten ist das die natürliche Entwicklung in dieser Situation. "Als bei uns ein Sponsor absprang, haben wir damals einen Spieler verkauft und dann auch keinen Ersatz geholt", sagt er Sport1.de.

In Gummersbach droht nach Informationen des Kölner "Express" bei einer erfolglosen Suche nach Geldgebern, für die Houlet sich einen Zeitrahmen von 14 Tagen setzt, eine Unterdeckung des Etats von einer Million Euro.

Die Hoffnung auf eine Saison im ruhigen Fahrwasser wird sich für die HBL so schnell also nicht erfüllen.

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