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Maciej Dmytruszinski (l.) und Florian Wisotzki bejubeln den Punkt in Kiel © getty

Der TSV Dormagen holte bereits drei Punkte gegen Titelfavoriten. Trainer Kai Wandschneider erklärt die Stärke seines Teams.

Von Andreas Kloo

München/Dormagen - Der TSV Dormagen ist das Überraschungsteam der bisherigen Saison. Mit drei Punkten gegen die beiden Meisterschaftsanwärter aus Kiel und Hamburg mauserte sich der Aufsteiger zum Favoritenschreck.

"Natürlich war das eine faustdicke Überraschung gegen den HSV. Da muss ich der Mannschaft ein Riesenkompliment machen. Sie hat exakt das umgesetzt, was wir besprochen hatten", freut sich Trainer Kai Wandschneider im Gespräch mit Sport1.de über den 28:27 (15:15)-Erfolg seiner Mannschaft am Samstag.

Vor der Saison als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt, hat der TSV damit nun schon drei Punkte geholt, mit denen man nicht gerechnet hat. "Die kann uns keiner mehr nehmen. Gut möglich, dass diese Punkte am Ende den Ausschlag für den Klassenerhalt geben", prophezeit Wandschneider.

Am Ende der Etat-Rangliste

Von anderen Zielen will er nicht sprechen. "Wir heben jetzt nicht ab. Unser Ziel bleibt weiterhin nur der Klassenerhalt", betont der Coach.

Die wirtschaftliche Situation in Dormagen gibt auch gar keinen Anlass zu großen Träumereien. Mit einer Million Euro steht der TSV am Ende der Etat-Rangliste der Handball-Bundesliga, weit hinter dem THW Kiel (7,8 Millionen) und dem HSV (6,5 Millionen).

Neuzugänge perfekt integriert

Dennoch sind die Erfolge gegen die beiden Großen erklärbar. Denn das Manko der fehlenden Stars macht Dormagen mit großem Teamgeist wett. "Es ist ein großer psychischer Zusammenhalt in der Mannschaft, die Spieler gehen füreinander durchs Feuer", beschreibt Wandschneider die Stärke seiner Mannschaft.

"Die meisten spielen seit drei, vier Jahren zusammen. Das ist eine eingespielte Truppe, die wir nur punktuell ergänzt haben. Aber auch die Neuzugänge haben sich perfekt integriert."

Psychische Stärke in Play-Offs erworben

Den Teamgeist als großes Plus des Aufsteigers konnte man noch erwarten. Selbst die Experten waren aber von der Nervenstärke der Mannschaft in den Spielen gegen Kiel (28:28) und den HSV (28:27) überrascht.

Beide Begegnungen standen bis zum Schluss auf des Messers Schneide. Doch das Team spielte konsequent die vom Coach vorgegebene Taktik zu Ende.

Auch diese Eigenschaft seiner Mannschaft kam für Wandschneider nicht unerwartet: "Wir hatten in der Zweiten Liga viele Nervenspiele, mussten zweimal durch die Play-Offs. In diesen Spielen hat sich die Mannschaft mentale Stärke erworben."

Gegen den HSV erwischte noch dazu Torhüter Witali Feschtschanka einen Glanztag und entnervte die Hamburger mit seinen Paraden.

"Bester Zeitpunkt, um gegen Kiel zu spielen"

"Generell sind Spiele gegen die Großen für uns im Grunde genommen eine leichte Aufgabe. Da haben wir nichts zu verlieren", merkt der Trainer an. Gegen Kiel hatte der TSV noch dazu den Vorteil, dass der Titelverteidiger noch nicht im Rhythmus war.

"Es war sicherlich der beste Zeitpunkt in der Saison, um gegen Kiel zu spielen", so Wandschneider. Seit dieser Begegnung hätte auch der HSV gewarnt sein müssen. Doch den Dormagenern gelang tatsächlich noch der zweite Coup.

Wandschneider hofft auf Sponsoren

Diese Erfolge noch einmal zu wiederholen, wird allerdings laut Wandschneider schwer. Er fürchtet, dass sich bei der Mannschaft im Laufe der Saison ein Kräfteverschleiß bemerkbar machen wird.

"Wir haben leider nicht zwölf gleichwertige Spieler im Kader. So kann ich die besten Leute nicht schonen." Der Coach wünscht sich noch die ein oder andere Verstärkung. Mit den derzeitigen finanziellen Mitteln ist das aber nicht machbar.

"Vielleicht wird nach den jüngsten Erfolgen ja ein Sponsor auf uns aufmerksam, den unser Konzept, mit jungen deutschen Spielern zu arbeiten, anspricht", hofft Wandschneider.

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