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Silvio Heinevetter (24) hat 21 Länderspiele für Deutschland absolviert © getty

Silvio Heinevetter spricht im Interview mit Sport1.de über seinen Wechsel zu den Füchsen Berlin und Handball in der Hauptstadt.

Von Julian Meißner

München - Silvio Heinevetter ist Realist.

"Unser Ziel sollte sein, so lange wie möglich mitzuhalten und den THW zu ärgern", sagte der Keeper der Füchse Berlin vor dem Knaller der 2. Runde im DHB-Pokal am Dienstag (DATENCENTER: Alle Paarungen).

Mit seinem neuen Klub trat der ehemalige Magdeburger beim THW Kiel an, der dreimal in Folge den Cup an die Förde holte. Die Füchse waren chancenlos.

Heinevetter spricht im Interview mit Sport1.de über den mäßigen Saisonstart der Füchse und Handball in der Hauptstadt (85 Spiele live! Der große Wurf auf DSF.de).

Sport1.de: Herr Heinevetter, zwei Niederlagen aus drei Spielen: Wie bewerten Sie den Saisonauftakt mit den Füchsen?

Silvio Heinevetter: Optimal ist das sicher nicht. Wir haben in Flensburg und gegen Lemgo gegen zwei starke Mannschaften verloren und einen Pflichtsieg über Minden geholt. Es ist noch schwer zu sagen, wo wir stehen.

Sport1.de: Wäre Ihnen ein leichteres Auftaktprogramm lieber gewesen?

Heinevetter: Nicht unbedingt. Gerade am Anfang einer Saison kann einem gegen ein Top-Team auch mal eine Sensation gelingen. Und wir hätten alle drei Spiele gewinnen können, gegen Lemgo zu Hause sogar gewinnen müssen.

Sport1.de: Wo liegen die Gründe, dass das nicht geklappt hat?

Heinevetter: Unser Problem ist, dass wir im Angriff einfach zu wenig Druck ausüben und auch nicht genug Tore werfen. Uns fehlt die Durchschlagskraft im Rückraum, außerdem die Konstanz. Wir spielen 45 Minuten gut und in fünf Minuten machen wir uns das alles kaputt. Nach drei Spieltagen ist aber noch nichts verloren.

Sport1.de: Bleibt das Umfeld auch so ruhig?

Heinevetter: Man darf das nicht überbewerten. Dass wir mit einer neu zusammengestellten Mannschaft nicht von Null auf Hundert durchstarten, war allen klar. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Sport1.de: Aber langsam wird es Zeit, durchzustarten.

Heinevetter: Sicher. Großwallstadt hat letztes Jahr die ersten Spiele gegen Top-Mannschaften allesamt verloren, alle mit einem Tor. Am Ende der Saison waren sie dann Zwölfter. Die engen Spiele muss man irgendwann gewinnen.

Sport1.de: Wie ist Ihnen persönlich der Wechsel in die Hauptstadt bekommen?

Heinvetter: Ich fühle mich hier sehr wohl und habe mich gut eingelebt. Mit der Mannschaft verstehe ich mich auch sehr gut. Doch es hängt eben alles mit dem Sportlichen zusammen - und da fehlt es momentan noch ein bisschen.

Sport1.de: Sie haben eine sehr emotionale Spielweise. Stachelt es Sie an, wenn die gegnerischen Fans richtig laut werden?

Heinevetter: Ich kann das ganz gut ausblenden. Was um mich herum geschieht und was die Fans veranstalten, das bekomme ich gar nicht so mit. Ich konzentriere mich voll auf mein Spiel und die Mannschaftsleistung.

Sport1.de: Das Umfeld in der Hauptstadt liebäugelt mit dem internationalen Wettbewerb. Welche Ziele haben Sie sich für diese Saison gesetzt?

Heinevetter: Das ist halt Berlin. Als ich hier herkam, hieß es, wir wollen guten Handball bieten, den Leuten Spaß bereiten und etwas besser als letztes Jahr abschneiden. Im Laufe der Vorbereitung kam es dann in der Medienstadt Berlin soweit, dass auf einmal zwangsweise vom Europapokal die Rede war. Man sollte damit vorsichtig sein.

Sport1.de: In Berlin gibt es große Konkurrenz, gerade was Mannschaftssportarten angeht. Wie erfolgreich ist das Projekt Handball in Berlin?

Heinevetter: Die Füchse werden sehr gut aufgenommen. Die Zuschauerresonanz ist da, die Medienpräsenz auch. Mit Mittelmaß gibt man sich hier nicht zufrieden, das ist der Druck durch die anderen Sportarten. Für uns ist es deshalb wichtig, nach oben zu klettern.

Sport1.de: Anfang Oktober treten Sie bei ihrem alten Klub in Magdeburg an. Bauchschmerzen?

Heinevetter: Überhaupt nicht, ich weiß gar nicht genau, wann das ist. Die Spiele in Kiel und dann gegen Göppingen, daran denke ich. Soweit will ich gar nicht nach vorne schauen.

Sport1.de: Wie sind Ihre Kontakte zum SCM und wie sehen Sie die Entwicklung dort nach Stefan Kretzschmars Abgang

Heinevetter: Klar, der Kontakt ist noch da. Aus der Ferne ist die Situation aber nur schwer zu beurteilen. Die Außendarstellung ist sicher nicht nur positiv, das ist schade. Darunter leidet auch die Mannschaft.

Sport1.de: Im Januar steht die EM in Österreich an. Wie sind Ihre Ambitionen in der Nationalmannschaft?

Heinevetter: Das ist zwar noch ewig hin, aber natürlich will ich spielen. Ich will nicht den undankbaren dritten Platz auf der Tribüne haben. Ich habe gezeigt, dass ich das drauf habe. Zu den Chancen der Mannschaft kann ich kaum etwas sagen, da ich dafür einfach zu frisch bin. Ich gucke zu allererst, dass ich in der Vorbereitung meine Leistung bringe.

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