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In Schlieflage: Rückraum-Schütze Florian Wisotzki (r.) und der TSV Dormagen © getty

Der TSV ist mit Millionen in den Miesen. "Die Planungen waren zu optimistisch", sagt der Vorstand. Schuld soll auch Derad sein.

München - In der Handball-Bundesliga wird der nächste Klub anscheinend von einem immensen Schuldenberg erdrückt.

Nach Informationen von "ZDFonline" geht der TSV Dormagen gemäß eines klubinternen Papiers von einem Schuldenstand zwischen 1,8 und 2,5 Millionen Euro aus.

Die Etatplanungen waren zu optimistisch, was die Werbeeinnahmen angeht", wird der kommissarische TSV-Vorstand Klaus-Josef Ellrich zitiert. (DATENCENTER: Der 5. Spieltag)

"Die Zahlen sind uns so nicht bekannt. Auch der Vorsitzende ist überrascht von den Zahlen", sagte dagegen Dormagens Pressesprecher Detlev Zenk.

Verträge der Spieler geprüft

Zenk bestätigte, dass derzeit Gespräche über die Finanzlage geführt würden.

Bereits Mitte September hatte der Klub erklärt, weitreichende Sparmaßnahmen zu prüfen, damit die aktuelle Finanzkrise nicht den Spielbetrieb des Teams gefährde.

Diese Prüfung betraf unter anderem die bestehenden Verträge der Mannschaft. "Unsere Ziele bleiben sportlich der Klassenerhalt und wirtschaftlich weiterhin eine seriöse Geschäftsgrundlage", sagte Ellrich damals.

HBL fordert aktuellen Finanzstand an

Die Handball-Bundesliga (HBL), die in der vergangenen Saison die Insolvenzen von Tusem Essen und der HSG Nordhorn verkraften musste, ist über die brenzlige Situation in Dormagen informiert.

"Wir haben bis Freitag einen neuen aktuellen Finanzstand angefordert", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. Zu der kolportierten Schuldensumme konnte er nichts sagen: "Das verwundert mich."

Erst wenn der Bericht aus Dormagen, das wegen der Finanzprobleme von sich aus auf die HBL zugekommen war, vorliege, könne er Konkreteres zu dem Fall sagen.

"In einem Schwebezustand"

Der Etat des TSV für die Saison liegt bei 1,3 Millionen Euro.

Der Bayer-Konzern, der sich auch bei den Bundesliga-Handballern als großer Geldgeber und Namensgeber vor zwei Jahren zurückgezogen hatte, prüft bereits, ob die Lücken beim Handball-Klub geschlossen werden können und sollen.

Trainer Kai Wandschneider sprach am Donnerstag von einer unsicheren Lage: "Wir sind in einem Schwebezustand und hoffen, dass wir in der kommenden Woche Klarheit bekommen werden."

Gehaltsreduzierung verworfen

Laut "ZDFonline" trägt der frühere Manager Uli Derad, zu dieser Saison zu Rekordmeister THW Kiel gewechselt, eine Mitschuld an der Dormagener Misere.

So seien Rechnungen nicht rechtzeitig eingebucht worden, um die Verbindlichkeiten in der Bilanz zu drücken. Derad weist die Vorwürfe zurück: "Eine Überschuldung kann es nicht geben."

In Dormagen war auch eine Gehaltsreduzierung bei den Spielern angedacht worden. Der Klub entschied sich aber gegen einen solchen Schritt, da die Gehälter ohnehin zu gering seien.

In dieser Saison haben bereits die SG Flensburg-Handewitt und der VfL Gummersbach wegen finanzieller Probleme eine derartige Maßnahme ergriffen.

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