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Marcus Ahlm (vorne) kam 2003 von IFK Ystad zum THW Kiel © getty

Der THW Kiel geht nach dem Sieg in Barcelona mit Rückenwind ins Spiel gegen hochmotivierte Flensburger, bangt aber um Daniel Narcisse.

Von Julian Meißner und Felix Götz

München - Rechtzeitig zum Nord-Gipfel gegen die SG Flensburg-Handewitt (20.15 Uhr LIVESCORES und im DSF) in der Bundesliga hat Rekordmeister THW Kiel zurück in die Erfolgsspur gefunden.

Nach dem Dämpfer in der vergangenen Woche beim Remis gegen den TBV Lemgo siegten die "Zebras" am Sonntag dank einer beeindruckenden Darbietung beim spanischen Top-Klub FC Barcelona mit 30:27 (20:17).

Eine Feier gab es dennoch nicht, betonte Nationalspieler Dominik Klein und richtete den Blick direkt auf das heutige Highlight: "Schließlich müssen wir schon wieder in Flensburg ran."

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Flensburg patzt

Der ewige Rivale verpasste mit der überraschenden Niederlage beim TuS N-Lübbecke am vergangenen Samstag die Möglichkeit, den THW ohne bisherigen Punktverlust zu empfangen.

Nach dem Ausrutscher der SG, der Manager Holger Kaiser schwer auf die Palme brachte, hat in der Bundesliga nun nur noch der HSV Hamburg eine Weiße Weste.

Die Hamburger übernahmen durch einen furiosen 34:25-Sieg in Lemgo die Tabellenführung und setzten damit den THW mächtig unter Druck. Eine Niederlage in der Campushalle kann sich der Deutsche Meister deshalb nicht erlauben.

Ahlm bleibt zurückhaltend

Zumindest stehen für den THW nach dem wichtigen Auswärtserfolg in Barcelona in Gruppe D der Königsklasse alle Türen offen.

Kapitän Marcus Ahlm sagte: "Wir haben nun eine perfekte Ausgangslage, aber die Gruppenphase ist noch lang. Da kann noch viel passieren."

Omeyer überragend

Garant für den Sieg war einmal mehr der frisch gekürte Welthandballer Thierry Omeyer, der sein Team nach dem Wechsel in einer Schwächephase mit zahlreichen Paraden vor einem höheren Rückstand bewahrte. 22 Bälle wehrte der französische Weltmeister und Olympiasieger insgesamt ab.

"Wir alle haben sehr gut gespielt. Es ist immer etwas Besonderes, hier zu spielen und dann auch noch zu gewinnen. Mein Ziel ist es, möglichst viele Bälle zu halten, mehr nicht", sagte "Titi", der in Halbzeit zwei unüberwindbar schien.

Viermal scheiterten die Katalanen von der Siebenmeter-Linie an Omeyer: Siarhei Rutenka, Iker Romero, Victor Tomas und Konstantin Igropulo fanden ihren Meister.

Palmarsson wächst mit seinen Aufgaben

Für Trainer Alfred Gislason dürfte eine der wichtigsten Erkenntnisse gewesen sein, dass man auch ohne den verletzten Superstar Daniel Narcisse, der mit einer Zerrung auf der Bank saß, Spiele auf höchstem Niveau erfolgreich bestreiten kann.

Ob der Franzose gegen Flensburg auflaufen kann, entscheidet sich erst kurz vor Spielbeginn.

Zudem entwickelt sich der 19-jährige Aron Palmarsson langsam zu einer echten Alternative im Aufbau. Den Neuzugängen Christian Sprenger (6 Tore) und Momir Ilic (5) merkte man Spielfreude auf internationalem Parkett ebenfalls an.

Der Meister, bei dem in Barcelona der erneut in Top-Form aufspielende Filip Jicha (7/2) der beste Werfer war, reist also gestärkt zum Prestige-Duell nach Flensburg.

Ganz im Gegensatz zu den Flensburgern, denen in der Verfassung vom Samstag ein Debakel droht.

Motivation ist Pflicht

"Es ist nicht ungewöhnlich, wenn ein oder zwei Spieler nicht ihr normales Leistungsvermögen erreichen. Wenn das aber bei fünf oder sechs Akteuren der Fall ist, dann ist man nur am wechseln, um die richtige Aufstellung zu finden", erklärte SG-Coach Per Carlen gegenüber "handball-world" und hakte damit den blamablen Auftritt ab.

Nun haben alle Beteiligten nur noch das Derby im Sinn. "Ich freue mich wahnsinnig auf das Spiel, das 'Tornado-Handball', ja Werbung für den Handball verspricht", so Carlen.

Gerade gegen Kiel wäre eine schlechte Leistung vor allem für die Flensburger Fans nicht zu akzeptieren. "Wenn man als SG-Spieler gegen Kiel nicht motiviert ist, dann ist man beim falschen Verein", stellte Team-Manager Ljubomir Vranjes klar.

Narcisses Einsatz fraglich

Eine positive Nachricht gab es für die Flensburger bereits vor der Partie. Trainersohn und Rückraumspieler Oscar Carlen wird von seiner Ausstiegsklausel keinen Gebrauch machen und weiter für die SG auflaufen.

Die Flensburger müssen weiterhin auf die verletzten Alen Muratovic und Johnny Jensen auskommen, dafür ist Torhüter Johan Sjöstrand nach einer Grippe wieder dabei.

Wie brisant der Nord-Gipfel auch für die Spieler ist, beweist Börge Lund. Der Norweger, der 2007 aus Nordhorn nach Kiel kam, spielt trotz eines Sehnenabrisses im Daumen und wird erst danach operiert.

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