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Christoph Theuerkauf spielt seit 2003 bei den Profis des SC Magdeburg © imago

Kreisläufer Christoph Theuerkauf über das Trainerproblem des SC Magdeburg, die Lage des Klubs und das Spiel gegen den HSV.

Von Felix Götz

München - Vor dem Spiel des SC Magdeburg in Hamburg (Mi., ab 19.15 Uhr LIVESCORES) ist die Lage beim SCM reichlich unübersichtlich.

Vor einer Woche wurde bekannt, dass Trainer Michael Biegler den Verein zum Ende des Jahres 2009 vorzeitig in Richtung Großwallstadt verlässt. Ein neuer Übungsleiter wurde noch nicht präsentiert. Als heißester Anwärter gilt der ehemalige Schweriner Trainer und heutige Rostocker Sportdirektor Holger Schneider. (BERICHT: Biegler macht vorzeitig die Biege)

Gerüchten zu Folge führten Streitereien zwischen der Vorstandschaft und dem Coach zur Trennung. Das lässt auch Christoph Theuerkauf im Interview mit Sport1.de erahnen - sein eigener Vertrag läuft zum Saisonende aus.

Der Traditionsverein präsentierte sich zuletzt in der Außendarstellung unprofessionell und führungslos, wie auch bei der Partie gegen Kiel leicht auszumachen war.

Team trotzt Führungskrise

Obwohl eine schwerwiegende Personalentscheidung getroffen worden war und das DSF vor Ort war und mehrfach nachfragte, waren weder Präsident Eckhard Lesse, noch sonst irgendein anderes Vorstandsmitglied bereit, Rede und Antwort zu stehen.

Trotz der Führungskrise überrascht das Team der Magdeburger durch geschlossene Auftritte auf dem Feld.(DATENCENTER: Die Bundesliga)

Im Interview mit Sport1.de spricht Nationalspieler Theuerkauf über die Chancen der Magdeburger in Hamburg, den Abgang des Trainers, die Außendarstellung des Vereins und seine Zukunft.

Sport1.de: Herr Theuerkauf, was ist für Magdeburg in Hamburg drin?

Christoph Theuerkauf: Wir wollen uns wie gegen Kiel so gut wie möglich verkaufen. Allerdings haben uns die Göppinger einen Strich durch die Rechnung gemacht, weil sie Hamburg geschlagen haben. Deshalb fahren wir nun zu einer Mannschaft, die etwas gut zu machen hat.

Sport1.de: Es wäre also eine Sensation, wenn Sie punkten würden?

Theuerkauf: Ja, absolut. Vom Sieg zu reden, ist glaube ich utopisch. Aber wer weiß, vielleicht ist ja eine Überraschung drin. Dazu müsste aber bei uns alles passen. Trotzdem machen wir natürlich keine Kaffeefahrt nach Hamburg.

Sport1.de: Wer ist aus Ihrer Sicht in dieser Saison stärker, Kiel oder der HSV?

Theuerkauf: Hamburg macht auf mich den etwas stabileren Eindruck. Allerdings haben beide Teams viele Weltstars in ihren Reihen, von daher ist auch die Tagesform entscheidend. Hamburg und der THW sind jedenfalls eine andere Liga, sie machen die Meisterschaft unter sich aus.

Sport1.de: Was ist für Magdeburg in dieser Saison möglich?

Theuerkauf: Bei den Saisonzielen habe ich den Ball bisher immer flach gehalten, das werde ich weiter so handhaben. Denn zum 1. Januar 2010 ist unser Trainer weg und wir haben noch keinen Nachfolger. Von daher muss man abwarten.

Sport1.de: Die Gegebenheiten sind in Magdeburg derzeit nicht einfach. Trotzdem hat man als Außenstehender den Eindruck, dass die Mannschaft als echte Einheit auftritt.

Theuerkauf: Uns bleibt nichts anderes übrig. Wir haben eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern. Wir müssen als Einheit stark sein, ein Einzelner hat bei uns keine Chance. Das versucht uns der Trainer einzubläuen.

Sport1.de: Sie haben Michael Biegler angesprochen. Er verabschiedet sich vorzeitig. Was sagen Sie dazu?

Theuerkauf: Ich finde, dass Michael Biegler der beste Trainer für den SC Magdeburg in der jetzigen Situation ist. Ich bin sehr traurig, dass er geht. Ich kann ihm aber keine Vorwürfe machen, weil ich die Gründe für seinen Rücktritt absolut nachvollziehen kann.

Sport1.de: Es gab angeblich viel Ärger zwischen dem Trainer und dem Vorstand.

Theuerkauf: Weder der SCM noch Michael Biegler haben uns als Mannschaft die Gründe dargelegt. Ich kenne die Hintergründe aber, weil ich zum Trainer ein gutes Verhältnis habe. Aber das in der Öffentlichkeit breitzutreten ist nicht meine Aufgabe. Ich kann nachvollziehen, dass er aufhört. Das würde jeder andere Arbeitnehmer auch so machen.

Sport1.de: Können Sie Gerüchte bestätigen, dass es zwischen Team und Vorstand keinerlei Kontakt gibt?

Theuerkauf: Ich war nicht dabei, als das Gespräch zum Thema Michael Biegler geführt wurde. Deshalb kann ich dazu keine Auskunft geben. Da war ich bei der Nationalmannschaft. Ich habe es von Michael Biegler selbst erfahren. Ich weiß, dass jemand vom Vorstand anwesend war. Was da aber gesprochen wurde, kann ich nicht sagen.

Sport1.de: Beim Spiel gegen Kiel war diese Entscheidung gerade getroffen und das DSF war vor Ort. Niemand aus dem Vorstand war aber bereit, Rede und Antwort zu stehen. Das sieht nach einer katastrophalen Außendarstellung des Vereins aus.

Theuerkauf: Da kann ich ihnen nur Recht geben. Aber es ist nicht meine Aufgabe, das zu bewerten. Ob sich der Vorstand nun äußert oder nicht, ist den verantwortlichen Leuten selbst überlassen. Wir können nur versuchen, uns als Mannschaft möglichst gut zu präsentieren, so dass man wenigstens über die Mannschaft des SC Magdeburg positiv redet.

Was die Außendarstellung betrifft, sind andere Leute verantwortlich. Ich finde auch, dass mehr kommen könnte. Ich kann es so ausdrücken: Ich würde mir wünschen, dass sich der Zusammenhalt der Mannschaft auch auf anderer Ebene widerspiegeln würde. Dafür sind dann aber Präsidien, Aufsichtsräte, Manager und Geschäftsführer verantwortlich. Ich finde das sehr schade. Das gibt es so in keinem Verein in Deutschland. Aber irgendwie müssen wir ja etwas Besonderes haben. (lacht)

Sport1.de: Ihr Vertrag läuft zum Saisonende aus. Wie geht es für Sie weiter?

Theuerkauf: Es gab bisher weder mit Magdeburg noch mit irgendeinem anderen Verein Gespräche. Ich habe jetzt erstmal persönliche Ziele. Zum einen möchte ich mit dem SCM Erfolg haben und zum anderen will ich mit der Nationalmannschaft bei der EM spielen.

Sport1.de: Sie sind in Magdeburg geboren und hängen vermutlich ganz besonders an diesem Verein. Würden Sie denn gerne bleiben?

Theuerkauf: Magdeburg ist meine Heimatstadt, und ich habe dem Verein unheimlich viel zu verdanken. Aber ich bin jetzt 25 Jahre und habe einen Fuß in der Tür bei der Nationalmannschaft. Ich möchte kontinuierlich dabei sein. Und es ist so, dass in Magdeburg die Position des Kreisläufers sehr gut besetzt ist. Als zweiter Mann ist es schwer, sich zu präsentieren und weiterzuentwickeln. Dafür ist die Perspektive in Magdeburg nicht optimal.

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