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Im Zentrum der Kritik: Nationalspieler Michael Kraus hat in Lemgo viel Ärger © imago

Nach dem Debakel gegen die Löwen wirkt Lemgo-Trainer Mudrow hilflos. Ein Star zieht sich den Unmut der Verantwortlichen zu.

Lemgo - Pfeifende Fans, ein hilfloser Trainer, ein entsetzter Manager und ein früherer Weltmeister als Buhmann: Beim TBV Lemgo hängt der Haussegen gewaltig schief.

Beim peinlichen 22:38 (7:17) im Spitzenspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen machten die Fans ihrem Unmut am Dienstagabend schon zur Halbzeit mit einem gellenden Pfeifkonzert Luft und verschonten auch ihren Star Michael Kraus nicht.

"Das Schlimme ist, dass ich diese Niederlage nicht einmal richtig erklären kann", sagte Volker Mudrow nach dem Debakel.

Er benutzte Worte wie "katastrophal" und "peinlich" und bedankte sich bei den Zuschauern, dass sie es überhaupt bis zum Ende ausgehalten hatten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Wir waren Fallobst"

"Ich kann verstehen, wenn sie von Arbeitsverweigerung reden", sagte Mudrow: "Wir waren Fallobst".

Doch während der Coach zumindest bei den Verantwortlichen um Geschäftsführer Volker Zerbe und dem ebenso mächtigen wie anspruchvollen Geldgeber im Hintergrund (Heristo AG) derzeit unumstritten sein dürfte, hat sich Kraus mit einem Interview im Vorfeld des Spiels den Ärger des Klubs zugezogen.

"Ich werde noch vor dem Wochenende das Gespräch mit ihm suchen. Ich will Klarheit schaffen, dass es so nicht geht", sagte Zerbe, der das Spiel mit eisiger Miene ungläubig verfolgt hatte (Stenogramme: 11. Spieltag).

Zunächst keine Konsequenzen für Kraus

Kurzfristig seien zwar keine Konsequenzen möglich, gerade in Sachen Personal werde man sich aber Gedanken über die Zukunft machen.

Mittelmann Kraus hatte trotz Vertrages bis 2012 am Spieltag in einem Interview quasi offen über seinen Abschied gesprochen, sollte der Klub auch im kommenden Jahr nicht in der Champions League spielen.

"Wenn es am Ende wieder nicht reicht, wird man sich sicher zusammensetzen und alle Möglichkeiten ausdiskutieren müssen. Mein Anspruch als Kapitän der Nationalmannschaft muss es sein, in der Champions League zu spielen. Das werde ich mir nicht nehmen lassen", sagte der 25-Jährige dem Mannheimer Morgen.

Unruhiges Jahr

So war schon vor dem Spitzenspiel vom Dienstag Unruhe in den Verein gekommen - nicht zum ersten Mal in diesem Jahr.

Es begann mit dem ganz schwachen Auftritt bei der Champions-League-Qualifikation. Statt Königsklasse spielt der TBV in diesem Jahr nur im EHF-Pokal.

Als Konsequenz musste der gerade bei den Fans geliebte Trainer Markus Baur noch vor dem ersten Bundesligaspiel gehen, mit ihm der sportliche Leiter Daniel Stephan.

Auch in diesem Fall geriet Kraus ins Kreuzfeuer. Den Vorwurf, er habe den Rauswurf seines einstigen Nationalmannschaftskollegen Baur mitbetrieben, weist er aber weit von sich.

"Mittlere Katastrophe"

Nach einer Klatsche gegen den HSV Hamburg in der Liga folgte für die ambitionierten Ostwestfalen dann auch noch das peinliche Aus im DHB-Pokal gegen Zweitligist VfL Bad Schwartau.

Schon damals sprach Mudrow von einer "mittleren Katastrophe" und kündigte unbequeme Entscheidungen an.

Gegen die Löwen musste er nun zwar gleich vier Spieler um den verletzten Kapitän Sebastian Preiß ersetzen. Dennoch war die Leistung der verbliebenen Profis indiskutabel.

Auch Michael Kraus stand neben sich, zuletzt hatte er schon beim Supercup-Gewinn mit der Nationalmannschaft Bundestrainer Heiner Brand nicht komplett überzeugt.

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