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Beim letzten Aufeinandertreffen im Supercup siegten K. Lijewski (M.) und Co. mit 35:28 (15:11) © getty

Sport1.de nimmt vor dem Gipfel zwischen Kiel und HSV die Teams im Head-to-Head-Vergleich unter die Lupe und wagt eine Prognose.

Von Julian Meißner

München - Das Säbelrasseln vor dem Spiel der Spiele zwischen Kiel und Hamburg hat längst begonnen.

"Wir werden den THW besiegen", kündigte HSV-Boss Andreas Rudolph vor der Partie des Tabellenzweiten beim Spitzenreiter am Sonntag (ab 17.45 Uhr LIVESCORES und live im DSF) in den "Kieler Nachrichten" vollmundig an.

Der Präsident des Herausforderers meinte zur Ausgangslage: "Für uns ist es ein Vier-Punkte-Spiel, der Druck ist für den THW aber größer. Kiel muss gewinnen, schließlich ist unser Programm in der Rückrunde leichter."

Kiels Trainer Alfred Gislason, ohnehin kein Freund großer Worte, erklärte dagegen schlicht: "Wir sind bereit."

Doch welches der beiden mit Stars gespickten Teams hat am Ende die Nase vorn?

Sport1.de nimmt die beiden Mannschaften im Head-to-Head-Vergleich Position für Position unter die Lupe und wagt eine Prognose.

Tor:

Kiels Welthandballer Thierry Omeyer wird vom genesenen Schweden-Talent Andreas Palicka oder Oldie Peter Gentzel unterstützt. Doch in seiner derzeitigen Gala-Form dürfte der beste Torhüter der Welt im Gipfeltreffen 60 Minuten zwischen den Pfosten stehen. Hamburgs Duo heißt Johannes Bitter / Per Sandström. Freie Gelenkkörper im Ellbogen behindern jedoch den deutschen Nationalkeeper, weshalb wohl der Schwede über weite Strecken in die Bresche springen muss. Sandström hat mit 41,4 Prozent gehaltener Bälle zwar die bessere Quote als Omeyer (38,6 Prozent), aber bei weitem nicht dessen Spielanteile.

Fazit: Vorteil Kiel

Linksaußen

Kiel hat mit Dominik Klein und Henrik Lundström zwei gleichwertige, unbestritten hochklassige Spieler auf dem linken Flügel. Beim HSV ist Routinier Torsten Jansen die Nummer eins vor Neu-Nationalspieler Matthias Flohr. Jansen ist für Schwalb unverzichtbar, zumal er auf der Halb-Deckung eine Bank ist. Dadurch verschleppt er aber gleichzeitig das Konterspiel, das Klein/Lundström bis zur Perfektion beherrschen.

Fazit: Vorteil Kiel

Rückraum links

Nach dem Fingerbruch von Daniel Narcisse müssen es auf der Königsposition Filip Jicha und Momir Ilic für den THW richten, Jicha wird verstärkt auf der Mitte auflaufen. Ilic hat sich bei seinem neuen Klub hervorragend eingefunden und tritt als bester THW-Schütze (5,4 Treffer im Schnitt) durchaus in die Fußstapfen eines Nikola Karabatic. Jicha spielt trotz jüngster Schwächung durch Grippeviren eine überragende Saison. Ihnen gegenüber stehen Blazenko Lackovic und der lange verletzte Pascal Hens ? Weltklasse-Spieler, aber beide nicht in Top-Form.

Fazit: Vorteil Kiel

Rückraum Mitte

Jicha, THW-Youngster Aron Palmarsson und der Norweger Börge Lund - in Kiel primär ein Abwehrmann - messen sich mit HSV-Kapitän Guillaume Gille und Kroatiens Supertalent Domagoj Duvnjak. Durch Narcisses Ausfall wird der junge Palmarsson verstärkt gefordert werden, um Jicha zu entlasten. Der Tscheche spielt in der Form seines Lebens, ist aber eigentlich ein Halblinker. Auf der anderen Seite sind Duvnjaks individuelle Qualitäten als Vorbereiter und Werfer unbestritten, mit dem erfahrenen Gille bildet er schon jetzt ein absolutes Top-Gespann auf der Spielmacher-Position.

Fazit: Unentschieden

Rückraum rechts

Schwedens Nationalmannschafts-Kapitän Kim Andersson und Stoiker Christian Zeitz stehen die Gebrüder Marcin und Krzysztof Lijewski gegenüber. Die beiden Kieler bilden dank ihrer unterschiedlichen Spielweisen ein eher unberechenbares Duo, während die Lijewskis in ihrer Anlage ähnlich agieren. Auch wenn Anderssons Klasse leicht hervorsticht, ist auf dieser Position kein Vorteil zu erkennen.

Fazit: Unentschieden

Rechtsaußen

THW-Neuzugang und Nationalspieler Christian Sprenger trifft auf seinen DHB-Rivalen Stefan Schröder und den Dänen Hans Lindberg. Christian Zeitz ist bei THW nur Notnagel auf der Außenposition. Lindberg, ein hervorragender Siebenmeter-Werfer, führt die HBL-Torschützenliste mit durchschnittlich 7,1 Treffern pro Spiel an. Und Schröder ist ein nahezu gleichwertiger Ersatz - trotz Sprengers Klasse und Schnelligkeit hat der HSV auf dieser Position ein stärkeres Duo.

Fazit: Vorteil Hamburg

Kreis

THW-Kapitän Marcus Ahlm und Igor Anic messen sich mit Igor Vori und Bertrand Gille. Der Franzose feierte nach überstandenem Achillessehnen-Anriss unter der Woche in Balingen im DHB-Pokal sein Comeback. Auch wenn "Bobo" natürlich noch weit von seiner Bestform entfernt ist: Die beiden Kreisläufer des vergangenen WM-Finales, darunter mit Vori den MVP des Turniers, in einem Team zu haben, ist schon etwas Besonderes. Auf Kieler Seite bleibt Ahlm in dieser Saison bislang unter seinen Möglichkeiten, Anic fehlt zur absoluten Weltspitze noch etwas Erfahrung.

Fazit: Vorteil Hamburg

Prognose

Viel wird für den HSV davon abhängen, wie die Rückwärtsbewegung funktioniert und inwieweit man den (erweiterten) Tempogegenstoß der Kieler unterbinden kann.

Offensiv heißt es für Hamburg: Entweder Tempo rausnehmen, oder beim Zebra-Höllenritt mitmachen und den THW mit seinen eigenen Waffen schlagen. Entscheidend wird wie in allen großen Spielen die Deckungsarbeit, die Tagesform der Werfer und vor allem die Torhüterleistung sein - hier dürfte der THW von Omeyers Extraklasse profitieren. Wenn es darauf ankommt, ist der Weltmeister und Olympiasieger in der Regel da.

Nur wenn der HSV sein absolutes Maximum abruft, hat er eine reelle Siegchance. Die Summe der Einzelvergleiche, der Heimvorteil, die Erfahrung der Akteure und die nordische Version des "Mir san mir" sprechen für den THW. Sport1.de-Tipp: Kiel siegt mit knappem Vorsprung.

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