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Dominik Klein scheiterte beim entscheidenden Wurf an Balingens Keeper Ivan Zoubkoff © getty

Damit hatte keiner gerechnet: Der Deutsche Meister THW Kiel verliert in Balingen. Für die Zebras ist "Weihnachten gelaufen".

Von Rainer Nachtwey

München/Kiel - DSF-Kommentator Markus Götz blieb die Sprache weg.

Und auch Co-Kommentator, Nationalspieler und Rhein-Neckar Löwe Oliver Roggisch konnte es nicht fassen:

Während das Duo gerade die Begegnung Lemgo gegen Flensburg begleitete, sorgte rund 500 Kilometer südlich die HBW Balingen-Weilstetten für die Sensation des Jahres und den Thronsturz in der Handball-Bundesliga.

Das Kellerkind, das zuvor nur gegen Dormagen (16.), Düsseldorf (18.) und Wetzlar (11.) gewonnen hatte, schlug den Deutschen Meister, den Double-Gewinner, den Champions-League-Finalisten THW Kiel mit 39:37 (18:18) und brachte damit den Kielern die erste Niederlage in der Bundesliga seit 249 Tagen bei (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)..

"Das ist ein echtes Wunder", jubelte Balingens Trainer Rolf Brack im DSF über den Sensationssieg seiner Mannschaft (Stenogramme: 16. Spieltag).

Moralisches Plus bei Kiel

Zumal in der entscheidenden Phase alles für Kiel und nichts für die Gastgeber sprach. Zehn Minuten vor Schluss ging Balingen durch einen Siebenmeter von Wladimir Temelkow mit 33:29 in Führung, knapp vier Minuten später glich Christian Sprenger zum 33:33 aus.

Die Moral war am Boden, zumal Frank Ettwein seine dritte Zwei-Minuten-Strafe kassierte und die Rote Karte zu sehen bekam.

"Wir haben viele einfache Tore gemacht und uns auch nicht unterkriegen lassen, als wir einen Vier-Tore-Vorsprung hergeschenkt hatten und alles gegen uns sprach", verriet Brack das Erfolgsrezept.

Lobedank trifft zum 38:37

Vor allem gingen die Balinger immer wieder in Führung, 34,33, 35:34, 36:35, 37:36. Kiel kam jeweils nur zum Ausgleich.

Eine Minute vor Schluss ging Balingen durch Felix Lobedank mit 38:37 erneut in Front, die Sensation, einen Punkt gegen den Liga-Primus zu ergattern, war ganz nah. An den Sieg dachte wohl keiner.

Und dann, dann parierte Balingens Keeper Ivan Zoubkoff 15 Sekunden vor Schluss den Wurf von Dominik Klein - die Sensation war perfekt.

39 Tore gegen Kiel? Völlig verrückt

"Wir waren doch nur mit der Marschroute ins Spiel gegangen, uns nicht abschlachten zu lassen", meinte ein kopfschüttelnder Philipp Müller. "Völlig verrückt. 39 Tore gegen Kiel, das ist der helle Wahnsinn."

Für Dennis Wilke, mit acht Toren bester Balinger Werfer, war das "ein Jahrtausendwunder". Coach Brack sprach vom "größten Sieg in 25 Jahren Trainertätigkeit".

Weihnachten für Jicha gelaufen

Und die Kieler? Die Kieler schlichen konsterniert aus der Halle.

"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Es fehlte die Konstanz, es fehlte alles", brachte Filip Jicha heraus, und ging vor allem mit sich selbst hart ins Gericht. "Ich habe eine katastrophale Leistung in der ersten Halbzeit gezeigt. Das war beschämend. Weihnachten ist für mich gelaufen."

Verdienter Sieg für Balingen

Coach Alfred Gislason war völlig bedient und "extrem enttäuscht".

"Wir haben das ganze Spiel nicht zu uns gefunden, im Angriff zu langsam, in der Abwehr passte ebenfalls nichts zusammen", stellte der Isländer fest und kam anschließend zu der Erkenntnis. "Das war ein verdienter Sieg für Balingen, für uns ist das ganz, ganz bitter."

HSV übernimmt Spitze

Vor allem fielen die Kieler in der Tabelle hinter den HSV Hamburg zurück, nachdem sie durch das 29:29 im direkten Duell am vergangenen Sonntag ihren Spitzenplatz noch verteidigt hatten.

Hamburg setzte sich bei Hannover-Burgdorf ohne große Probleme mit 31:25 (16:12) und übernahm mit nun 29:3 Zählern vor Kiel (28:4) Platz 1.

"Es war aber über 60 Minuten eine schwere Aufgabe, denn Hannover hat mit der ausverkauften Halle im Rücken ordentlich Gas gegeben", meinte Trainer Martin Schwalb und freute sich "natürlich auch darüber, jetzt auf Platz 1 zu stehen".

HSV erwartet neuen Liga-Schreck

Sportdirektor Christian Fitzek genoss sichtlich die Tabellenführung erinnerte aber sofort an das kommende Heimspiel nach den Weihnachtsfeiertagen: "Die Niederlage der Kieler in Balingen ist ein mahnendes Zeichen, dass in dieser Liga wirklich jeder jeden schlagen kann."

Und für den HSV geht es dann am Sonntag (ab 15 Uhr LIVESCORES und LIVE bei DSF.de) gegen den neuen Liga-Schreck: HBW Balingen-Weilstetten.

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