vergrößernverkleinern
Kiel soll das Champions-League-Finale 2007 manipuliert haben. © getty

Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Schwenker und Serdarusic. Diese sind unbeeindruckt und schießen gegen Flensburg.

Kiel - Die Schlinge um das einstige Führungsduo Uwe Schwenker und Noka Serdarusic zieht sich zu, doch der deutsche Rekordmeister THW Kiel gibt sich weiter gelassen.

Sorgen um den größten Sieg der Vereinsgeschichte machen sich die Norddeutschen schon gar nicht. "Natürlich würden wir uns das auch anders wünschen, aber wir können es nicht ändern.

Wir versuchen, uns auf den Sport zu konzentrieren", sagte THW-Manager Uli Derad in fast schon üblicher Floskel am Montag.

Das Landgericht Kiel hat sich unterdessen bei Schwenker und Serdarusic offiziell entschuldigt, da sie erst mit Verspätung von der Anklage gegen sie erfahren hatten.

Aus den Medien davon erfahren

"Den Reaktionen auf die Presseberichte über die Anklage gegen Uwe Schwenker und Noka Serdarusic war zu entnehmen, dass die Angeschuldigten infolge einer verfrühten Mitteilung des Landgerichts Kiel erst durch die Medien von der gegen sie erhobenen Anklage erfahren haben.

Das Landgericht Kiel bedauert dies sehr und entschuldigt sich bei den Angeschuldigten und ihren Verteidigern ausdrücklich", heißt es in einer Pressemitteilung des Landgerichts.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Kiel Anklage gegen den langjährige Manager Schwenker und Trainer Serdarusic wegen Untreue und Betrugs beziehungsweise der Beihilfe dazu erhoben hat.

Prompt war vom ewigen Rivalen SG Flensburg-Handewitt die wiederholte Ankündigung zu hören, man prüfe eine Schadensersatzklage wegen des verlorenen Champions-League-Finals 2007.

"Flensburg hat andere Probleme"

Schwenker und Serdarusic stehen im Verdacht, dieses Spiel und weitere manipuliert zu haben. SG-Anwalt Thomas Summerer spricht von "stichhaltigen Indizien" in den Akten, die angeblich darauf hinweisen, dass das Endspiel manipuliert wurde.

Allein an Prämien hatte der THW damals mehr als 500.000 Euro eingestrichen.

"Ich glaube, dass man in Flensburg ganz andere Probleme hat. Die wären gut beraten, sich um ihre Dinge zu kümmern", sagt Derad.

Der 44-Jährige spielt damit auf weitere Ermittlungen der Kieler Staatsanwaltschaft an, wonach gegen den SG-Präsidenten Frerich Eilts wegen Bestechlichkeit und besonders schwerer Untreue ermittelt wird. In diesem Zusammenhang soll er Vorteile für den Klub angenommen haben. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle der Bundesliga).

Schwenker hat weiche Knie

Als nächstes werden sich die Gremien des THW zusammensetzen und mit den Anwälten beraten. Der Inhalt der Anklageschrift ist dem Klub noch nicht bekannt.

Auch Uwe Schwenker war am Wochenende zunächst noch nicht informiert.

"Ich muss abwarten, was in der Anklageschrift steht", sagte er den Kieler Nachrichten und fügte an: "Klar, dass mich das berührt."

Aufsichtsrats-Chef: "Nichts Belastbares"

Bei seinem Ex-Klub demonstriert dagegen nicht nur sein Nachfolger Derad Gelassenheit. Aufsichtsrats-Chef Klaus-Hinrich Vater sagte: "Bei mir kommt keine Unruhe auf. Ich hatte zwar gehofft, dass es nicht zu einer Anklage kommen wird, aber ich halte mich an die Fakten und bleibe dabei, dass gegen den THW nichts Belastbares vorliegt."

Ob die 5. Große Strafkammer tatsächlich ein Verfahren gegen Schwenker und Serdarusic eröffnet, entscheidet sich in den kommenden ein bis drei Monaten.

EHF beantragt Akteneinsicht

So lange will vorerst auch der für die Champions League zuständige Europäische Handball-Verband (EHF) warten.

"Allein aus der Ankündigung, dass Anklage erhoben wird, lässt sich inhaltlich nichts ablesen. Wir werden nun erneut Akteneinsicht beantragen und gehen davon aus, dass wir alle Infos erhalten werden, die wir brauchen", sagte EHF-Generaksekretär Michael Wiederer.

Zum Forum - Jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel