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Durchgesetzt: Kiels Markus Ahlm überwindet die Löwen-Abwehr © imago

Der Last-Minute-Sieg bei den Löwen stoppt die Kieler Abwärtsspirale und macht Mut - auch angesichts der Champions League.

Von Marwan El Eidund Christian Paschwitz

München - Die Konkurrenz dürfte den Wink verstanden haben - die "Zebras" sind zwar nicht mehr so unangreifbar wie in den Vorjahren, aber keineswegs abzuschreiben:

Nach dem 23:22 (9:11) im Topspiel-Krimi bei den Rhein Neckar Löwen hat der erfolgsverwöhnte THW Kiel die alten Kräfteverhältnisse zumindest teilweise wieder zurechtgerückt.

Endgültig abgehakt das peinliche Aus im DHB-Pokal beim VfL Gummersbach. Vor allem aber wieder an der Tabellenspitze - dort wo sich der Abonnementsmeister am liebsten sieht.

Und nicht zuletzt war die Rückkehr in die Erfolgsspur auch ein Gruß an den HSV Hamburg, der durch den Kieler Sieg wieder auf Rang zwei zurückfiel. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Ilic bringt die Erlösung

Den bereits an die Wand gemalten Einbruch in der Liga vermieden die Nordlichter - auch wenn die Entscheidung erst in der Schlussminute fiel, als Momir Ilic den Siegreffer per Siebenmeter erzielte.

"Ich bin extrem erleichtert", sagte Trainer Alfred Gislason hinterher. "Wir haben gut in der Abwehr gestanden", meinte auch Schlussmann Thierry Omeyer. "Wir haben die Nerven behalten."

Der Druck auf die Kieler war vor dem Anwurf so groß wie selten zuvor: Ausgeschieden im Pokal. Erneute Störfeuer wegen der vermeintlichen Manipulationsaffäre um Ex-Manager Uwe Schwenker und den früheren Coach Noka Serdarusic, weshalb die Staatsanwaltschaft Kiel nun Anklage erhob.

Jetzt gegen Barca

Und: Im Falle einer weiteren Niederlage hätten die Kieler genau zum Champions-League-Klassiker gegen den FC Barcelona in einer echten Krise gesteckt. (Sonntag, 16.30 Uhr LIVESCORES)

Henning Fritz hatte vor der Partie in Mannheim noch zusätzlich Öl ins Feuer gegossen:

"Da brodelt's. Die Höhe der Pokal-Niederlage ist untypisch für Kiel und auch die Art und Weise, wie sich manche Spieler präsentiert haben", meinte der Ex-Spieler und Löwen-Keeper und verwies auf "wackelige Strukturen im Norden".

Doch auf dem Parkett gab der THW die passende Antwort - auch wenn nach oben leistungsmäßig nach wie vor viel Luft ist.

Fritz bescheinigt mehr Cleverness

Das sah schließlich auch Fritz so: "Am Ende war es eine Frage der Cleverness. Kiel macht die entscheidenden Tore, die wussten, was sie zu spielen haben, das macht den Unterschied."

Das Team von Trainer Alfred Gislasson legte einen 4:0-Blitzstart hin, alles deutete darauf hin, dass die Löwen auch das zehnte von elf Partien als Verlierer beenden sollten.

Zur Pause aber wendete sich das Blatt, erarbeiteten sich die Gastgeber einen Zwei-Tore-Vorsprung - nicht zuletzt weil Fritz glänzte gegen die Ex-Kollegen, die unter anderem vier Siebenmeter vergaben.

Schon mit drei Toren hinten

Zwischenzeitlich lagen die erneut zu unkonzentrierten Norddeutschen gar schon mit drei Treffern hinten. Dann allerdings bewiesen sie die Moral, die zuletzt abhanden gekommen schien: Besonders Ilic und Filip Jicha setzten immer wieder Impulse nach vorn.

Gleichwohl liegt nach wie vor viel Arbeit vor den Kielern: "Natürlich muss man Spieler wie Karabatic und Lövgren auf dem Feld und als Charaktere erst einmal ersetzen", so Gislason. "Uns fehlt etwas die Konstanz."

Denn: Karabatic-Nachfolger Daniel Narcisse ist häufig verletzt, Jicha im Zentrum ein anderer Spielertyp als Lövgren.

Ein Minuspunkt mehr als der HSV

Noch ist der große Umbruch in Kiel noch nicht kompensiert, wie neben der Pokal-Schmach unlängst auch ein 37:39 in Balingen bewies.

In der Liga hat der Titelverteidiger weiter einen Minuspunkt mehr als der HSV, in der Königsklasse ist die Achtelfinal-Qualifikation vorzeitig unter Dach und Fach.

Gislason weiß, das seine Mannen nachlegen müssen.+

Sigurdsson lange verletzt

Die Löwen ereilte neben der Niederlage noch eine Hiobsbotschaft: Linksaußen Gudjon Valur Sigurdsson fällt voraussichtlich zwölf Wochen aus.

Der isländische EM-Dritte und frühere Bundesliga-Torschützenkönig musste sich einer Operation am linken Knie unterziehen, in deren Verlauf entzündetes Narbengewebe entfernt wurde.

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