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Axel Geerken spielte von 1998 bis 2001 für den THW Kiel © imago

Trotz aller Nöte: Gummersbach tanzt noch auf drei Hochzeiten: Bei Sport1.de spricht Neu-Manager Axel Geerken über Perspektiven.

Von Jessica Pulter

München - Sein Amtsantritt als Geschäftsführer beim VfL Gummersbach hatte gleich mit einem Paukenschlag begonnen:

Gegen Axel Geerkens hochfavorisierten Ex-Verein THW Kiel sorgte das Team aus dem Bergischen Land für die Sensation schlechthin. Im Viertelfinale des DHB-Pokals gewann der VfL mit 35:28 und zog so ins Final-Four-Turnier ein.

Auch im Europapokal der Pokalsieger mischt der Verein weiter mit nach dem 28:27 am Samstag gegen ABC Braga. Und in der Bundesliga ist Gummersbach mit Platz acht im Soll. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch neben dem sportlichen Geschehen sorgt der VfL in dieser Saison auch abseits des Feldes für Schlagzeilen - zumeist brenzlige.

Geerken löst Houlet ab

Die finanzielle Situation ist mehr als angespannt, die Spieler nahmen bereits Gehaltskürzungen in Kauf, und Francois-Xavier Houlet räumte zu Jahreswechsel seinen Managerposten.

Seit Anfang Februar kümmert sich nun Geerken um die geschäftlichen Belange.

Im Sport1.de-Interview spricht der Ex-Nationaltorwart über die schwierige Situation beim Traditionsverein - und wie er mit dem VfL wieder an alte Glanzzeiten anknüpfen will.

Sport1.de: Herr Geerken, Sie haben Gummersbach in einer schwierigen finanziellen Situation übernommen. Ob nun Spielergehälter, Verträge oder Sponsoren: Welche Baustelle stellt sich für Sie am schwierigsten dar?

Axel Geerken: Das ist schwierig zu spezifizieren. Die finanzielle Situation ist sicher generell nicht einfach und verdient somit eine der höchsten Prioritäten. Aber natürlich gilt es genauso, die Mannschaft weiter zu formen und aufs nächste Jahr vorzubereiten. Und das Hallen-Thema ist auch ein wichtiges.

Sport1.de: Wie laufen denn die Gespräche in Bezug auf eine neue Halle?

Geerken: Bislang gibt es da nichts Neues zu vermelden, wir müssen einfach Geduld haben. Ich stehe aber im direkten Austausch mit der Stadt, um mit neuen Ideen die Situation voranzubringen.

Sport1.de: Mit welchen Zielen haben Sie die Aufgabe als Geschäftsführer in Angriff genommen?

Geerken: Gummersbach ist ein Verein, der in der Vergangenheit sehr erfolgreich war und auch heute mit guten Leistungen überzeugt. Den Verein finanziell zu konsolidieren, das ist sicher mein größtes Anliegen.

Sport1.de: Wäre das Verpassen der Champions-League-Plätze das finanzielle Aus für den Klub?

Geerken: Davon kann nicht die Rede sein. Die Champions League war nie das Ziel, mit dem Gummersbach in die Saison gestartet ist. Davon sind wir ohnehin weit entfernt: Da gibt es sicher andere Mannnschaften, die vom Etat und der Besetzung im Moment viel weiter sind. Auch in den nächsten Jahren haben wir die Champions League nicht fest eingeplant.

Sport1.de: Angst vor dem Super-GAU ? einer Einstellung des Spielbetriebs ? haben Sie demnach nicht?

Geerken: Nein. Wir sprechen nicht über die Champions-League und haben somit auch keine Gelder daraus eingeplant. Was wiederum bedeutet, dass wir ohne das Erreichen der Champions League weiterarbeiten können.

Sport1.de: Trainer Sead Hasanefendic hatte sich ja noch Verstärkungen für die Mannschaft gewünscht. Ist mit Christoph Schindler der Wunschspieler verpflichtet worden?

Geerken: Christoph ist ein sehr wichtiger Spieler für uns. Sowohl im Angriff als auch in der Abwehr bringt er sehr gute Leistungen. Das hat er ja schon in Dormagen unter Beweis gestellt. In der Torjägerliste findet man ihn sehr weit oben, dementsprechend kann er uns auch kurzfristig weiterhelfen. Wir sind froh, dass wir ihn holen konnten.

Sport1.de: Und wie sieht es für die kommende Spielzeit aus? Wann stehen die ersten Vertragsgespräche für Sie auf dem Plan?

Geerken: Da sind wir natürlich schon mittendrin. Wir gucken permanent, was man tun kann und was in unserem finanziellen Rahmen möglich ist. Die Gespräche mit unseren Spielern stehen dabei natürlich im Vordergrund.

Sport1.de: Gunnarsson steht als Weggang schon fest. Ist zu befürchten, dass der VfL noch weitere wertvolle Spieler ziehen lassen muss?

Geerken: Es haben alle Spieler Verträge, so gehen wir die Sache auch an. Ich führe derzeit - auch um die Spieler besser kennenzulernen - mit allen Beteiligten Gespräche.

Sport1.de: Der VfL hat nun das Final Four erreicht: Sportlich gesehen stimmt die Richtung...

Geerken: Was die Mannschaft leistet, ist einfach toll. Die Saison war keine einfache, viele Spieler mussten auf Gehälter verzichten. Die sportliche Leistung ist daher umso höher anzurechnen. Wir sind sehr zufrieden. Weil der Kader allerdings sehr schmal ist, darf man auch nicht zu hohe Erwartungen haben. Wir sind nach wie vor in allen drei Wettbewerben vertreten und arbeiten daran, so gut wie möglich dort abzuschneiden.

Sport1.de: Wie sehen die langfristigen Planungen aus, um an die alten Glanztage wieder anzuknüpfen?

Geerken: Es gibt drei bis vier Vereine in der Liga, an denen wir derzeit und auch langfristig nicht herankommen werden. Unsere Planung ist es, sich hinter diesen Vereinen zu etablieren.

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