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Kraus (l.) kehrte gegen Kiel nach einer Oberschenkelblessur zurück in den Kader © getty

Beim Topspiel HSV gegen Lemgo steht Michael Kraus im Fokus. Stefan Kretzschmar traut ihm bei Sport1.de dennoch viel zu.

Von Rainer Nachtwey

München/Hamburg - Ob der HSV Hamburg mehr als nur ein paar Dankesworte nach Lemgo geschickt hat, ist nicht bekannt.

Auf jeden Fall war der Tabellenführer nach dem 32:30-Sieg des TBV über den Hamburger Rivalen THW Kiel sichtlich angetan, auch wenn HSV-Präsident Andreas Rudolph gleich anmerkte:

"An unserer Ausgangssituation hat sich nichts geändert. Wir müssen am 22. Mai gegen Kiel so oder so gewinnen", und schob anschließend noch nach: "Wir müssen erst mal selbst sehen, dass wir wieder in Top-Form kommen."

Gislasson hofft Lemgo

Nur eine Woche nach dem Lemgoer Sieg über Kiel treffen nun am 24. Spieltag der HSV und der TBV aufeinander (Sa., ab 20 Uhr LIVESCORES und im DSF). Lemgo kann im Meisterschaftskampf das Zünglein an der Waage spielen.

Derzeit führt Hamburg (43:5) mit drei Punkten vor Kiel (40:6), das allerdings ein Spiel weniger aufweist (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Ich hoffe, dass sich der TBV nicht wie im Hinspiel gegen den HSV auf den Rücken legt und die Beine hochnimmt", sagt THW-Trainer Alfred Gislason und erinnert an das 25:34, sechs Tage nach Lemgos Auswärtscoup in Kiel (27:27).

Nicht vorhersehbar

Dass es eine klare Angelegenheit für den HSV wird, bezweifelt Stefan Kretzschmar, der das Spiel für das DSF als Co-Kommentator begleitet.

"Das wird sicherlich sehr interessant, weil man derzeit in der Bundesliga für gar nichts mehr garantieren kann", sagt der ehemalige Weltklasse-Linksaußen bei Sport1.de.

Dennoch geht er von einem Favoriten-Sieg aus.

Kein Durchmarsch

Dass es beim HSV derzeit trotz Platz eins nicht optimal läuft, hat Kretzsche erkannt.

Daher glaubt er auch nicht mehr an einen Durchmarsch der beiden Top-Teams. "Sowohl die Hamburger als auch die Kieler müssen bis zum großen Showdown verlustpunktfrei durchgehen, aber meine Prognose ist, dass das nicht passieren wird. Die Bundesliga ist ausgeglichener wie jemals zuvor, und die beiden sind nicht so dominant wie wir dachten."

Aggressive Deckung

Für die Begegnung fordert der DSF-Experte von den Hamburgern mehr Aggressivität in der Verteidigung. "Das war in den letzten beiden Heimspielen nicht der Fall. Da haben sie den Gegner im Neun-Meter-Raum zu sehr agieren lassen."

Und vor allem müssen die Hanseaten einen in den Griff bekommen: Michael Kraus.

Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft erzielte gegen Kiel sieben Tore und hatte laut Kretzschmar großen Anteil am Überraschungssieg. "Der HSV muss gegen Mimi aggressiv draufgehen. Er hat die Möglichkeiten, dem Spiel den Stempel aufzudrücken", sagt Kretzschmar (Stenogramme: 23. Spieltag).

Besonderes Spiel für Kraus

Allerdings wird Kraus auch aus einem anderen Grund im Fokus des Spiels stehen. Der Mann aus dem Rückraum Mitte will Lemgo verlassen und kokettiert mit einem Wechsel zum HSV.

"In die Situation hat er sich ja selbst rein gebracht. Das Gerücht kommt ja aus den eigenen Reihen, dass er beim HSV bereits unterschrieben hat", sagt Kretzsche. "Insofern wird das bestimmt ein besonderes Spiel für ihn."

Wechseltheater sorgt für Unruhe

Kretzschmar ist sich zwar sicher, dass Kraus dem Druck standhält, dennoch könnte es dem Team schaden.

"Das Wechseltheater um Mimi Kraus bringt Unruhe rein. Ich glaube, dass er kein Typ ist, der sich das zu sehr zu Herzen nimmt. Ob aber die Mannschaft darunter leidet, dass der Fokus in dem Spiel auf Mimi liegen wird, das wird man sehen."

Keine homogene Mannschaft

Zumal der TBV nach Kretzschmars Ansicht "weit weg davon ist, dass man von einer homogenen Mannschaft sprechen kann". Dies sorge auch für das stete Auf und Ab der Ostwestfalen.

"Die können sich hin und wieder zu Höchstleistungen aufschwingen und eine stabile Abwehr mit Kubes und Ilyes hinstellen, aber das ist alles zu schwankend."

Torhüter entscheiden

Einen wichtigen Aspekt, der über Sieg oder Niederlage entscheiden wird, sieht Kretzschmar bei den Torhütern.

"Wer in dieser Liga einen, im Idealfall zwei starke Torhüter hat, der wird das Duell für sich entscheiden. Das ist der ausschlaggebende Punkt", sagt Kretzschmar.

"Das hat man vor allem beim Spiel Lemgo gegen Kiel gesehen, als Thierry Omeyer nicht zu seiner Form gefunden hat und Martin Galia überragend gehalten hat. Anders hätten die Lemgoer gegen Kiel auch nicht gewonnen."

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