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Ex-Nationalspieler Martin Schwalb ist seit 2005 Trainer beim HSV Handball © getty

Der HSV Handball schlittert immer weiter in die Krise. Im Interview mit Sport1.de spricht Trainer Martin Schwalb über die Gründe.

Von Felix Götz

München - Die sportliche Situation spitzt sich beim HSV Handball immer weiter zu. Zuletzt gab es nur ein Remis im Heimspiel gegen die Füchse Berlin.

In der Bundesliga steht die Mannschaft von Trainer Martin Schwalb mit 7:7 Punkten auf einem enttäuschenden elften Platz.

Drei Niederlagen kassierte der als Mitfavorit auf die Deutsche Meisterschaft gestartete HSV bereits aus den ersten sieben Spielen. Der Coach gerät deshalb immer mehr unter Druck.

Bitter ist ratlos

"So langsam wissen wir als Mannschaft auch nicht mehr weiter. Wir trainieren wie die Bekloppten, aber es kommt nichts dabei heraus", sagte der ratlose Torhüter Johannes Bitter nach dem Spiel gegen Berlin.

Ein weiterer Grund ist die unglaubliche Verletzten- und Krankenmisere. Mit Nationalspieler Pascal Hens fällt einer der wichtigsten Spieler wegen seiner Verletzung bei den Olympischen Spielen in Peking nach wie vor aus. Hinzu kommt das Drama um Oleg Velyky, bei dem zum dritten Mal in fünf Jahren Krebs diagnostiziert wurde.

Im Sport1.de-Interview spricht HSV-Coach Schwalb über die Gründe der sportlichen Talfahrt, den erkrankten Velyky und verrät, ob er sich Sorgen um seinen Job macht.

Sport1.de: Herr Schwalb, gegen Berlin gab es nur ein Remis. Sie waren mit den Schiedsrichtern nicht zufrieden. Was waren die Gründe?

Martin Schwalb: Das ist falsch rübergekommen. Zum Schluss gab es ein paar Entscheidungen, die unglücklich waren. Diese Szenen haben in unserer Situation gleich vielfach weh getan. Aber es ist Quatsch, den Punktverlust an den Schiedsrichtern festzumachen. Das darf nicht als Ausrede gelten und ich möchte hier nochmal klarstellen, dass ich das auch nicht möchte.

Sport1.de: Wie bewerten sie die Situation momentan? Warum kommt der HSV nicht in die Gänge?

Schwalb: Wir haben ein wenig unser Selbstvertrauen verloren. Wir kämpfen wie die Löwen, sind aber in den entscheidenden Situationen glücklos. Da gibt es schon kuriose Situationen, die man mit mehr Selbstvertrauen und einem freien Kopf anders lösen würde. Der zweite Punkt ist, dass wir im Moment nicht die Mannschaft dazu haben. Gegen Berlin fehlten Oleg Velyky, Pascal Hens, Krzysztof Lijewski, "Toto" Jansen und Arne Niemeyer. Da bleibt nicht mehr viel übrig.

Sport1.de: Sie wollen das zwar nicht als Ausrede gelten lassen. Aber wenn so viele wichtige Spieler fehlen, ist dann überhaupt mehr möglich?

Schwalb: Es machen sich alle einen Spaß daraus zu sagen, dass der HSV den tollsten Kader aller Zeiten hat. Aber wir haben im Moment diesen Kader gar nicht. Trotzdem soll das keine Ausrede sein. Ich dachte, die Menschen kommen da mal von alleine drauf. Hätten wir einen Pascal Hens, einen Oleg Velyky oder einen "Toto" Jansen dabei, dann würde es schon etwas anders aussehen.

Sport1.de: Jetzt stehen schwierige Spiele bevor. In der Bundesliga in Lemgo, im Pokal in Großwallstadt und in der Champions League in Kopenhagen. Wie richtungsweisend sind diese Spiele für den HSV?

Schwalb: Jedes Spiel ist richtungsweisend. Da spielt es keine Rolle, ob man auswärts oder zu Hause spielt und auch nicht, gegen wen man spielt. Wir wollen in der Champions League so weit wie möglich kommen und uns auch in der Bundesliga wieder verbessern. Und ich bin davon überzeugt, dass wir das auch schaffen. Wenn wir jetzt alle Spiele als Paket betrachten und sagen, wie schwer das wird, dann kommen wir nicht weiter. Wir sollten einfach mal spielen, Spaß haben und dann wird das schon.

Sport1.de: Gerät ihr Job als Trainer in Gefahr, wenn die nächsten Ergebnisse nicht stimmen?

Schwalb: Wir halten sehr eng zusammen, da würde sich mancher wundern, wie sehr. Wir reden ständig miteinander und es gibt überhaupt keine Tendenz, einen herauszupicken und ihm die Schuld zu geben. Eher ist es so, dass man jetzt sieht, was für ein toller Verein wir sind. Wir rutschen jetzt noch enger zusammen.

Sport1.de: Oleg Velyky ist wieder an Krebs erkrankt. Hatten sie selbst in den letzten Tagen Kontakt zu ihm?

Schwalb: Natürlich. Wir telefonieren mehrmals wöchentlich. Ich bin sein Trainer. Da wäre es doch schlimm, wenn das nicht so wäre. Aber ich möchte zu diesem Thema kein Statement und keine Meldung abgeben.

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