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Michael Biegler ist seit dem Januar 2010 Cheftrainer des TV Großwallstadt © getty

TVG-Coach Biegler spricht im Sport1.de-Interview über das Spiel gegen TBV Lemgo, seine Zukunft und seine Trainer-Philosophie.

Von Annette Bachert

München - Seit dem 1. Januar ist Michael Biegler Cheftrainer beim TV Großwallstadt. Als aktueller Tabellenachter kann er mit seiner Arbeit beim finanziell nicht auf Rosen gebetteten Verein durchaus zufrieden sein.

Nur die knappen Niederlagen gegen die Rhein-Neckar Löwen und den VfL Gummersbach ärgern den 38-Jährigen. "Das zeigt auch, dass uns zu den Mannschaften, die auf den Plätzen für den EHF-Cup stehen, noch Kleinigkeiten fehlen", erklärt der 48-Jährige im Sport1.de-Interview.

Nun wird es wieder ernst für den TVG. Am 26. Spieltag geht es gegen den direkten Tabellennachbarn TBV Lemgo (LIVESCORES und ab 19.45 Uhr LIVE im DSF).

Da soll im Kampf um die internationalen Plätze ein Sieg her. Bei Sport1.de spricht Biegler über das Duell gegen den direkten Tabellennachbarn, seine bisherige Zeit bei Großwallstadt, seine Philosphie und die Zukunft.

Sport1.de: Wie haben Sie die letzten Monate beim TV Großwallstadt erlebt?

Michael Biegler: Solche Zeiten sind immer sehr intensiv. Wenn man mitten in der Saison zu einem Verein kommt, ist die Vorbereitung bereits durch, das Team geformt, die Spieler haben ihre ersten Erfahrungen in der Saison gemacht und ich als Trainer bin der Einzige, der erst alles kennen lernen muss. Das sind sehr interessante, aber auch intensive Zeiten.

Sport1.de: Wie zufrieden sind Sie mit ihrer Bilanz von fünf Siegen in sieben Spielen bisher?

Biegler: Insgesamt bin ich zufrieden. Das Team hat ja schon eine sehr gute Hinrunde gespielt und das Spannende war, ob wir da ansetzen können, wo sich das Team vor Weihnachten bewegt hat. Ich glaube, dass das im Großen und Ganzen gelungen ist. Über die zwei knappen Niederlagen gegen die Rhein-Neckar Löwen und den VfL Gummersbach sind wir natürlich traurig, aber es zeigt auch, dass uns zu den Mannschaften, die auf den Plätzen für den EHF-Cup stehen, noch Kleinigkeiten fehlen. Die Quintessenz ist, das Team hat sich gut präsentiert und mir macht die Arbeit sehr viel Spaß.

Sport1.de: Was sind denn die Kleinigkeiten, die noch fehlen?

Biegler: Die Fehlerquellen waren bei den beiden Niederlagen unterschiedlicher Natur. Gegen die Löwen, obwohl es eine unverdiente Niederlage war und wir uns mehr als auf Augenhöhe befanden, gab es noch taktische Unzulänglichkeiten. Wir haben es dennoch geschafft, gegen den stark besetzten Kader der Löwen mit unseren personellen Mitteln mitzuhalten. Am Ende hat das Glück gefehlt. Gegen Gummersbach haben wir den Zug zum Tor nicht gehabt und wir haben nicht das abgerufen, was an individuellen Fähigkeiten von Nöten gewesen wäre. Insgesamt fehlt der Mannschaft noch etwas die Konstanz. Wir müssen noch lernen, unser Spiel über 60 Minuten durchzubringen, die Mannschaft muss taktisch reifen. Auch die jungen Leute benötigen noch etwas mehr Zeit.

Sport1.de: Können Sie sagen, ob Ihre Philosophie als Trainer bereits greift?

Biegler: Ja, das kann man schon sagen. Aber der TVG bewegt sich handballerisch grundsätzlich sowieso da, wo ich ihn sehe. Sonst wäre ich auch nicht zum TVG gegangen. Ich definiere Handball über Teamfähigkeit, über einen geschlossenen Mannschaftsvortrag, sei es in den einzelnen Bausteinen Abwehr, Gegenstoß, Angriff sowie Rückzugsverhalten und Spielkonzeptionen. Hier spielen, auch aus wirtschaftlichen Gründen, nicht die überragenden Einzelkönner, die jedes Spiel mindestens acht Tore schießen, sondern wir sind mur als Team stark. Mit der Neuverpflichtung von Sverre Jakobsson vor der Saison, sind wir noch etwas mehr zu einer Mannschaft geworden, die ein Spiel über eine starke Abwehr entscheiden kann. Das ist auch Teil meiner Philsophie.

Sport1.de: Das Spiel gegen den TBV Lemgo wurde vorverlegt und die Mannschaft hat nur einen Tag Pause nach dem Sieg gegen Minden. Welche Auswirkungen hat das?

Biegler: Ich hoffe, dass das Team nicht zu viele Körner gelassen hat. Wichtig ist eine gesunde Mischung aus Regeneration und Vorbereitung. Schonen konnte ich die Spieler kaum, da die Partie erst ab der 50. Minute entschieden war. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Sport1.de: Wie schätzen Sie den TBV Lemgo ein?

Biegler: Der TBV hat einen hochkarätig besetzten Kader und kann sehr guten Handball spielen, wie die Spiele gegen Kiel und Hamburg zeigen. Es wird ein sehr intensives Spiel gegen den direkten Tabellennachbarn.

Sport1.de: Werden sie aus dem vollen Kader schöpfen können?

Biegler: Das hoffe ich. Aber Oliver Köhrmann musste wegen einer Verletzung aus dem Spiel gegen Gummersbach stark auf die Zähne beißen. Ich hoffe, dass er uns gegen Lemgo helfen kann. Csaba Szücs war die letzten Tage durch einen Infekt angeschlagen und hatte gegen Minden nur eine kurze Einsatzzeit. Ich habe noch keine Information, ob beide gegen Lemgo wieder voll einsatzfähig sind.

Sport1.de: In der Hinrunde setzte es in Lemgo eine 20:25-Niederlage. Was muss in eigener Halle besser werden? (STENOGRAMME: 25. Spieltag)

Biegler: Die Wurfeffizienz war in Lemgo nicht gut. Wir müssen also unsere Chancen besser nutzen, um gegen eine starke Mannschaft wie Lemgo zu punkten. Wichtig ist auch eine aggressive Deckung und wir müssen, im Gegensatz zur Partie gegen Gummersbach, wieder druckvoller im Angriff spielen.

Sport1.de: Ist dieses Spiel möglicherweise entscheidend im Kampf um die internationalen Plätze?

Biegler: Nein, das glaube ich nicht. Dafür liegen die Teams noch zu eng beieinander. Es stehen noch einige Spiele an und die ein oder andere Mannschaft kann sich auch noch Ausrutscher leisten.

Sport1.de: Haben Sie die internationalen Plätze denn als Ziel ausgegeben?

Biegler: Nein, unser Ziel ist nach wie vor eine einstellige Platzierung in der Meisterschaft. Dass die Mannschaft jetzt an den internationalen Plätzen schnuppert, ist sehr erfreulich. Das Spiel morgen wird natürlich schon zeigen, ob wir vielleicht ein Stück näher gekommen sind, aber unser Saisonziel hat sich nicht verändert.

Sport1.de: Welche Ziele haben Sie sich für die Zukunft gesetzt?

Biegler: Ich möchte die Mannschaft weiter entwickeln. Und es wäre toll, wenn sich der TVG in naher Zukunft für einen internationalen Startplatz bewerben könnte. Aber das hängt vom Kader ab, der wiederum hängt auch von den finanziellen Mitteln ab. Für diese Themen ist es auch noch zu früh, einerseits weil die Saison noch läuft und andererseits weil ich noch helfende Hände brauche, die mir hier einige Dinge erklären. Ich weiß, wo die Halle steht und wie die Abläufe hier sind und einige Veränderungen sind auch schon vollzogen, aber dieser Prozess ist auch noch nicht abgeschlossen.

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