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Christoph Theuerkauf spielt seit 2003 für den SC Magdeburg © getty

Vor der Partie beim THW Kiel erinnert sich Christoph Theuerkauf nur ungern an ein Debakel zurück. Als Ansporn dient das Hinspiel.

Von Ingo Weber

München - Beim Blick auf die Tabelle dürfte dem eingefleischten Magdeburg-Fan vor dem Gastspiel des SCM beim THW Kiel am Mittwoch (ab 20.15 LIVESCORES und im DSF) mulmig werden.

Magdeburg holte in der Rückrunde bisher magere vier Punkte und steckt in der Tabelle jenseits von Gut und Böse fest. (STENOGRAMME: 25. Spieltag)

Für den THW (42:6 Punkte) geht es weiterhin um die deutsche Meisterschaft, und im Fernduell mit dem HSV Hamburg (45:5) darf sich der Titelverteidiger keine weiteren Ausrutscher erlauben. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Kiel hat einen ganz anderen Anspruch"

Doch vor dem Spiel beim Rekordmeister ist Christoph Theuerkauf nicht Angst und Bange.

"Man spricht in so einem Fall immer vom leichtesten Spiel der Saison. Kiel hat einen ganz anderen Anspruch", sagt der SCM-Kreisläufer zu Sport1.de.

In der Tat kann der Außenseiter in der Kieler Sparkassen-Arena mit einer engagierten Leistung nur gewinnen - eigentlich.

Spiel für die Geschichtsbücher

Dass es auch anders kommen kann, verspürte Theuerkauf bereits am eigenen Leib. "Im Dezember 2005 haben uns die Kieler 54 Gegentore eingeschenkt", erinnert sich der Nationalspieler mit Grausen.

Das Spiel ging damals in die Geschichtsbücher ein. 88 Tore waren vorher noch nie gefallen, und der THW war auch das erste Team, das die magische 50-Tore-Marke knackte.

Ansprüche klaffen auseinander

"Trotzdem freut man sich immer wieder, vor 10.000 Zuschauern in Kiel aufzulaufen. Das ist eine besondere Atmosphäre", meint Theuerkauf, der seit 2003 beim SCM unter Vertrag steht und in den letzten Jahren einen Qualitätsverlust mitverfolgte.

Ansprüche der Fans und die Realität klaffen in Magdeburg aktuell auseinander.

Dem Verein war schon vor der Saison klar, dass man mit einem schmaleren Kader und einem niedrigeren Etat kleinere Brötchen backen muss als die Jahre zuvor. Leistungsträger wie Silvio Heinevetter (Berlin) und Christian Sprenger (Kiel) verließen den Traditionsklub.

"Die erfolgreichen Zeiten sind Vergangenheit"

Für die verwöhnten Fans ist es natürlich schwer, sich auf die neue Situation einzustellen.

"Die erfolgreichen Zeiten sind Vergangenheit. Der Verein muss sich neu orientieren. Wir sind keine Spitzenmannschaft mehr. Das mussten wir akzeptieren, auch das Umfeld muss das verstehen", räumt Theuerkauf ein.

Mit dem gesicherten Mittelfeldplatz sind die Bördeländer durchaus einverstanden, auch wenn man seit dem Weggang von Michael Biegler zum TV Großwallstadt nicht mehr so fleißig punktete wie zuvor.

Bieglers Weggang schmerzhaft

"Jeder, der den SCM unter der Regie von Biegler gesehen hat, hat eine gewisse Qualität erkannt", sagt Theuerkauf.

"Die Mannschaft muss in den kommenden Spielen Willen zeigen und die brenzlige Situation meistern. Das Restprogramm hat es mit Spielen gegen Kiel, Hamburg und die Rhein-Neckar Löwen in sich. Wir müssen zusammen dafür sorgen, uns vom Abstiegssumpf fernzuhalten", appelliert er aber gleichzeitig an seine Mitspieler.

Abschied nach der Saison

Theuerkauf befindet sich nach sieben Jahren bei seinem Heimatverein auf großer Abschiedstournee, sein Wechsel zum TBV Lemgo ist schon länger bekannt.

Nachdem er in Magdeburg hinter Bartosz Jurecki in der laufenden Saison oft die zweite Geige spielt, verspricht er sich von der neuen Aufgabe mehr Einsatzzeiten und einen Sprung nach vorne.

Neue Herausforderung

Theuerkauf stellt sich einer neuen Herausforderung. "Ich hoffe, dass ich von erfahrenen Spielern wie Sebastian Preiß profitieren kann und meinen Ruf als halber Handballspieler ablegen kann", kennt Theuerkauf seine Schwäche genau.

Während er im Angriff oft brilliert, fehlt ihm in der Abwehr noch das letzte Quäntchen, um ein kompletter Spieler zu werden. Gerade daran will er arbeiten, neben Abwehrspezialisten wie Preiß wachsen.

Volle Konzentration auf den SCM

Gedanken an den TBV Lemgo will der 25-Jährige aber erst ab Juli verschwenden und sich bis dahin auf seine Aufgabe in Magdeburg konzentrieren.

"Dafür hängt mein Herz einfach zu sehr am SCM", begründet Theuerkauf.

Für die Mammutaufgabe in Kiel muss der ehemalige Champions-League-Sieger auch alle Kräfte bündeln. Kaum jemand in Magdeburg erwartet beim THW einen Sieg, sicher jedoch eine kämpferische Topleistung wie im Hinspiel, als der SCM in eigener Halle unglücklich mit 29:30 unterlag.

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