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Der Schwede Kim Andersson spielt seit 2005 für den THW Kiel © getty

Im Nordderby darf Kiel keine Punkte liegen lassen. Kim Andersson glaubt, dass beide Teams "ein paar Prozent mehr geben werden".

Von Marcel Braune

München/Kiel - Nur drei Tage nach dem Einzug ins Viertelfinale der Champions League steht das nächste große Handball-Fest in der seit Monaten ausverkauften Sparkassen-Arena an.

Das 64. Nordderby zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt (20.15 Uhr LIVESCORES und im DSF) ist für beide Teams nicht nur aufgrund der traditionellen Rivalität von hoher Bedeutung.

Während die "Zebras" auf der Verfolgung von Spitzenreiter HSV Hamburg keine Punkte zu verschenken haben, geht es für die Flensburger darum, den dritten Tabellenplatz zu verteidigen.

Auch dem Kieler Linkshänder Kim Andersson, der seit 2005 für den THW aufläuft, ist die hohe Brisanz des Nordderbys natürlich bewusst. Im Interview mit Sport1.de spricht er über seine Knieprobleme sowie die Erfahrungen aus den Duellen mit der SG Flensburg.

Sport1.de: Herr Andersson, wie steht es denn um Ihre Knieverletzung - werden Sie im Derby spielen können?

Kim Andersson: Es fehlt schon noch an vielem bei mir, und es ist fraglich, ob ich überhaupt spiele. Ich habe jetzt einmal mittrainiert, konnte aber nicht alles mitmachen. Christian Zeitz wird sicher zunächst für mich zum Einsatz kommen und seine Sache so gut machen, dass ich nicht einzugreifen brauche.

Sport1.de: Sie haben ja schon einige Derbys gegen Flensburg erlebt. Welche Erinnerungen sind bei Ihnen hängen geblieben?

Andersson: Die letzten drei Jahre haben wir super Ergebnisse gegen die SG einfahren können. Vor allem auswärts waren wir sehr stark. Es macht immer Spaß, gegen Flensburg zu spielen. Natürlich erinnere ich mich gern an 2007 zurück, als wir die Champions League gewonnen haben. Zwar gab es viele Diskussionen nach dem Spiel, aber schließlich kann ich mich jetzt Champions-League-Sieger nennen - und nur das zählt.

Sport1.de: Sie haben bereits zweimal in dieser Saison das Landes-Derby gewonnen. Da sollte der dritte Sieg ja kein Problem sein.

Andersson: So einfach ist das nciht. Natürlich ist es ein Problem, gegen Flensburg zu spielen. Das ist eine Mannschaft, die nicht nur zu Hause sehr stark spielt, sondern auch auswärts ihre Spiele gewinnt. Wir müssen wirklich aufpassen, dass wir keine Punkte liegen lassen. Im Kampf um Platz eins ist dieses Spiel enorm wichtig.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Sport1.de: Nicht viele hatten Flensburg diese Saison-Leistung zugetraut: Trotz ihrer Finanzkrise stehen sie sehr weit oben in der Tabelle. Überrascht Sie das?

Andersson: Nein, sie haben wirklich sehr gute Spieler. Viele dachten, sie bringen ihre Leistung nicht mehr, nach dem die finanzielle Lage bekannt geworden ist. Aber sie sind Dritter, dass zeigt ja, welche Qualitäten sie haben.

Sport1.de: Wie geht Ihre Mannschaft das Derby an, gibt es spezielle Maßnahmen?

Andersson: Es ist etwas in den Hintergrund gerückt, weil viel über den HSV geredet wurde. Aber es ist etwas ganz Besonderes, gegen Flensburg zu spielen. Sicher werden da beide Teams ein paar Prozent mehr geben. Es geht ja nicht nur um Punkte, sondern vor allem auch um Ehre.

Sport1.de: Haben Sie die Rivalität zwischen den Vereinen und beider Fangruppen mittlerweile verinnerlicht?

Andersson: Wenn man sich mit den Fans unterhält, erklären sie gern, was das Spiel für eine Bedeutung hat. Mir ist daher die Bedeutsamkeit dieses Duells bewusst.

Sport1.de: Während dieser Saison gab es schon einige Patzer. Was macht Ihre Mannschaft jetzt, in der entscheidenden Phase, stark?

Andersson: Gegen Balingen darf man auswärts nicht verlieren, dass war natürlich peinlich. Lemgo hat uns kaputt gemacht, aber sonst haben wir nicht viel Punkte abgegeben. Wir haben sehr gute Leute, die ihre Aufgaben hervorragend erfüllen. Wir vermeiden es meist, einfache Gegentore zu bekommen.

Sport1.de: Welcher Ihrer Mitspieler beeindruckt Sie am meisten?

Andersson: Filip Jicha hat großen Anteil an unserem erfolgreichen Spiel. Er spielt eine herausragende Saison, ihm haben wir viel zu verdanken. Auch Daniel Narcisse kommt an seine alte Form heran. Aber insgesamt stimmt die Einstellung bei uns einfach. Das hilft, die engen Spiele zu entscheiden.

Sport1.de: Die Saison ist geprägt vom Fernduell mit dem HSV. Schauen Sie immer mal rüber, was der Gegner gemacht hat?

Andersson: Nein, überhaupt nicht. Es ist sogar so, dass die eher schauen, was wir machen. Wir bekommen natürlich mit, wie der HSV gespielt hat, aber wir müssen uns auf unsere Spiele konzentrieren. Nach der Saison können wir dann überlegen, ob es gut oder schlecht war.

Sport1.de: Wird die Entscheidung in der Meisterschaft vor dem Duell mit dem HSV fallen?

Andersson: Ich hoffe für uns, dass die Entscheidung zu unseren Gunsten so früh wie möglich fällt. Aber wichtig ist es, dass wir bis zu dem Spiel alle Punkte mitnehmen.

Sport1.de: In der Champions League geht es gegen Rhein-Neckar-Löwen. Hätten Sie lieber ein Gegner aus dem Ausland bekommen?

Andersson: Es ist egal, gegen wen wir spielen. Für unsere Fans ist es positiv, da sie nicht so weit reisen müssen. Wir kennen uns gut aus mit den Löwen, von daher ist für uns ein tolles Los. Leider schafft es nun eine deutsche Mannschaft weniger ins Final Four. Aber ich hoffe doch schwer, dass wir weiterkommen.

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