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Stefan Kretzschmar war von 2007 bis 2009 Sportdirektor beim SC Magdeburg © imago

SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar traut den Ex-Kollegen aus Magdeburg gegen Hamburg einen Coup zu - unter drei Voraussetzungen.

Von Annette Bachert und Martin Hoffmann

München - Gerade erst angekommen und gleich schon wieder los. So erging es Guillaume und Bertrand Gille vom frisch gebackenen DHB-Pokalsieger HSV Handball.

Die beiden hatten nach einem Wochenende mit der französischen Nationalmannschaft in Island eine regelrechte Odyssee auf sich nehmen müssen. Dank dem isländischen Vulkan Eyjafjallajoküll mussten die Brüder von Reykjavik mit dem Flieger nach Trondheim und danach eine über 20-stündige Busfahrt absolvieren.

Erst am späten Montagabend trafen sie in der Hansestadt ein, tags darauf ging es morgens mit dem Mannschaftsbus weiter nach Sachsen-Anhalt, wo der Tabellenführer auf den SC Magdeburg trifft (ab 20.15 Uhr LIVE auf SPORT1 und LIVESCORES).

Der hat eine fast dreiwöchigen Bundesliga-Pause hinter sich. Auch deshalb hatte der HSV kurzfristig auch um eine Spielverlegung gebeten - vergeblich (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Müde, aber selbstsicher

"Die Voraussetzungen für Hamburg könnten günstiger sein, gerade im Meisterschaftsrennen", weiß auch SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar mit Blick auf "die Asche-Nummer".

Favorit Hamburg reist mit den geschwächten Gille-Brüdern, den ebenfalls von Reise-Strapazen geplagten Nationalspielern Pascal Hens und Matthias Flohr. Außerdem bestritten sie zuletzt drei Spiele zusätzlich, zwei im Pokal-Final-Four und das Benefizspiel für den verstorbenen Oleg Velyky.

Dafür haben die Elbstädter durch den Pokalsieg eine Menge Selbstbewusstsein im Gepäck. Und: "Sie sind qualitiativ immer noch klar im Vorteil und haben den Anspruch, auch unter den Umständen zu siegen", so Kretzschmar.

"Meine Spieler sind am Ende"

Der SCM hatte knapp drei Wochen spielfrei oder anders gesagt: Zeit für intensives Training und eingehende Spielvorbereitung.

Ob diese Pause ein Vorteil oder möglicherweise ein Nachteil wegen fehlendem Wettkampfrhythmus ist, wird sich wohl erst im Spiel herausstellen.

Fakt ist, dass HSV-Trainer Martin Schwalb dieses Spiel gerne verschoben hätte. Zur "Hamburger Morgenpost" sagte er: "Meine Spieler sind am Ende, das Spiel kann nicht stattfinden."

Diese Überlegung wurde von HBL-Justiziar Andreas Thiel geprüft und verworfen. "Das ist nicht schön, aber wir müssen den Beschluss wohl oder übel akzeptieren", murrt HSV-Präsident Andreas Rudolph im "Hamburger Abendblatt". Fair Play sehe anders aus, ärgerte sich auch Schwalb.

Reise-Stress auch für SCM-Spieler

Ähnliche Torturen wie Hens und Flohr mussten bei den Gladiators die Rückraum-Spieler Andreas Rojewski und Dennis Krause hinnehmen, die mit der B-Nationalmannschaft ebenfalls in Norwegen waren.

Für die Hamburger ist dieses Spiel ein wichtiges im Kampf um die Deutsche Meisterschaft.

Bei einer Niederlage könnte der direkte Konkurrent THW Kiel (46:6) in der Tabelle am HSV (49:5, ein Spiel mehr) vorbei ziehen.

Kiel-Klatsche als Motivation

Für die Gladiators geht es in diesem Duell wohl mehr um Wiedergutmachung bei den Fans als um entscheidende Punkte.

Mit 20:32 Zählern liegen sie deutlich hinter dem Tabellen-Neunten Füchse Berlin (30:24) und ebenso klar vor dem abstiegsbedrohten TSV Dormagen (12:40).

In der Situation stellt sich für Kretzschmar die Frage, ob bei seinem alten Klub "die Halle noch einmal voll wird und die Fans noch einmal die Rolle als treibende Kraft spielen werden".

Wenn ja, ist für Kretzschmar "eine Überraschung drin", trotz der zuletzt schwachen Bilanz Magdeburgs.

Sieben Niederlagen in neun Spielen und zuletzt die herbe 25:37-Klatsche gegen Kiel, bei der Magdeburg lange mitgehalten hatte (Halbzeit-Stand 14:14), mussten die SCM-Anhänger verdauen.

Drei Voraussetzungen für die Überraschung

Kretzschmar sieht drei Voraussetzungen, die sein Ex-Team erfüllen muss, um gegen den Favoriten zu bestehen.

Nummer eins: "Man muss an den Sieg glauben." Nummer zwei: "Das Duell der Torhüter muss mindestens ausgeglichen gestaltet werden."

Nummer drei: "Magdeburg muss eine aggressive Abwehr hinsetzen, die Hamburgs Rückraumschützen immer wieder vor unlösbare Aufgaben stellt. Wenn die sich aufreiben und die Lust am Handballspielen verlieren, dann hat Magdeburg Chancen."

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