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Der Pole Kristof Szargiej ist seit Januar Trainer beim TuSEM Essen © imago

Keine Punkte und nun auch Geldnöte: Das Schlusslicht TuSEM Essen hat offenbar wieder finanziellen Schwierigkeiten.

Essen - Die wohl beste Handball-Liga der Welt wird die Finanzsorgen nicht los.

Sechs Wochen nach der Steuerfahndung beim in Nöte geratenen Bundesligisten HSG Nordhorn werden die Probleme beim dreimaligen Meister TuSEM Essen offenbar immer dringender.

Nach Berichten der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ) hat der noch punktlose Tabellenletzte zum Jahresende einen zusätzlichen Bedarf von einer Million Euro, der bislang noch nicht gedeckt ist.

Gehälter stehen aus

Zudem warten die Spieler demnach auf die Auszahlung zweier Monatsgehälter. Die "WAZ" beruft sich bei den Angaben auf Ulrich Gaißmayer, den Präsidenten des Hauptvereins und zugleich Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Handballer.

Der Aufsichtsrat hat TuSEM-Geschäfstführer Horst-Gerhard Edelmeier laut Gaißmayer bereits empfohlen, insolvenzrechtlichen Rat einzuholen.

Bohmann spricht von "massiven Problemen"

Die Handball-Bundesliga (HBL) zeigte sich nach den neuerlichen schlechten Nachrichten alarmiert und bat Edelmeier für Dienstag zum Gespräch.

"Wenn die Zahlen so stimmen, würde Essen massive Probleme bekommen", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. Edelmeier solle "die Diskrepanzen zwischen diesen Berichten und unseren Unterlagen erklären. Warme Worte helfen nicht."

Auch sportliche Schieflage

Die Essener haben offenbar vor allem bei der Suche nach neuen Sponsoren Probleme.

Zudem ist die sportliche Lage bei 0:16 Punkten nach acht Spieltagen und einigen Verletzungssorgen sowie dem Abschied von Mittelmann Andrej Siniak in der vergangenen Woche bedrohlich.

Storm: "Ein Systemproblem"

Bohmann kündigte mögliche Konsequenzen aus den Fällen Nordhorn und Essen an: "Wir müssen andere Prüfverfahren bei der Lizenzierung erwägen. Wir brauchen möglicherweise strengere Auflagen, bisher sind das eher Berichtsauflagen."

Ein "Systemproblem" sieht auch Thorsten Storm, Manager der Rhein-Neckar Löwen: "Das ist kein Einzelfall, und diese Meldungen wird es auch in anderen Sportarten immer wieder geben."

Zugleich müsse sich die gesamte Liga hinterfragen, ob das Wettrüsten und die hohen Ausgaben im Gehaltsbereich so sinnvoll seien. Die Handball-Liga bewege sich auf dünnem Eis.

Rekordetat der Liga

"Wir haben die Gehaltsspirale zu weit gedreht. Wir müssen alle zusammen aufpassen, dass die Schere nicht zu weit auseinandergeht", sagte Storm.

So bleibe sein Klub bewusst unter dem Budget anderer Top-Vereine.

Angeführt von Großklubs wie Champion THW Kiel, dem HSV Hamburg oder der SG Flensburg-Handewitt und dem TBV Lemgo aber auch den Löwen verzeichnet die Liga insgesamt einen Rekordetat in dieser Spielzeit.

Essener Zwangsabstieg 2005

Der dreimalige Deutsche Meister TuSEM war erst zur vergangenen Saison in die höchste deutsche Spielklasse zurückgekehrt. Der Klassenerhalt klappte erst in der Relegation.

2005 hatte der Klub als amtierender Europapokalsieger nach Lizenzentzug in die Drittklassigkeit zwangsabsteigen müssen.

Das gleiche Schicksal ereilte vor drei Jahren die SG Wallau-Massenheim. Es waren die ersten und bislang einzigen Lizenzentzüge seit Einführung des Verfahrens.

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