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Seit 2005 ist Martin Schwalb (r.) Trainer beim HSV Hamburg © getty

HSV-Trainer Martin Schwalb spricht im Interview mit SPORT1 über das Top-Duell gegen Kiel und mit welchen Tricks er rechnet.

Von Martin Hoffmann

Hamburg/München - Der Countdown zum Saisonhöhepunkt läuft unaufhaltsam. HSV gegen Kiel, das Duell der zwei Mannschaften, die die Bundesliga dominieren, Erster gegen Zweiter, Pokalsieger gegen Rekordmeister.

Wenn der aktuelle Spitzenreiter Hamburg am Samstag (16.30 Uhr live im TV auf SPORT1) den direkten Verfolger empfängt, wird es die Vorentscheidung im Titelrennen sein.

Der HSV hat die große Chance, den Vorsprung an der Spitze mit einem Heimsieg auf drei Punkte auszubauen und drei Spieltage vor Schluss den wohl entscheidenden Schritt in Richtung Meisterschaft zu machen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Für den aktuellen Pokalsieger wäre es die erste deutsche Meisterschaft in der elfjährigen Vereinsgeschichte. Im SPORT1-Interview äußert sich Trainer Martin Schwalb über das Duell der Giganten, einen möglichen Machtwechsel im deutschen Handball und das Champions-League-Aus.

SPORT1: Herr Schwalb, diverse Zeitungen titelten in dieser Woche: "HSV will den Machtwechsel". Wäre der tatsächlich bei einem Sieg gegen Kiel vollzogen?

Martin Schwalb: Keiner beim HSV hat jemals von Machtwechsel gesprochen. Wir wollen uns in den nächsten Jahren an der Spitze etablieren, mit dem THW und ein paar weiteren Mannschaften um den Titel kämpfen. Das ist das, was der Verein sich als Ziel gesetzt hat.

SPORT1: Wie groß ist nun die Vorfreude auf den Showdown gegen den THW?

Schwalb: Sehr groß. Es ist ein ganz spezielles Spiel für den deutschen Handball und bietet natürlich eine ganz besondere Konstellation.

SPORT1: Hat das Aus in der Champions League einen Knick hinterlassen oder ist dadurch eine Jetzt-erst-recht-Einstellung entstanden?

Schwalb: Einen Knick sollten wir uns da nicht andichten lassen. Die Mannschaft ist sehr stabil und wir haben in Spanien gegen eine ganz starke Mannschaft verloren. Ciudad ist der Titelverteidiger, den man eben nicht einfach so im Vorbeigehen schlägt. Wir können um jeden Titel mitkämpfen, aber nicht jeden gewinnen. Aber mit dem DHB-Pokal haben wir ja schon einen geholt und die Mannschaft möchte unbedingt den zweiten nachlegen.

SPORT1: Was sind gegen den THW die Schlüssel zum Erfolg, worauf muss der HSV ganz besonders achten?

Schwalb: Wir müssen vor allem den Rückraum des THW in den Griff bekommen. Das geht nur wenn wir eine ganz starke Abwehrleistung zeigen. Das ist auf diesem Niveau das Entscheidende.

SPORT1: Kiel bangt um Momir Ilic, wie fit Filip Jicha ist, ist nach einer Wadenzerrung auch fraglich. Beeinflussen die Verletzungsprobleme bei Kiel ihre Vorbereitungen auf das Spiel?

Schwalb: Ich gehe davon aus, dass beim THW bis auf Kim Andersson alle Mann spielen werden. Deswegen beschäftige ich überhaupt nicht mit den Kieler Personalproblemen und hole da auch keine Informationen ein. Kiel hat mit Narcisse, Ilic oder Jicha viele Akteure mit Weltklasse-Format. Da darf man auch nicht den Fehler machen, sich auf einen bestimmten Spieler zu konzentrieren.

SPORT1: Mit Pascal Hens, Torsten Jansen und den Gille-Brüdern haben sie einige Spieler in ihrer Mannschaft, die mit dem HSV in den vergangenen sieben Jahren alle Höhen und Tiefen mitgemacht, aber noch nie die Meisterschaft geholt haben. Wie wichtig wäre gerade für diese Spieler der Titelgewinn?

Schwalb: Zuletzt hat die Mannschaft nicht mehr viele Tiefen durchgemacht. Sie hat sich permanent weiterentwickelt, was aber auch immer mit Niederlagen einhergeht. Das wird auch in Zukunft so sein, auch Kiel gewinnt nicht jedes Spiel. Aber das sind natürlich Jungs, die den HSV im Herzen tragen, seit Jahren daran arbeiten eine gute Mannschaft zu sein und viel dafür tun. Für sie wäre das natürlich ganz speziell, wenn sie es endlich schaffen Deutscher Meister zu werden. Das gilt aber auch für alle anderen Spieler. Es ist eine tolle Gemeinschaft. Das hat die Mannschaft in dieser Saison nachgewiesen.

SPORT1: Hamburg und Kiel kennen sich in- und auswendig. Kann sie der THW auf eine Art und Weise noch überraschen? Oder haben Sie vielleicht noch eine Geheimwaffe im Ärmel?

Schwalb: Wir gehen davon aus, dass sich Kiel schon diverse Abwehrvarianten einfallen lassen wird, um uns vielleicht etwas aus dem Konzept zu bringen. Aber wir sind auf alles eingestellt. Ich glaube, die Mannschaft die zu viel überlegt macht einen Fehler. Wir müssen versuchen, die Leistung auf dem Parkett optimal abzurufen. Am Ende werden Kleinigkeiten entscheiden. Wir werden optimal vorbereitet sein.

SPORT1: Gäbe es denn schon eine Feier, sollte es das Erfolgserlebnis gegen Kiel geben?

Schwalb: Das wäre ja wahnsinnig, wir sind doch nicht auf der Wurstsuppe dahergeschwommen. Wir sind nicht so naiv und glauben, dass ein Sieg schon den Titel bedeutet. Egal wie das Spiel am Samstag ausgeht, die Meisterfrage wird nicht beantwortet sein. Feiern werden wir auf gar keinen Fall.

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