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Igor Vori (l.) und Pascal Hens steht der Frust ins Gesicht geschrieben © getty

Nach dem verlorenen Spitzenspiel gratulieren die Hamburger den Kielern schon zum Titel. Die wollen davon nichts wissen.

Hamburg - Formell ist die Meisterschaft in der Handball-Bundesliga noch nicht entschieden.

Es fühlte sich allerdings nach Meisterschaftsentscheidung an, was sich nach dem 33:31-Sieg des THW Kiel beim HSV Hamburg zutrug.

Während die Spieler des Rekordmeisters noch in der Arena des Gegners ein erstes Meister-Tänzchen aufs Parkett legten, zogen sich die HSV-Akteure mit hängenden Köpfen in die Kabine zurück, um nach ihrer wohl bittersten Niederlage erst einmal allein zu sein.

Erst lange nach dem Schlusspfiff fanden die Spieler des gestürzten Tabellenführers Worte (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Der Frust ist riesig"

"Die Enttäuschung ist riesengroß", hielt Torwart Johannes Bitter bei SPORT1 fest (die Stimmen im Video).

"Der Frust ist riesig. Wir haben eine große Chance vergeben", meinte Guillaume Gille.

Und auch Nationalspieler Pascal Hens, der mit nur drei Treffern enttäuschte, wirkte eine Stunde nach Spielende immer noch zutiefst niedergeschlagen: "Wir wissen, dass wir viel besser spielen können, als wir es hier gezeigt haben." (Stenogramme 32. Spieltag)

Erneut versagen die Nerven

Wieder einmal hatten den Hanseaten in einem entscheidenden Spiel die Nerven versagt.

Bei dem zum "Finale" um die Meisterschaft avancierten Gipfeltreffen des 31. Spieltages hatten die Gastgeber vor 13.296 Zuschauern über weite Strecken gehemmt gewirkt und so die Chance auf den möglichen ersten Meistertitel vergeben.

"Wir haben zuviel Respekt gezeigt. Es tut wahnsinnig weh, das Spiel auf diese Weise zu verlieren", sagte Hens.

Schwalb gratuliert zum Meistertitel

An eine Chance auf den Titel wollten die Hamburger trotz des knappen Rückstands von einem Punkt auf den Tabellenführer aus Kiel zwei Spieltage vor Ende nicht mehr glauben.

"Wir haben mit diesem Spiel wohl auch die Meisterschaft verloren. Ich glaube nicht, dass sich der THW noch einen Ausrutscher erlaubt", sagte HSV-Torwart Johannes Bitter.

Die Kieler müssen noch gegen Balingen-Weilstetten (2. Juni) und beim TV Großwallstadt (5. Juni) antreten. Der HSV empfängt Hannover-Burgdorf (28. Mai) und reist am letzten Spieltag nach Balingen (5. Juni).

Schon vorher aber erklärte nach dem Gipfeltreffen HSV-Coach Martin Schwalb: "Glückwunsch an den THW, sie sind zu Recht Deutscher Meister."

"Müssen auf dem Teppich bleiben"

Eine Gratulation, die wohl auch ein Psycho-Trick ist, um Kiel in Sicherheit zu wiegen. Aber der THW machte nicht den Anschein, als würde die Taktik funktionieren: "Wir nehmen keine Glückwünsche an", stellte Linksaußen Dominik Klein bei SPORT1 klar.

"Wir haben einen ganz wichtigen Sieg geholt. Aber wir müssen auf dem Teppich bleiben. Noch haben wir die Schale nicht gewonnen", meinte Rückraum-Ass Filip Jicha, der jede Zweifel, er wäre nach einer Wadenzerrung nicht richtig fit, zerstreute und mit acht Treffern bester THW-Werfer war.

Neidvolle Anerkennung

Vor allem mit Blick auf das bevorstehende Final Four in der Champions League, wo die "Zebras" am kommenden Samstag in Köln im Halbfinale auf Titelverteidiger Ciudad Real treffen, warnte THW-Coach Alfred Gislason vor zuviel Titel-Euphorie.

"Wir wollen ins Champions-League-Finale. Aber danach müssen wir wieder Spannung für die beiden letzten Bundesliga-Spiele aufbauen - das wird nicht leicht", so der Isländer.

Für HSV-Präsident Andreas Rudolph war der Meisterschafts-Traum für diese Saison dennoch abgehakt: "Wir müssen neidvoll anerkennen, dass der THW verdient Meister wird."

Sein Klub könne nur die Lehren aus der Niederlage ziehen "und daran arbeiten, es in Zukunft besser zu machen. Schließlich wollen wir auch nächste Saison wieder um alle drei Titel mitkämpfen."

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