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Karol Bielecki hat in der Bundesliga seit 2004 855 Tore geworfen © getty

Drama um den Rückraum-Star der Rhein-Neckar Löwen: Er verliert sein linkes Auge. Karol Bielecki will um seine Karriere kämpfen.

Von Marc Ellerich

München - Karol Bielecki, polnischer Star-Rückraumschütze der Rhein-Neckar Löwen, muss um die Fortsetzung seine Karriere aufgrund der schweren Augenverletzung bangen, die er sich in einem Testspiel gegen Kroatien am 11. Juni zugezogen hatte.

Der 28-Jährige hat trotz zweier Operationen die Sehfähigkeit auf dem linken Auge verloren. (Alle Handball-News)

"Es ist leider so passiert, dass das Auge nicht gerettet werden konnte. Ich muss nun lernen, anders zu leben", sagte der Handball-Star dem polnischen Radiosender "Jedynka": "Egal was passiert, ich werde es schaffen. Es liegt noch vieles im Leben vor mir, schließlich ist es nur ein Auge."

Arzt: Sehkraft kommt nicht wieder

Auf der Homepage der Rhein-Neckar Löwen hieß es am Samstag, eine Prognose könne nach der zweiten Operation nur schwer abgegeben werden. "Wir müssen die weiteren Genesungsschritte abwarten", wird dort der behandelnde Arzt, Thomas Katlun, zitiert.

Doch auch der Mediziner hörte sich skeptisch an. "Die jüngsten Untersuchungen ergaben, dass die Sehkraft auf dem verletzten linken Auge leider nicht zurückkommen wird." Für den Spieler werde nun ein Reha-Programm vorbereitet, das bereits am Montag beginnen soll. Zudem erhält Bielecki eine Schutzbrille.

"Habe eine Chance"

Von einem Karriere-Aus sprachen der 28-Jährige und sein Verein am Samstag nicht.

"Natürlich war das ein großer Schock", erklärte der 2,02-Meter-Mann auf "rhein-neckar-loewen.de", gab sich aber kämpferisch: "Ich weiß, ich habe eine Chance, die will ich auch ergreifen."

Löwen-Manager Thorsten Storm: "Er steht vor seiner größten Aufgabe, und es wird kein leichter Weg zurück aufs Handball-Spielfeld. Aber ich weiß, dass Karol kämpfen kann." Zugleich sagte Storm seinem Spieler jegliche Unterstützung seines Vereins zu: "Wir werden Karol mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln helfen."

Schnelle Behandlung

Bielecki hatte sich in dem Test gegen Kroatien durch eine Abwehraktion seines Gegenspielers Josip Valcic schwer am Augapfel und am Lid verletzt. Es war sofort in einem Krankenhaus in Kielce behandelt worden. Später war er in eine Spezialklinik in Lublin gebracht und dort operiert worden. Von dort aus war er nach Tübingen gebracht worden.

Bielecki war mit dem polnischen Team 2007 bei der WM in Deutschland Vize-Weltmeister geworden. In 147 Länderspielen hatte er 642 Treffer für sein Land erzielt. Den Vertrag mit den Rhein-Neckar Löwen hatte Bielecki Anfang Juni bis 2015 verlängert.

Zuspruch von Fußball-Vize-Weltmeister

Mut machte Bielecki der frühere Fußball-Nationalspieler Wilfried Hannes.

Der Vize-Weltmeister von 1982 verlor bereits als Siebenjähriger sein Auge und rät dem prominenten Handballer: "Er muss lernen, sich anders auf dem Spielfeld zu positionieren. Ich habe damals viel mit Tennisbällen trainiert", sagte der ehemalige Gladbacher Hannes der "Bild am Sonntag" und betonte: "Aber das Wichtigste bleibt der Wille. Wenn Karol Bielecki Fragen hat, kann er mich gern anrufen."

Storm: Frage der Zeit

Im Handball sind Augenverletzung bislang nicht verbreitet. Einzig der isländische Nationalspieler Jason Olafsson hatte vor zwölf Jahren seine Laufbahn vorzeitig beenden müssen, nachdem er nach einem Ellbogencheck auf einem Auge erblindete.

Storm allerdings meinte, es sei im Vollkontakt-Sport Handball nur eine Frage der Zeit gewesen, "bis es mal zu einer solch schweren Augenverletzung kommt".

Der Einsatz von (Schutz-)Brillen im Handball ist grundsätzlich erlaubt. "Das ist kein Problem. Sie dürfen nur nicht eckig oder spitz sein", sagte Uwe Stemberg, der Spielleiter der Bundesliga. Schon Ex-Nationaltorhüter Andreas Thiel hatte zeitweise mit einer Sportbrille gespielt, die an einem Gummiband befestigt war.

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