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Michael Kraus (l.) spielt nun unter anderem mit Welt- und Europameister Bertrand Gille © imago

HSV-Sportchef Christian Fitzek erklärt bei SPORT1, wie der lebenslustige Neuzugang Michael Kraus in den Griff zu kriegen ist.

Von Julian Meißner

München - Auch wenn es etwas länger gedauert hat: Michael Kraus ist bei seinem "Lieblingsverein" angekommen.

"Handball-Deutschland kann endlich aufatmen", heißt es auf der Website des einstigen "Bravo"-Boys, seit der Transfer von Lemgo nach Hamburg nach zähen Verhandlungen Ende Juli als perfekt gemeldet wurde.

Ganz links außen, als wäre er auch in diese Formation auf den letzten Drücker gehuscht, sitzt "Mimi" nun mit der Trikotnummer zwei auf dem neuen Mannschaftsfoto des HSV Hamburg.

"Ich hoffe, dass der Klub in Zukunft noch erfolgreicher ist als bisher", sagt Kraus - und unterstreicht damit die hohen Erwartungen, die in den ehemaligen Kapitän der deutschen Nationalmannschaft gesetzt werden.

Kiel auf den Fersen

Schließlich ist der HSV in der vergangenen Saison seinem großen Ziel, der deutschen Meisterschaft, so nahe gekommen wie nie zuvor.

Ein mageres Pünktchen Vorsprung ließ am Ende einmal mehr die Seriensieger des Erzrivalen THW Kiel jubeln. Das soll im letzten Jahr von Martin Schwalb als Trainer der Hamburger anders werden, mit Kraus als letztem fehlendem Baustein in einer Ansammlung von absoluten Top-Spielern.

Hochbegabter mit Luft nach oben

"Martin ist ein Weltklassetrainer und wird den richtigen Weg mit ihm finden", gibt sich HSV-Sportchef Christian Fitzek im Gespräch mit SPORT1 zuversichtlich, dass Schwalb Kraus in den Griff bekommt und das Leistungsmaximum aus dem Hochbegabten herauskitzelt.

Entscheidender in der Disziplinierung des nicht immer pflegeleichten Rückraumspielers seien aber die Mitspieler: "Das Team reguliert sich selbst. Man hat innerhalb dieser Mannschaft eigentlich nur eine Chance, wenn man sich so bewegt wie alle anderen. Sonst wird es für Mimi sehr schwer werden."

Das habe ihm die Vereinsführung auch nahe gebracht, denn: "Die Mannschaft hat ihn ganz normal aufgenommen, wird aber genau beobachten, was er tut."

Kretzschmar: "Er muss sich unterordnen"

"Er wird sich unterordnen müssen", sagt auch SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar: "Vom Talent her kann er jedem Spiel seinen Stempel aufdrücken. Aber die Frage ist, ob er das im Hamburger System überhaupt soll. Es wird spannend zu sehen, wie er sich dort präsentieren wird."

Mit Guillaume Gille und Domagoj Duvnjak stehen auf Kraus' Spielmacherposition bereits zwei Weltklasseleute unter Vertrag, auch der linke Rückraum ist mit dem wieder genesenen Pascal Hens und dem Kroaten Blazenko Lackovic vorzüglich besetzt.

Gut möglich, dass Kraus mitunter auf die ungeliebte rechte Seite ausweichen muss, wo mit Krzysztof Lijewski ein Leistungsträger lange ausfällt.

Außergewöhnlicher Strafenkatalog

"Hamburg ist für ihn eine große Chance", sagt Fitzek über den Shootingstar der Heim-WM 2007, den er schon vor Jahren in Göppingen trainierte. Der ehemalige Nationalspieler ist sich sicher: "Mimi ist ein Top-Handballer und ein sehr guter Mensch. Er wird sich in unsere Mannschaft integrieren."

Sollte es zu Problemen kommen, dürfte Hobby-DJ Kraus bald mehr Einsatzzeit am Herd bekommen als ihm lieb ist.

"Es gibt keine Geldstrafen, wenn jemand zu spät kommt. Bei uns muss ein Spieler dann kochen", erklärt Fitzek den außergewöhnlichen Strafenkatalog beim Vizemeister: "Tut man einem Spieler, der viel Geld verdient, weh, wenn er hundert Euro zahlen muss? Nein, tut man nicht. Aber wenn er sich für die Mannschaft einbringen muss - Kochen, Getränke mitbringen, Teller wegräumen - das beschäftigt einen Spieler schon eher."

Kapitel Lemgo ist geschlossen

In Lemgo war Kraus vermehrt durch Undiszipliniertheit aufgefallen und zwischenzeitlich aus dem Kader verbannt worden.

Über die Episode in Ostwestfalen möchte er am liebsten nicht mehr sprechen. Das Kapitel TBV Lemgo ist geschlossen für den 26-Jährigen, der schon fast 100 Länderspiele auf dem Buckel hat.

Champions League wollte er spielen, hatte er immer wieder gesagt. Ein Traum, der ihm mit dem TBV vergangene Saison versagt blieb. Die Mannschaft scheiterte in der Qualifikation, Trainer Markus Baur musste gehen.

Gerüchte, Kraus sei nicht ganz unschuldig am Abgang seines Vorgängers im DHB-Team, hielten sich hartnäckig. Überhaupt wurde der lebenslustige Schwabe im Lipperland nie richtig glücklich, auch wenn mit dem Gewinn des EHF-Pokal ein versöhnlicher Abschied gelang.

Fingerzeig beim Super Cup

Einen ersten Fingerzeig für den Fortschritt der Integration des neuen Mittelmannes wird es ausgerechnet in der Handball-Diaspora geben.

In tiefsten Süden der Republik treffen sich die Nord-Giganten, Meister Kiel und Pokalsieger Hamburg, zum ersten Kräftemessen der Saison: Kraus wird beim Super Cup in München (24.8., 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) sein Pflichtspieldebüt für den HSV geben.

Ob Handball-Deutschland wirklich aufatmen kann, wird sich erst im Verlauf der Saison zeigen.

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